Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1901)
- Date
- 1901-01-03
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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19 Schule in Seesen, nach Paris, um den Deputirten eine Denkschrift über die Nothwendigkeit einer besseren Erziehung unter den Juden zu überreichen. Aber bald zerronnen seine Hoffnungen, die Konsistorialorganisation vom 17. März 1808 drückte sie völlig zu Boden. Am 30. November 1807 erließ Dalberg, der Fürst- Primas des Rheinbundes, eine neue „Stattigkeits- und Schutzordnung" für die Juden, die Jacobson so schmerzlich berührte, daß er 1808 in Braunschweig dagegen „Unterthänigste Vorstellung an Seine Hoheit den Fürst-Primas der Rheinischen Konföderation über Höchstdessen neue Stattigkeits- und Schutzordnung für die Judenschaft in Frankfurt am Main" erscheinen ließ und eine Reihe Paragraphen bekämpfte; er apostrophierte Dalberg: „Ihr so allgemein als tief verehrter Charakter, Ihr überall hochgefeierter Name bürgt! Sie könnten das nie wollen. Sie können es am wenigsten jetzt wollen, jetzt in einem Zeitalter, da unter dem lauten Beifall aller weisen, aller edlen und guten und aller menschlichen Menschen, die besten und erleuchtetsten Fürsten, die Zierden unserer Throne, beschäftigt sind, den Juden die schwersten Ketten abzunehmen; da ein Alexander, da der Held des Jahrhunderts, der Mann der Kraft und der Weisheit, da Napoleon als Befreier jenes unglücklichen Volkes auftritt, das eine lange Reihe von Jahrhunderten hindurch mit Schmach beladen, im Druck, im tiefsten Elende, in einem Zustande schmachtete, aus dem das Laster und das Verbrechen wie der Rauch aus der Flamme hervorgehen mußte." Unter König Jerome kam auch ein Gesetz zu Stande, welches die Einrichtung eines Konsistoriums und die Bestellung von Syndiken für einzelne Bezirke anordnete. Ein königliches Dekret vom 29. März 1808 rief die neue Organisation in's Leben. Die hauptsächlichen Bestimmungen dieses Dekretes waren folgende: Die höchste jüdische Behörde, das Konsistorium, erhält seinen Sitz in Kassel; es zählt zu Mitgliedern einen Präsidenten, drei Rabbiner, zwei weltliche Räthe und einen Sekretär. Die Aufgabe des Konsistoriums besteht in der Aufsicht über die Ausübung des jüdischen Kultus, die Anlage, Erhebung und Verwaltung der zur Bestreitung der Kultuskosten dienenden Abgaben und Fonds über das Schuldenwesen der jüdischen Gemeinden. Das Konsistorium gab sich die größte Mühe, das innere und äußere Gemeindeleben zu ordnen. Galt es doch, aus einem Nichts ein bis in's Einzelne gefügtes Gebäude zu errichten. Ueber die vielseitige Thätigkeit dieser ersten jüdischen Centralbehörde auf deutschem Boden, hat der Verfasser eingehend in seiner Schrift berichtet. Doch muß an dieser Stelle betont werden, daß das Konsistorium nichts weniger als beliebt war, zumal es an dem geheiligten Ceremonialgesetz rütteln und mancherlei durch einfache Verfügung abschaffen wollte. Man vergleiche die Schrift: pxjn an nn on;D nai n*w iinen nao rnjltf '“DT notea Taw /ts',Knj«w b-.iyn Yirra cmph hd' itrx n:pm dhhh nrs nn\x by syd8E2D!w .H’T [J^KEUDyn IT3HDD CVY?3D\3;'p *t?;x crSDHi C,YEb fVDE'fl ipj; 7I3L> Entschiedene Verdienste hatte sich die genannte jüdische Centralbehörde um die Errichtung von Schulen, die Gründung eines Seminars für Lehrer, Rab binen, und die Förderung des Handwerks erworben. In allen seinen Bestrebungen fand es beim Könige und seinen Ministern ernste Förderer. Die völlig freie Stellung der Juden veranlaßten sogar eine Anzahl Christen, zum Judenthum überzutreten. Das Konsistorium wies die Bittsteller mit ihren Gesuchen immer an die betreffenden Departements- oder Sprengel- Rabbiner mit dem Hinweis, nach den rabbinischen Gesetzvorschriften von solchen Schritten ernst abzurathen und ihnen vorzuhalten, daß sie als Nichtisraeliten doch ebenfalls bei einem Gott und den Menschen gefälligen religiösen Wandel einst selig werden würden und Antheil am Leben im Jenseits haben. Unter Jeromes Regierung finden wir in allen Zweigen der Verwaltung Israeliten angestellt, sowohl im Subalternals im höheren Dienst. Levy Moses Büding war in Kassel Municipalrath-Stadtrath; desgleichen Lindheim in Hann.-Minden u. m. A. Einen hervorragenden Posten bekleidete ein Oberst Wolf; er war Chef des Westphäl. Garde-Cheveauxlege-Regiments; ihm war die Organisirung der westphälischen Kavallerie anvertraut. Im aktiven Heere dienten ferner eine Reihe von Offizieren; nur wenige waren aus Frankreich; viele entstammten aus Kassel. Rotenburg a. F., Eschwege. Zeitgenössische Schriftsteller rühmten die Tapferkeit derselben im spanischen Feldzuge, wobei viele mit Orden dekorirt wurden. Selbstredend waren im Sanitätsdienst der Armee eine große Zahl Aerzte, deren Namen der Verfasser demnächst zu veröffentlichen gedenkt. Da die Israeliten in keinem Falle zurückgesetzt waren, erfüllten sie gern die Pflichten gegen die Obrigkeit, so sehr drückend auch die Steuerlasten waren. Die jüdische Jugend drängte sich förmlich zu den Waffen und waren mit Leib und Leben Soldaten — ein Beruf, der ihnen fast 2000 Jahre verschlossen war. Die Oktobertage des Jahres 1813 bereiteten dem Königreich Jerome's ein schnelles Ende. In den Staaten trat der ehemalige Rechtszustand wieder ein, und die Juden wurden wiederum recht- und schutzlos. Um bürgerliche Rechte zu erlangen, bedurfte es vieler Kämpfe und selten ward es erreicht, was den Israeliten im Königreich Westphalen durch Recht und Gesetz beschieden war. L. H o r w i tz , Kassel. *) Des Referenten Cremvlar der aenanwen Schritt enthält einen anderen Dir, der handschriftlich hinzugesetzt: mnrni