Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1901)
- Date
- 1901-01-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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140'. andere Herrscher der Vergangenheit und Gegenwart, ihr Volk im entgegengesetzten Sinne zu beeinfluffen, daß sie sich nicht nur streng an die Konstitution hielt, sondern auch Juden und Judenthum stets Wohlwollen entgegen brachte, muß ihr außerordentlich hoch angeschlagen werden. Mag die Machtfülle eines Herrschers durch Gesetze und Verfaffung noch so sehr eingeschränkt sein, der Einfluß, den er aus die öffentliche Meinung auszuüben im Stande ist, ist oft ein gewaltig großer. Die aristokratischen Klaffen, die höheren Beamten, die Hoflieferanten, die königstreuen Zeitungen u. s. w. richten sich nach der Meinung des Inhabers der Krone und wie oft ist ein leiser, antisemitischer Wind, der oben in den höchsten Regionen wehte, tief unten zum alles verheerenden Sturme entfacht worden. Königin Viktoria benutzte ihren Einfluß nie in diesem Sinne. Juden und Jüdinnen waren während ihres ganzen Lebens ihre Freunde, Juden und Jüdinnen wurden in unzähligen Fällen von ihr ausgezeichnet und ihnen hoher Rang, Titel, Orden in großem Maße verliehen und einem aus jüdischem Hause stammenden Premierminister, Lord Beakonsfield, war sie von allen ihren Untertbanen am meisten zugethan. Wie gut sie diesen Mann leiden konnte, zeigte sich auch darin, daß, nachdem dieser ihr den Titel Kaiserin von Indien verschafft hatte, sie ihm die formelle Erledigung der Geschäfte außerordentlich erleichterte, während sie den Verkehr mit einem Manne, wie Gladstone, auf das Rothwendigste beschränkte. Rach alldem wird man es begreiflich finden, daß die englischen Juden mit einer Liebe und Verehrung an ihrer Königin hingen, die bei jeder sich darbietenden Gelegenheit zum Ausdruck gebracht wurde. Zuletzt zeigte sich dies in größerem Maßstabe anläßlich des 60jährigen Jubiläums Ihrer Majestät. In sämmtlichen Gotteshäusern des britischen Reiches fanden feierliche Dank-Gottesdienste statt. Die Hauptsynagoge war auf das Herrlichste geschmückt. Der damalige Lordmayor Sir Faudel Philipps und die Lady Mayoreß fuhren in ihrer vrächtigen Amtsequipage vor das Hauptportal, woselbst sie der erste Vorsteher, Lord Rothschild, empfing; Knaben aus der Londoner Freischule in militärischer Uniform bildeten Spalier. Es folgten die beiden Sheriffs und eine große Anzahl von Magillratsräthen (Aldermen) in Amtstracht. Der Lordmayor trug seine scharlachrothe Robe, sowie seine von Edelsteinen strahlende Amtskette von angeblich zwei und eine halbe Millionen Mark Werth. Ties ergriffen war die Gemeinde, als der Chief-Rabbi in seiner Rede hervorhob, daß bei Regierungsantritt der Königin die Juden noch keine öffentlichen Ämter bekleideten, während übermorgen bei dem königlichen Festzuge der Lordmavor, ein Jude, die Königin beim Eintritt in die City, in Gegenwart von Millionen von Menschen aus allen Nationen der Erde, empfängt und als Vertreter der Hauptstadt Englands Ihrer Majestät das goldne Schwert überreicht. Die Geschichte der Emanzipation der Juden in England ist auch ein Beweis dafür, daß es keiner religiösen Reformen bedarf, um die Gleichstellung mit den Andersgläubigen zu erlangen, denn die englischen Juden sind in ihrer überwiegenden Mehrheit noch ebenso fromm wie früher.. Bei Sir Moses Montefiore hatte die Beherrscherin Englands öfters Gelegenheit, die Vorzüglichkeit auch der streng koscheren Kost kennen zu lernen. Und nun steht die englische Judenheit und mit ihr die Israeliten auf der ganzen Erde trauernd an der Bahre der hochgesinnten Königin. wbp nxi b'n w nun rrai. „Der Frauen viele haben Wackeres geübt." „Du aber hast sie alle überragt." Genau nach den Schilderungen des Psalmisten war sie das Muster eines tugendhaften Weibes. Thätigkeit war ihr Element, Wohlthun ihre Freude, Weisheit wohnte aus ihren Lippen und opferfreudige Liebe und Hingebung lehrte sie mit Rede und That. Und wenn bei anderen Frauen, was sie gewesen, unvergeßlich fortlebt in der Brust ihres Mannes und ihrer Kinder, so bleiben ihre Thaten unvergeßlich in den Herzen ihres Volkes, das sich stets glücklich preisen wird, eine solche Frau als Königin und Mutter besessen zu haben. Auch der jetzige König von England ist ein Freund unserer Glaubensgenossen. Mehrfach zählen Juden zu seinen besten Freunden. Auch dessen hohe Gemahlin, die jetzige Königin von England, ist dem jüdischen Volke wohlgesinnt. Bei dem großen Kinderfeste im Jahre 1887 erhielt jedes der 40 000 Kleinen eine Schachtel mit Roastbeaf, Obst, Backwerk, Limonade und ein kleines Fläschchen Wein. Für die unter den Kindern befindlichen Israeliten und Israelitinnen hatte man Tausende völlig gleiche Schachteln vorbereitet, die in Golddruck die Bezeichnung „Koscher" trugen. Diese Anordnung stammte von der Prinzessin von Wales, welche bei einer Komiteesitzung die Meinung ausgesprochen, daß es vielleicht frommen Jsraelitensamilien nicht genehm sein werde, wenn deren Kinder am Festtage sonst ungewohnte Kost verspeisen würden. Möge die Regierung des nunmehr auf den Thron gelangten edlen Herrscherpaares eine glückliche sein, eine gesegnete immerdar. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Posen, im Jan. Zur Feier des 200jährigen Bestehens des preußischen Königthums veranstaltete der Vorstand der hiesigen Gemeinde eine würdige Feier in der mit Zierpflanzen reich decorierten und in preußischen und deutschen Landesfarben drapierten Synagoge „Neue Betschule." Nach dem Schluffe des