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Der Israelit · 1901-01-10 · Heft 3 (10.1.1901) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 3 (10.1.1901)
Date
1901-01-10
Page
– (sequence 17)
Language
German
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■ rc7r'^>sag?« ■ 4t. Jahrgang. Arve te IZeikage zu Jf$ 3 des „Israelit". Literarischk Ztmschau. „Die Medizin im alten Testament," von Dr. Wilhelm Ebstein, Geh. Medizinalrath und o. ö. Professor der Medizin. Stuttgart 1901. Verlag von Ferdinand Enke. 1845. Preis 5 Mk. Das heilige Schriftthum, das alte Testament, bildet für den forschenden Geist eine unversiegbare Fundgrube moralisch-ethischer Gedanken und wissenschaftlicher Betrachtungen. Es ist eine dankenswerthe Aufgabe, die eine oder die andere Seite dieses Schriftthums immer von Neuem zu beleuchten, Werth und Wesen desselben immer tiefer zu ergründen. Auch die in der Bibel niedergelegte Medizin und die mit ihr verwandten Wissensgebiete haben bereits früher mannigfache Bearbeitung gefunden. Wenn nunmehr ein Mann, wie Ebstein, der sich als Kliniker und besonders durch seine exacten Forschungen über die Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung eines klangvollen Namens erfreut, die Medizin im alten Testament zum Gegenstand einer eingehenden Studie macht, so hat diese für den Leser einen besonderen Reiz, eine besondere Anziehungskraft. Freilich ist es ein Mangel, daß der Verfasser die Ursprache, in der das heilige Schriftthum abgefaßt ist, nicht versteht, denn nur wer die Bibel in ihrer Ursprache zu lesen weiß, kann den Geist, der sie beherrscht, auch begreifen. Indem sich aber Dr. Ebstein auf die Uebersetzungen von Kautzsch und Segmond, — Uebersetzungen, welche, nebenbei bemerkt, an vielen Stellen von der unter den Juden landläufigen Uebersetzungsart abweichen — stützt, macht er sich nicht nur die Fehler dieser von ihm benutzten Uebersetzungen zu eigen, sondern verfällt auch in Ermangelung des Textes bei seinen Erklärungen und Deutungen in Jrrthümer. Er hätte sicherlich viele dieser Jrrthümer vermieden, und es würde unstreitig zu einer besseren und klareren Beurtheilung des behandelten Gegenstandes beigetragen haben, wenn sich der Verfasser auch des Talmudes als der eigentlichen und ältesten Quelle für die Deutungen der Bibel hätte bedienen können und wollen. Der Talmud enthält ja für die Medizin der Bibel und der nachbiblischen heil. Bücher eine Fülle von Material, das auch eines wissenschaftlichen Werthes nicht ermangelt. Für eine Beurtheilung des vorliegenden Werkes in dieser Zeitschrift ist es von Wichtigkeit, den Standpunkt kennen zu lernen, von dem sich der Verfasser in seiner Schrift leiten läßt. Er folgt den Spuren der modernen freien Bibelkritiker, welche die Einheit und Echtheit der Bibel, des heil. Schriftthums in Abrede stellen und, um dies zu beweisen, den Inhalt dieses Schriftthums kritisiren und analysiren und Hypothese auf Hypothese häufen. Wiewohl der Verfasser selbst zugesteht, „daß die Bibel kein medizinisches Buch im engeren Sinne des Wortes ist," läßt er es doch — um mit ihm zu reden — „an kühnen Deutungen" nicht fehlen und versucht vieles in ein medizinisches System hineinzuzwängen, in das es eben nicht hineinpaßt. Und wenn ihm dieses hier und da nicht gelingen will, ist er gleich mit einer Hypothese zur Hand, oder hilft sich damit, daß er die betreffende Stelle als etwas Symbolisches aufsaßt. Wenn wir von diesen Mängeln, die dem Werke anhasten, absehen, so ist es gewiß, daß es schon durch den Namen seines Verfassers nicht verfehlen wird, in den weitesten Kreisen Interesse und Aufmerksamkeit zu erregen. Das ist jedenfalls sicher, das Werk ist mit einer großen Liebe zum Gegenstände, ja mit einer gewissen Begeisterung geschrieben worden. Diese kommt an den verschiedensten Stellen des Buches zum lebhaften Durchbruche. „Die mosaischen Gesundheitsgesetze — so heißt es im Schlußwort — überraschen durch den praktischen und weitblickenden Geist, der in ihnen waltet und durch die Thatkraft, die aus ihnen spricht. Der Gesetzgeber wollte sein Volk dadurch glücklich machen. Immerhin dürfen wir sagen, wohl dem Volke, dessen Gesetzgeber von solchem Geiste durchdrungen sind!" Was den Inhalt des Werkes selbst betrifft, so zerfällt es in vier größere Abschnitte, welche in übersichtlicher Form dasjenige Gesammgebiet der Medizin, das sich zerstreut im alten Testamente und seinen Apokryphen vorfindet, behandeln. Der Verfasser zieht nicht nur die Pathologie und Therapie der Krankheiten, sondern auch die Anatomie, die Antropologie, die Gesundheitslehre, die Physiologie, die Naturgeschichte in das Bereich seiner Erörterungen. Die in der Bibel und den nachbiblischen Büchern vorkommenden Krankheiten, wie der Aussatz und die Pest, sowie die Krankheiten von Hiob, Hiskia, Jehoram, Asa, Antiochus, erfahren eine etwas ausführlichere Besprechung, indem die bereits von anderer Seite über ihr Wesen aufgestellten Theorien einer wissenschaftlichen Prüfung unterzogen werden. Im Laufe der Abhandlung werden überdies interessante Streiflichter auf die culturellen Zustände, auf die Sitten und Gebräuche der alten Hebräer und jener Zeit geworfen. So bietet das Buch eine Fülle von interessantem und lehrreichem Material; die Darstellung ist schlicht und leicht verständlich. Die Art der Darstellung hat etwas Gewinnendes und Anheimelndes an sich. An der Hand der einzelnen Bibelstellen fügt der Verfasser Bausteine an Bausteine, und der Leser sieht gewissermaßen

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