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Der Israelit · 1900-12-27 · Heft 102-103 (27.12.1900) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 102-103 (27.12.1900)
Date
1900-12-27
Page
– (sequence 21)
Language
German
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2167 Auf die Frage des Vorsitzenden, ob nur ein autorisirter Rabbiner eine Trauung vollziehen dürfe, erklärte der Sachverständige, daß zu einer „vorschriftsmäßigen" Eheschließung dies wohl erforderlich sei. nicht aber zu einer „religionsgesetzlich" gültigen Ehe. UebrigenS dürfe selbst ein autorisirter und amtirender Rabbiner auf fremdem Gebiete keine Trauung ohne Erlaubnis des am Orte der stattsindenden rituellen Trauung kompetenten Rabbiners vollziehen. Der Angeklagte wurde freigesprochen mit der Begründung, daß der in Rede stehende Akt keine gültige Eheschließung war. Der Staatsanwalt appellirte. Tr-nisten, 16. Dez. Die hiesige conservative jüdische Gemeinde hat beschlossen, den längst vacanten Rabbiuerposten zu besetzen. Zu diesem Zwecke waren nacheinander mehrere Rabbiner berufen, um hier Probepredigten zu halten. Da der überwiegende Thcil der Gemeinde einen solchen Rabbiner wünscht, von dessen Leitung erwartet wird, daß das wahre jüd. eonfessionelle Leben ausblühe, beseelt die Mitglieder der Gemeinde der eine Wunsch, den allgemein bekannten und verehrten Rabbiner der Leutschauer Gemeinde, den Herrn Dr. Gustav L ö w y , zum hiesigen Rabbiner zu gewinnen, da sie in ihm die Garantie verbürgt sehen, daß er „trotz" seiner modernen Bildung ein echt jüdischer Seelsorger ist und den an einen Rabbiner gestellten Anforderungen in vollstem Maße entsprechen wird. Schweiz. Bern, im Dez. Das soeben erschienene „Politische Jahrbuch der Schweizerischen Eidgenossenschaft", von Professor Dr. Hilty 04. Jahrgang 1900), enthält folgende uns interessirende Bemerkungen: „Bon der zionistischen Bewegung ist diesmal nichts zu berichten: sie wird, so lebhaft sie begann, dennoch im Sande verlaufen, weil sie das wirklich gläubige Judenthum nicht hinter sich hat und in dem Reformjudenthum keinerlei Segen ist. Mit drei Eiden, sagt der Talmud, schickte Gott sein Volk in's Exil: Es darf nicht eigenmächtig die Rückkehr suchen, sondern muß warten, bis Gott es zurückführt: es darf sich nie gegen die Staaten empören, die es zeitweilig beherbergen: der dritte Eid legt diesen Staaten auf, dieses Volk aus Gefahr eignen Unheils nicht zu drücken. Im Uebrigen ist sein Schicksal schon in seinem eigenen Religionsbuche (5. B. M., E. 30), so deutlich als nur möglich vorausgesagt und Jeremias (3., 13—25; 19, 14, 15: 7, 22, 23, gibt die weitere Erklärung dazu. Anders, als die volle Rückkehr zu ihrem Gott, wird Er den Juden niemals aushelfen. In ganz ähnlichem Sinne sprach sich der Kölner Erzbischof gegenüber einer Deputation der jüdischen Gemeinde über den „Antisemitismus" aus, der nur eine Folge des beiderseitigen Mangels an Religion, bei Juden und Ehristen gewesen ist. Er sagte unter anderem: „Er werde wie bisher den Israeliten die wohlwollendste Gesinnung entgegen bringen. Wie einst vor 2000 Jahren einer der größten Männer des jüdischen Stammes lder Apostel Paulus) in seinem Rundschreiben an die Römer hervorgehoben habe, indem er fragte: „Was haben die Juden vor den Heiden voraus?" und antwortete: „Sie haben den Vorzug, daß sie im Besitze des Gottesivortes sind," und ein anderes mal, „daß sie das Volk des Bundes sind," so erkenne auch er, der Erzbischof, diesen Vorzug des israelitischen Volkes an. „Sie sind nun einmal das hem Gott auserwählte Volk, von ibm ausgezeichnet durch den Besitz des Gotteswortes und der Verheißung des Heils für die ganze Menschheit." Von diesem religiösen Standpunkte aus sei seine Stellung gegen Israel gegeben und vom christlichen Grundgesetze der Lwbe bestimmt. So wie er, denke jeder katholische Bischof. Diese Gesinnung werde er den Israeliten der Diecöse bewahren und gegebenen Falles praktisch bethätigen. Der Erzbischof schloß: „Und wenn auch einstweilen bezüglich des religiösen Glaubens eine Scheidewand uns von Ihnen trennt, so halten >vir doch an der Hoffnung fest, daß die Zeit kommen wird, wo es einen Hirten und eine Heerde aebeu werde." ^ersonafien. Tarnopol, im Dez. Am 4. November wurde hier ein Mann zu Grabe getragen, dessen ganzes Leben eine ununterbrochene Keduschas Haschem bildete. Rabbi Alter Probe widmete seine ganze verfügbare Zeit der Thora und dem Gottesdienste, er machte die Nächte zu Tagen, um in der Thora sich zu beschäftigen. Biele hunderte Schüler hat er im Talmud unterrichtet. Seine Kinder erzog er streng religiös, und so war es ihm veraönnt, einen Schwiegersohn als Magid in Tarnovol, einen Sohn als Lehrer in Deutschland, sowie mehrere Schüler als Lehrer und Kantoren in verschiedenen Gemeinden wirken zu sehen. Der Heimgegangene war auch ein berühmter ""tr und uw-, Die große Trauer, die alle jüdischen Kreise der großen Gemeinde Tarnopol durch das Hinscheiden dieses Mannes erfüllte, kam am deutlichsten bei dem Leichenbegängniß zum Ausdruck. Eine nach tausenden zählende Menschenmenge, eine unabsehbare Bersamnw lung gaben dem Heimgegangenen das Geleite zum Friedhof. Als Oberrabbiner B a b a d das Wort ergriff und in rneisterhafter Weise die vielen guten Eigenschaften dieses Talmudgelehrten beleuchtete, und den herben Verlust, den die ganze Gemeinde erlitten, beklagte, da blieb kein Auge thränenkeer. Möge der Allgiitige der trauernden Familie seinen göttlichen Trost spenden. Das Andenken des Verblichenen wird bei Allen, die ihn im Leben gekannt, stets ein gesegnetes sein, ro-e*? pms

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