Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 4 (14.1.1901)
- Date
- 1901-01-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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88 Das Bewußtsein einer Volker, Trägerin göttlicher Wahrheit im Fortlauf der Geschichte zu sein — bildet für Hirsch's Betrachtung der wahren und unverfälschten! Wissenschaft des Judenthums die grundlegende That- > lache. Durch die zergliedernde Art des geschichtlichen! Forschens gewonnen, wird das Bewußtsein der historischen Continuität die mächtigste Triebkraft für unser Handeln, die reinste Motivquelle, uns als Träger gottgeoffenbarter Kulturideale zu begreifen. Es verleiht uns dieser Gedanke das Gefühl jener idealen Gemeinschaft im Geistesleben der Entwickelung, welche alle Epochen unserer Geschichte Zu den treibenden Kräften für die Gegenwart mit ihrem Sein und für die Zukunft mit ihrem Sollen heranzieht. In diesem Bewußtsein des Zusammengehörens zur jüdischen Kulturgemeinschaft haben Sie, meine Freunde, dies Haus erbaut! Und Sie konnten vermöge dieser Continuität nicht anders, als an Samson Ravhael Hirsch s. A. denken. So sind denn die Marksteine unseres geschichtlichen Ganges Blumen und Hoffnungen, denn aus den Leichensteinen spricht uns die Wahrheit an, daß der Gottesgeist in Israel lebt. Wohl denen, die sich mit ihm eins fühlen. Zeituttgsnachrichterr und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. (Protokoll der Sitzung vom 3 0. Dezember 1 900.) SDaä Kuratorium der Pensions-, Wittwen- und Waisenkaffe des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche hielt am 30. Dezember 1900 im Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes eine Sitzung ab. Der geschäftssührende Vorsitzende, Herr Hanfs, eröffnete dieselbe um 10% Uhr mit Begrüßung der von auswärts erschienenen Mitglieder; es waren dies die Herren: Direktor Dr. Adler-Frankfurt a. M.. Blumenseld - Adelebsen, Steinhardt- Magdeburg; außerdem war als Gast das Mitglied des Verbandsvorstandes der jüdischen Lehrervereine, Herr Bernhard - Tarnowitz, anwesend. Nach Verlesung des Protokolls der vorigen Sitzung durch den Schriftführer und nach Annahme desselben durch die Versammlung trat man in die Tagesordnung ein. Im Namen der Subkommission, welcher die Aufgabe übertragen worden war, Vorschläge für die Besetzung der Stelle des Vorsitzenden zu machen, referierte Dr. F i e g e l. Derselbe führte aus, daß die Subkommission der Meinung gewesen sei, an die Spitze einer Lehrerkaffc müsse ein Angehöriger des Volksschullehrerstandes gestellt werden. Die Subkommiffion schlage demgemäß vor, Herrn Hanfs zum 1. Vorsitzenden zu wählen. Die Versammlung stimmte diesem Vorschlag bei. Nachdem Herr Hanfs sich zur Annahme des Amtes bereit erklärt hatte, legte Herr Professor Dr. P h i l i p p s o n sein Amt als 2. Vorsitzender wegen Ucberlastung mit anderen Arbeiten nieder. Auf Vorschlag des Herrn Direktor Dr. Adler wurde Herr Bankier Bamberger ersucht, das Amt eines 2. Vorsitzenden zu übernehmen, und dieser erklärte seine Bereitwilligkeit, seine Arbeitskraft dem Kuratorium auch in dieser Stellung zu widmen. Durch die Wahl des Herrn Hanfs zuin Vorsitzenden wurde die Stelle des 2. Schriftführers frei. Auf Vorschlag der Subkommission wurde Herr Lehrer Auerbach in's Kuratorium kooptiert und ihm die Stelle des 2. Schriftführers übertragen. Den Vorstand bilden nunmehr folgende Herren: Lehrer Hanfs als 1. Vorsitzender, Bankier Bamberger als 2. Vorsitzender, Lehrer Dr. Fi ege l als 1. Schriftführer, Lehrer A u e r b a ch als 2. Schriftführer, Bankier L o e w e nb e r g als 1. Schatzmeister, Handelsrichter L u st i g als 2. Schatzmeister. — Herr Direktor Dr. Adler referierte alsdann über die als Manuskript gedruckte Broschüre: „Die Pension-, Wittwen und Waisenkasse des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche. Eine kurze aetenmäßige Darstellung ihrer Entstehung und ihres Zweckes." Er gab den Inhalt der Broschüre an, welche zu dem Zwecke verfaßt sei, an der Hand der Arten eine kurze Geschichte der Entstehung zu geben und die Zwecke, die mit der Gründung der Kasse beabsichtigt seien, darzuthun. Aus den Ausführungen des Referenten ging hervor, daß die Anklagen, die seitens des Vereins jüdischer Religionslehrer Ostpreußens gegen die Kasse erhoben waren, haltlos seien. Da die Verbreitung der Broschüre in Lehrerkreisen geeignet sei, falsche Vorstellungen über Wesen und Bedeutung der Kasse zu beseitigen, so beantrage er, die Broschüre im Namen des Kuratoriums herauszugeben und in interessierten Kreisen zu verbreiten. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen, nachdem noch einige Abänderungen im Text der Broschüre beschlossen waren Ti? Broschüre soll allen Mitgliedern der zum Verbände gehörenden jüdischen Lehrervereine zugehen, außerdem vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund in 800 Exemplaren den von diesem herausgegebenen Mittheilungeu, die in der nächsten Zeit zur Versendung kommen, beigelegt werden. Der Vorsitzende wurde beauftragt, die Drucklegung der Broschüre baldigst zu bewirken. — Dann erfolgte eine freie Aussprache über di? Mittel zur Vermehrung der Grundfonds. In folg dieser Aussprache wurde der Vorstand veaujuragt, unter Hinzuziehung der Herren Meyer und Habert a n d den Anregungen näher zu treten. Zum Schluffe wurde dem Vorstand anheimgegeben, über die Aenderung des $ 19 der Statuten betr. die Zusammensetzung des Kuratoriums in Berathung zu treten. — Die bisher eingcgangenen Aufnahmegesuche werden nunmehr geschäftsmäßig behandelt werden; weitere Gesuche sind