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Der Israelit · 1901-01-17 · Heft 5 (17.1.1901) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 5 (17.1.1901)
Date
1901-01-17
Page
– (sequence 22)
Language
German
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116 Dann rauft Wt Me Haare auö, du Astaroth, und Rama reiße Inmitten sein Gewand entzwei, befleckt vom Staub und blutgem Schweiße! Und eine dunkle Nacht wird sein und dumpfer Wehruf rings im Land, Und eurer Veufzer Kette schlingt sich endlos euch um Fuß und Hand, Und immer wieder höre ich aus Edom her das Rufen bange: „Sag, Hüter, ist die Nacht bald hin? du Wächter, währt die Nacht noch lange?" ermann de Mood. 4i^i\ Augenblicklich weilen in Amsterdam viele Buren aus der Capkolonie, dem Freistaat und Transvaal, aus deren Köpfe die Engländer hohe Preise gesetzt haben. Unter ihnen sind Jünglinge von kaum zwanzig Jahren, Männer im besten Mannesalter und Greise; zumeist stille, in sich gekehrte Leute, die erst nach längerer Bekanntschaft aus sich herausgehen. Im beinahe täglichen Umgänge mit ihnen haben wir Manches erfahren, das für die Veröffentlichung geeignet ist, ohne für die armen Leute nach ihrer eventuellen Rückkehr nachtheilige Folgen nach sich zu ziehen. Kürzlich lief unser Gespräch über das Verhältniß der Buren auf dem Plattlande zu den Juden. Alle erklärten: „Der Bur ist mißtrauisch gegen Jedermann, ob er nun Deutscher oder Franzose, Rusie, Türke oder Amerikaner ist; so auch gegen den Juden. Es dauert sehr, sehr lange, bis er dieses Mißtrauen überwunden hat. Deßhalb sind auch ehrliche Fremdlinge, die sich hierüber gekränkt fühlen, häufig recht ungehalten über den Bur und äußern dies unverhohlen in der europäischen Preffe. Hat aber Jemand das Vertrauen eines Burs gewonnen, so besitzt er dies voll und ganz. So wohnte bis vor Kurzem in einem Cap'schen District ein Jude, Namens Katzenstein, der die Verwaltung verschiedener großer Bauernhöfe führte. Er kaufte und verkaufte sie. Hatten die betreffenden Buren mal Geld nöthig, so holten sie's. Zinsen brauchte Katzenstein nicht zu bezahlen und für die Verwaltung bekam er jährlich obendrein noch eine bestimmte Summe. Viele Juden haben sich von fliegenden Marskrämern zu Ladenbeützern emporgearbeitet. Auf ihren Wanderungen haben sie die Bedürfnisse der Buren kennen gelernt und auck> die Weise, wie sie dieselben zu behandeln haben. Erzeugnisse, die der Bur für werthlos hält, kaufen sie ihm noch für gutes Geld ab. Dafür ist der Bur empfänglich, wenngleich er das so gewonnene Geld für andere, höher berechnete Gegenstände demselj ben Händler wieder zurückzahlen muß. Dazu kommt, daß der Jude manch' derben Scherz des Burs versteht, dem andere Leute eine witzige Seite nicht abgewinnen können. Auch machen sie sich bei dem Bur dadurch beliebt, daß sie ihm in der Correspondenz mit den Steuerbehörden und den Regierungsorganen hülfreich zur Seite stehen. Ein solch' sehr beliebtes Factotum war, wie der junge Dries de Wet, ein Neffe des bekannten Generals, mittheilt, ein deutscher Jude, Namens Hermann. Ob dies sein Vor- oder Zuname war, weiß der Erzähler nicht, wo er her war, weiß er auch nicht; er hieß einfach „Hermann de Jood." Hermann wohnte vor Ausbruch des Krieges im District Wolmarans. Als die Commandos aufgerufen wurden, um in's Feld zu ziehen, meldete er sich auch. Der Feldkornet wollte anfänglich nichts von ihm wissen, Hermann erklärte jedoch, er würde unter allen Umständen mitgehen und setzte seinen Willen auch durch. So kam er denn zum Commando von General Cronje vor Mafeking, wo er sich nicht allein als sehr brauchbar erwies, sondern auch durch seine Tapferkeit — er schlich sich Nachts manchmal ganz allein an die feindlichen Vorposten heran — Aller Achtung erwarb. Als die Engländer bei Modderiver sein Pferd todtgeschossen hatten, bürschte er sich am helllichten Tage an den Pferdekraal der Engländer heran, schwang sich auf eines der besten Pferde, nahm ein anderes beim Züg:> und gallopirte, von den Wachtposten der Engländer heftig beschossen, in's Burenlager zurück. „Kwae Piet" (böser Peter, der Beiname des Generals Cronje) belobte ihn für diese That vor der ganzen Truppe. Er war einer der wenigen Tapfern, die es wagten, die von den Engländern beinahe völlig aufgeriebenen Scandinavier aus der feindlichen Uebermacht herauszuhauen.

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