Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1901)
- Date
- 1901-01-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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58 können vermeinte. Was die Gründe dieses Verhaltens der in confeffioneller Beziehung sonst durchaus toleranten Pforte betrifft, so sei dasselbe durch die seinerzeitigen Judenausweisungen aus Rußland und die Maffenauswanderungen von Juden aus Rumänien veranlaßt worden, als deren mögliche Consequenz die Ueberfluthung türkischer Provinzen durch Israeliten in's Auge gefaßt wurde. Diese Momente erfuhren jedoch, wie man in unterrichteten Konstantinopler Kreisen betont, eine beträchtliche Verstärkung durch die Eindrücke, die man von der zionistischen Bewegung empfing. Seit dem Anwachsen dieser Strömung ist von gewissen türkischen Persönlichkeiten an maßgebenden Stellen wiederholt die Aufmerksamkeit darauf gelenkt worden, daß der Zionismus politische Ziele verfolge, die an den ehemaligen Bestand des Reiches Judäa anknüpfen, somit den türkischen Staatslenkern keineswegs gleichgiltig sein können. Der hierdurch im Hinblick auf die zionistische Bewegung genährte Argwohn konnte die Pforte in der auf die Verhinderung einer größeren Judeneinwanderung gerichteten Tendenz selbstverständlich nur bestärken, was sich in dem Umstande deutlich genug ausspreche, daß es mit allen erwähnten Maßregeln speciell auf die Fernhaltung der Israeliten von Palästina abgesehen ist. Marokko. Tanger. Die Leser erinnern sich des schrecklichen Attentates, das an einem Juden, amerikanischen Unterthans, Marcos Ezaoui, begangen wurde. Als er sich zur Arbeit begab, ward er ermordet anläßlich eines Disputes mit einem vorübergehenden Araber. Der Körper mit Petroleum übergoffen, ward von den Arabern verbrannt. Eine Klage ward der amerikanischen Regierung deswegen eingereicht; hierüber schreibt uns ein Correspondent der Alliance folgendes: Mit großer Erregung habe ich von der Entscheidung Kenntniß genommmen, die von dem Cabinei in Washington hinsichtlich des ermordeten Markus Ezaoui getroffen worden ist. Die Regierung der Vereinigten Staaten begnügte sich damit, anstatt energisch die Bestrafung der Schuldigen zu verlangen, eine Buße von 6000 Duros aufzuerlegen. Es ist unmöglich den Eindruck zu schildern, den diese Entscheidung hervorgerufen hat. Die Erregung ist um so größer, als die Araber jetzt noch mehr ihren Haß ausüben können. Das Leben in Fez wird unerträglich; die Araber tragen kein Bedenken mehr, ihre Insulten gegen die Juden loszulaffen; es ist unmöglich, daß die Juden länger noch in dieser Stadt leben; das einzige Mittel, das es noch giebt, ist, daß die Minister der fremden Mächte eine Aufforderung an die Sherisregierung sandten, in der sie ernste Garantieen für die Sicherheit der Fremden fordern. Man schreibt von anderer Seite dem Central- Komitee aus Fez: Ein Israelit aus Fez, mit Namen Abraham Levy. ist soeben Opfer eines schrecklichen Angriffs geworden. Vor 14 Tagen inachte er einen Weg durch die Stadt, als ein Sberif, dessen Fanatismus bekannt ist, ihn auffordert, die Schube auszuziehen und barfuß weiter zu gehen. Unser Glaubensgenosse weigerte sich, dieser Zuniuibung Folge zu leisten. Alsbald nahm der Araber einen großen Schlüssel und schlug ihn damit auf den Kopf. Blutüberströmt schleppte sich der Jude zum Hause des Pascha. Der Beamte gab ihm 5 Pesetas und schickte ihn unter Begleitung zum Mellah. Der Direktor der Knabenschule that nun Schritte, um dem Verwundeten Gerechtigkeit zu Theil werden zu lassen. Ter neue Gouverneur Ben Abd Et Sadoc versprach, den Schuldigen zu bestrafen. Er wurde verhaftet und mußte dem Äbrabam Levy eine Summe von 60 Pesetas bezahlen. Ivrimianes Hamburg, 5. Januar. Bei der gestrigen Bürgerschaftswahl wurde mit überwiegender Mehrheit der dritte Antisemit, Rechtsanwalt I a k o b f e n, in die Bürgerschaft gewählt. Hohenems (Voralberg). .Herr Landesrabbiner Dr. Tänzer wird im Laufe dieses Winters folgende wiifenfch. Vorträge halten: In St. Gallen, am 9. Januar 190l, über ..die Stellung der Frau im Judentbume". In Z ü r i ch im Laufe des Monates Februar über „B ö r n e, Heine u. Saphi r". Ferner bald darauf über „E fl h e v im D rama'd Die Vorträge werden sämmtlich auch in Buchform erscheinen. Sonderhofen. Die Herren I. Blumenfeld in Markiheioenteld a. M. und Herr Simon Oppenheimer in Aub er hieben das kgl. Ehrenzeichen für 2->jähcige Dienst zeit bet der freiwilligen Feuerwehr._ Letzte Nachricdte»». Burgpreppach, 9. Jan. Vorbehaltlich amtlicher Genehmigung wurde heute Herr Dr. R a f t a l i Cohn aus Altona, Schüler des Berliner Rabbinerscminars und seither Lehrer an der Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M.. zum Distrikts-Rabbiner für den hiesigen Kreis gewählt^_ Briefkasten der Redaktion. A. in Mergentheim: Daß beim Kegelklubessen das Benschen für Armenzwccke versteigert wurde, ist sehr nett, kann aber nicht den Inhalt einer Eorresvondenz bi.den. I. H. in T.: Cboreb von Rabbiner Hirsch 7>"L' oder Stern, Amude Hagauloh, Jsrael's Pflichten in der Zerstreuung. L. St. in W.: 15. Dezember 1891, gleich 14. Kl<Kcw 5652, im Jahre 5665 ist die Sidra kibirw. 1. November 1895, gleich 22. Marcheschwan 5654. Im Jahre 5667 ist die Sidra mitf "li. War die Geburtsstunde des Knaben in der Nach', so verschiebt sich das jüd. Datum um einen Tag und die Sidra ist rvT?iP. U. I in W. : 23. Mai 1888, gleich 13. Siwan 5648. Die Sidra ist Ntw. H. W. m R. : 18. Juni 1809, gleich 4. Tamus 5569. Briefkasten Der Eypevition. A. N. in F.: M. 32, M. N. in H.: M. 10 empfangen.