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Der Israelit · 1901-01-10 · Heft 3 (10.1.1901) · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 3 (10.1.1901)
Date
1901-01-10
Page
– (sequence 28)
Language
German
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68 arabischen Wörtern gemengt. GrößtentheilS Bewohner der Küstenstädte, sind sie nur in geringer Anzahl auch in einigen Städten des Innern zu finden. Sie stehen vielfach mit dem Auslande in Verbindung, sind größtentheils Geschäftsleute oder Agenten der fremden diplomatischen Vertreter. Sie bilden gleichsam die Aristokratie unter den Juden Marokkos und sind sämmtlich mehr oder minder in stets zunehmender Europäisirung begriffen. Deßhalb sind sie den Mauren ein Dorn im Auge, und während der Maure seine gegen die auswärtigen Schützlinge der fremden Regierungen ohnmächtige Wuth an den armen, ungeschützten Juden des Innern ausläßt, ist der spanische Jude an der Küste bestrebt, in vollen Zügen die Civilisation der Europäer sich anzueignen. Die Juden des Innern, die seit uralten Zeiten das Land bewohnen, sind über sämmtliche Distrikte zerstreut, und auch an Zahl den spanischen Juden überlegen. Sie sind es vorzüglich, auf denen der Druck und die Knechtschaft der barbarischen Jslambekenner ruht. Unter den freieren Stämmen sind sie meist innerhalb der ihnen gezogenen Grenzen ziemlich unbehelligt und mehr abgesondert, als bedrückt, sogar in manchen Gegenden durch selbständig auftretende Stämme, unter deren Protektion sie stehen, beschützt. Die Juden des Innern sprechen zumeist arabisch, jedoch auch berberisch in solchen Gegenden von ausschließlich berberischer Bevölkerung. Ferner gibt es in den Wüstenregionen mehrere freie jüdische Stämme, die am besten mit dem Namen „Halbjuden" zu bezeichnen sind. Es sind jüdische Stämme der Abstammung nach, die jedoch nach und nach alles oder den größten Theil ihrer ursprünglichen Religion abgelegt und einiges von der mohamedanischen angenommen haben. Sie sind sich jedoch ihrer jüdischen Abstammung bewußt, verleugnen dieselbe auch nicht und behandeln die mit ihnen in Berührung kommenden Juden als Freunde und Stammesgenoffen. Sie sind sehr kriegerisch und wissen sich in Respekt zu setzen. Die bekanntesten Halbjudenstämme sind die Dapatun und die Mespadschri." Ferner sagt Horowitz: „Obwohl an Zahl bedeutend geringer, als die Mauren, sind die Juden für den Fremden in Marokko fast wichtiger, als die eigentlichen Inhaber des Landes, da er weit mehr mit jenen, als mit den Mauren in Berührung kommt." Interessant ist die Beschreibung einer jüdischen Hochzeit, die einige Tage dauert. An den Abenden vor dem Hochzeitsseste finden sich bereits Gäste im Hause der Braut ein. Die letztere sitzt, in kostbare Gewänder gehüllt, auf einer Art Thronsessel, ein Diadem auf dem Hauvte, rechts und links von ihr je eine Verwandte oder eine Freundin. Die Gäste defiliren vor der Braut und bringen ihr Glückwünsche dar, indem sie rufen: „Siman tob" oder „Masel tob!" Am Abend vor dem Hochzeitsfeste begeben sich die Freunde und Verwandten der Brautleute mit einer Sänfte, begleitet von Musik und Fackeln, an's Haus der Braut. Daselbst angelangt, beginnen sie zu singen: „Wir sind e§, die die Braut zu holen kommen; wenn Ihr sie uns nicht herausgebt, so holen wir sie selbst." Die Braut begibt sich dann, begleitet von allen ihren Verwandten, zur Sänfte, in welcher sie unter Gesang, Musik und Fackelschein in's Haus des Bräutigams getragen wird. In manchen Gegenden ivird bei dieser Gelegenheit über dem Haupte der Braut ein Ei zerschlagen. Im Hause des Bräutigams verbleibt die Braut nun diese Nacht und schläft zwischen zwei Verwandten oder Freundinnen. Des andern Tages, gewöhnlich zur Abendzeit, findet die Trauung nach mosaischem Ritus durch einen Chacham (Rabbiner) statt. Unmittelbar nach der Trauung wird die Braut von der Chuppah (Baldachin) nach dem Talamo (Thronsessel) hingetragen, worauf wieder die Gäste defiliren und ihre Glückwünsche darbringen. Tann wird die Braut unter Begleitung der Freundinnen mit Gesang vom Talamo weg auf's Brautbett hingetragen und ein Vorhang davor gezogen. Hieraus findet die Mahlzeit statt. Dann wird der Bräutigam zur Braut geführt, während die Gäste weiter im Hause bei der Unterhaltung bleiben. Die Juden des Innern verheirathen ihre Kinder sehr jung, die Verlobungen werden oft schon im zarten Kindesalter unter den Eltern abgeschlossen. Die Juden der Küste sind hierin schon etwas moderner." Es sei an dieser Stelle gestattet, noch etwas über die Beschneidungsfestlichkeiten der Mohamedaner in Marokko zu berichten, welche mehr zu den gesellschaftlichen als religiösen Festlichkeiten gehören. Bekannt ist ja, daß außer von Juden und Mohamedanern auch damals von den alten Aethiopiern und jetzt noch von Kopten, christl. Abessiniern und von vielen afrikanischen, amerikanischen und australischen Völkerschaften die Veschneidung ausgeübt wird. Durch den Islam ging sie von den Arabern zu den Türken, Persern und Indern über. Die Zeit der Beschneidung war und ist heule noch grundverschieden. Bei den Aegyptern geschah sie im 14. Lebensjahre (wohl nur im Priester- und Kriegerstande), bei den Völkern des Islam erfolgte sie zwischen dem 6. und 11., meist aber im 13. Lebensjahre. Horowitz schreibt: „Bei den Mohamedanern in Marokko wird gewöhnlich ein bestimmter Feiertag im Jahre dazu ausgewählt und eine größere Anzahl Knaben gemeinschaftlich der Operation unterworfen. Der junge Beschneidungskandidat wird in reichverzierte Gewänder gekleidet, auf ein schön aufgezäuntes Reitlhier gesetzt und in Begleitung der Familie und deren Freunden unter Mnsikklängen, Flintenschüssen etc. in die Dschanina (Moschee) geführt, wo die Veschneidung durch einen kundigen „Mollah" (das hebr. Mohel) vor sich geht. Darauf folgt im Hause Festmahl und Unterhaltung. Bei den Juden nun geht das Fest ähnlich zu. nur versammeln sich die Festgäste bereits am Abend zuvor im Hause des Festgebers, welcher an der Thüre sitzt

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