Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 4 (14.1.1901)
- Date
- 1901-01-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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86 mer, mich trost- und fassungslos zurücklassend. Ich blieb bis über die Beerdigung und der vorgeschriebenen sieben Trauertage im Hause Deines Vaters. Dann ordnete ich die während der Krankheit der Hausfrau ganz außer Rand und Band gerathene Häuslichkeit, nahm Dich mit Deiner Amme mit mir und heim ging es wieder zu meinem kaum genesenen Ludwig, der mich schon ungeduldig erwartet hatte. Später stellte es sich heraus, daß Deine Eltern gänzlich verarmt waren. Die von mir angebotene Hilfe wies Dein Vater von sich, da er, einsam wie er lebte, auch aus seine Selbstständigkeit verzichtete und eine Stelle bei einem früheren Geschäftsfreunde angenommen hatte, die er auch bis zu seinem bald darauf erfolgten Tode inne hatte. Jetzt war das Schicksal zweier Kinder an mich gewiesen. Mein Vermögen reicht wohl für Beide bei bescheidenen Ansprüchen aus, aber mein Rechtsgefühl sträubt sich gegen eine Theilung. Dir bin ich physisch, Ludwig moralisch verpflichtet. Ich habe gegen Nathan Goldenkron's Sohn sehr viel gut zu machen. Wiewohl unbewußt, war ich es doch, die ihn in den Tod getrieben. Von mir schnöde abgewiesen und verlassen, hatte er wirklich seine Hand nach einer reichen Erbin ausgestreckt — seine Verhältnisse zwangen ihn hierzu, was ich, das unverständige Mädchen, damals nicht eingesehen hatte, sonst wäre es wohl anders gekommen. Seine Ehe war keine glückliche gewesen; er konnte den übertriebenen Ansprüchen seiner Frau nicht gerecht werden, stürzte sich ihretwegen in neuerliche Schulden, in gewagte geschäftliche Unternehmungen, die ihm aber mißlangen. Der frühe Tod seiner Frau machte den unerquicklichen Scenen in seinem Hause, die in Folge seiner Vorhaltungen über ihre Verschwendungssucht fast täglich stattfanden, ein Ende. Jedoch hatte ihr Tod nicht Alles gut zu machen vermocht, was ihr leichtsinniger Lebenswandel verschuldet, und so nahm Goldenkron in einer verzweiflungsvollen Stunde seine Zuflucht zu der erlösenden Kugel. Sein Kind, das er mir vermachte, wußte er bei mir gut aufgehoben. Trotzdem ich Alles gethan hatte, sein Vertrauen zu verscherzen, hat er es mir dennoch erhalten, bis zu seinem letzten Momente. Bin ich nicht unter diesen Verhältnissen Demjenigen vollen Ersatz mit meinem ganzen Vermögen schuldig, den ich um Vater, Vaterhaus und Vermögen gebracht habe? Sprich, urtheile selber, Debora?" „Das bist Du, Tante," rief ich begeistert aus, „doch ist meine Hand, die ich ihm nur widerstrebend reiche, nicht der richtige Ersatz für einen Mann, wie Ludwig es ist." „Er ist es, Kind," fuhr die Tante mit sanfter Stimme fort, „denn nicht nur, daß Du ein braves, gutes Mädchen bist, das zu besitzen er sich glücklich schätzen wird, erhält er auch mit Deiner Hand mein ganzes Vermögen, auf das Du, meine einzige lebende Verwandte, als solche allein Anspruch hast. In dieser furchtbaren Pslichtenkollision, in die ich gerieth, habe ich als einzigen Ausweg Eure eheliche Verbindung angesehen. Begreifst Du mich nun?" „O, ich begreife Dich ganz wohl," hauchte ich fast unbewußt. „Die Tante schloß mich in ihre Arme und endete diese lange Unterredung mit einem herzlichen Kusse." (Fortsetzung folgt.) WochenKslenüer. Freitag, 18. Jauuar, 27. Tbebet. Sabbat-Anfang in Mainz 4 Uhr 30 Min. Samstag, 19. Januir, 28. Thebet, n".-Dö Sabbat-Ausgang in Mainz 5 Uhr 45 Min. — Berlin 5 Uhr 16 Min. - München 5 Uhr 36 Min. — Hannover 5 Uhr 32 Min. - Stuttgart 5 Uhr 45 Min. - Prag 5 Uhr 15 Min. - Straßburg 5 Uhr 5,1 Min. - Posen 5 Uhr 04 Min. Montag, 21. Januar. 1. Schewat. ttnn ffto. Der „Israelit" erscheint wöc*»,-„tl»<•*• zweimal, MontHgg hiu! Donnerstags. jedesmal tu mindestens zwei B-'gen. P eis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnut ganzjöhrlich, halbjährlich od r vierteljährlich Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch V Zff. Steinackrr. Leipzig. 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