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Der Israelit · 1901-01-07 · Heft 2 (7.1.1901) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 2 (7.1.1901)
Date
1901-01-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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4S."Jahrgang. M Ä Der Israelit. SenLrat-Hrgan für das orlhodore IudenLHum. Begründet von Br. in ntaini > lontag, den 7. Januar 5661x1901). Von jetzt ab kann man bei jeder deutschen Postanstalt in folgender Weise auf den „Jsraelii“ abonniren: Januar . . . ..für Mk. 1, Januar, -^rbruar . ♦ « ♦ „ „ 2, Januar, Februar, März „ „ 3. Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechlzeili am Post-itungsschalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem beireffenden Landbrrefträger aufgegeben werden. Auslan? en sprechend höher. Die Expedition des „Israelit". Leitend er Artikel. Unzeitgemäße Verachtungen zur Jahrhundertwende. Mainz, 1. Januar. Der heutige Tag, mit dem nicht nur ein neues bürgerliches Jahr, sondern auch ein neues Jahrhundert der gewöhnlichen Zeitrechnung beginnt, fällt mit dem Fasttag des 10. Teweth zusammen. Es ist dies der erste und älteste unter den von unseren Gottespropheten gestifteten Gedenktagen, welche die einzelnen Stadien unseres nationalen Niederganges uns in lebendiger Frische erhalten. Das Zusammentreffen dieser beiden Tage ist so recht geeignet, eine Parallele zwischen den verschiedenen Welt- und Lebensanschauungen zu ziehen, auf welchen sich die Bedeutung dieser beiden Tage aufbaut. Wir haben bereits im vorigen Jahre, als dem letzten des neunzehnten Jahrhunderts, einen Blick auf die hundert Jahre zurückgeworfen, die es abschloß. Die soeben überschrittene Schwelle des zwanzigsten Jahrhunderts ladet zu einem Blick vorwärts. Der orientirende Blick, der über das ungeheure, rückwärts und vorwärts sich entrollende Geschichtsfeld streift, enthält ein schätzenswertes Correktiv durch den zehnten Teweth, durch die geschichtlichen Thatsachen, die ihm zu Grunde liegen, und durch die Gedanken, Wahrheiten und Anschauungen, zu welchen er, wie alle übrigen Fasttage, die jüdischen Zerstreuten erziehen möchte. Wenn die zeitgenössische Cultur-Menschheit, soweit sie ihre Jahre nach dem Stifter des Christenthums zählt, es in allen Variationen feiert, daß seitdem bereits neunzehn Jahrhunderte verstrichen sind, und mit dem heutigen Tag das zwanzigste beginnt, so soll die Veranlassung und die Berechtigung zu einer solchen Feier hier nicht untersucht werden. Setzen wir einmal diese Berechtigung als etwas so Selbstverständliches voraus, wie dies heutzutage allgemein geschieht, nehmen auch wir einmal an, der Rückblick auf eine solche stattliche Reihe von Jahrhunderten gäbe dem Rückblickenden schon ein gewisses Recht zu einer feiertägl., ja feierjährlichen Stimmung, wie man ihr jetzt allenthalben begegnet, wie hätten wir Juden dann ein Recht, Jubiläen zu feiern und uns in ununterbrochener Feststimmung zu bewegen! An dem Tage, mit dem das zwanzigste Jahrhundert beginnt, feiern wir zum zweitausendvierhundertundsechsundachtzigsten Male die erste Belagerung Jerusalems durch Nebuchadnezar, begehen wir fastend den zehnten Tag des zehnten Monats, als ersten Markstein der Katastrophe, welche unsere nationale Unabhängigkeit vernichtete und uns in die Zerstreuung wies! Wir fasten schon ea. sechs Jahrhunderte länger, als die gewöhnliche Zeitrechnung überhaupt existirt; welche moralische, sittigende Kraft muß doch in unseren F a st - tagen liegen, wenn sie die F e st tage unserer Umgebung um 600 Jahre überdauert! Und dabei denkt bei uns Niemand daran. Wir selbst mußten erst durch einen Blick in die unserem Kalender vorangeschickte Zeittafel daran erinnert werden, daß mit dem heutigen Tage 2486 Jahre seit der Zerstörung des ersten Gottesheiligthums dahingegangen sind! Woher kommt das? Wieso legt unsere Gegenwart dem Ablauf einer beliebigen Zahl von Jahren eine solche Bedeutung bei, während man in jüdischen Kreisen

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