Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 96 (3.12.1900)
- Date
- 1900-12-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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^-TT^SE^k»^ j.www.ur' 41. Jahrgang. j|g AA Ein Aenlrat-Hrgan für das orlHodore ZudentHum. Begründet von Br. ft|m«nn in Mtslnz Motttag, den 3. Dezember 5661 (1966). Lettettder Artikel. Hl Mchs-ik Ks h^nischkil llotnkiihts. Von Rabb. Dr. Daniel Fittk—W i e n. I. Wenn in irgend einer Angelegenheit unter allen Parteien der heutigen, so vielfach zerklüfteten Judenbeit, eine gewisse Uebereinstimmung herrscht, so ist es das Bestreben, gründliche Kenntnisse in der hebräischen Sprache zu erlangen. Diejenige Forderung, die bisher nur von den Bekennern des strenggläubigen Judenthums erhoben worden — weil sie ja die einzige Möglichkeit für dessen Erhaltung und Fortbestand bildet, sie wird heute auf den verschiedensten Seiten, mögen sie in jeder anderen Richtung in noch so scharfem Gegensätze zu einander stehen, geltend gemacht. Die Stimmen, welche um die Mitte des 19. Jahrhunderts so vorlaut nach Abschaffung des hebräischen Unterrichts geschrieen, sind heutzutage überhaupt nicht mehr zu vernehmen. Um diesen Wechsel der Stimmungen herbeizuführen, hat die Erfahrung nicht unwesentlich mitgewirkt, daß man die Flamme ebensowenig ohne Brennstoff zu unterhalten, als den Juden als solchen ohne Kenntniß des Hebräischen zu erhalten vermag. Die Kenntniß der hebräischen Sprache verleiht dem Juden eine Art ellniaetsi inckelebilis an dem alle Versuchungen des Abfalles wirkungslos zurückprallen. Doch sei dem wie immer. Gerade jene Kreise, in denen es vor noch nicht allzulanger Zeit zur stehenden Gewohnheit geworden, Klagen über die Belästigungen zu hören, die den Kindern aus der Erlernung des Hebräischen erwachsen, sie verlangen heute mit einem förmlichen Heißhunger danach. Es ist zwar nicht das wiedererwachte religiöse Interesse als treibende Kraft hier ausschließlich im Spiele. Die Einen fordern das Hebräische aus nationalen, die Andern aus geschichtlichen, die Dritten aus kulturhistorischen, oder gar aus sprachwissenschaftlichen Rücksichten. Vielleicht ist die Vermuthung nicht allzu kühn, daß bei dem einen oder andern eine förmliche Sehnsucht nach Erkenntniß der Religion an der Quelle, wo sie am frischesten sprudelt, ebenfalls mit am Werke sei. Man will sich das nur nicht so ohne weiteres aus einer Art falsch verstandener Scham eingestehen, um nicht vor aller Welt unter dem Verdachte klerikaler Anwandlungen zu erscheinen. Immerhin bekundet sich in diesen Bestrebungen das Erwachen eines kräftigen idealen Triebes, der als Gegensatz zu dem allenthalben sich breit machenden krassen Materialismus eine um so erfreulichere Erscheinung bildet. Es kann aber andererseits einem Zweifel nicht unterliegen, daß. wenn sonst feindliche Parteien sich in derselben Forderung begegnen, schon in deren Befriedigung die beste Gewähr für die Anbahnung eines allmähligen Ausgleiches der Gegensätze liegt. In letzter Linie wird aber in unserer Mitte eine Stärkung des religiösen Bewußtseins ebensowenig ausbleiben, als bei der Berührung mit dem Feuer ein Einströmen von Wärme verhindert werden kann. Wer es verstünde, diese Strömungen in die rechte Bahn zu lenken, der könnte auf Geschlechter hinaus segensreich, befruchtend und erhaltend wirken. Der so vielfach stark hervortretenden Tendenz des Verfalls und der Auflösung könnte auf diesem Wege am nachhaltigsten entgegengearbeitet werden. Trotzalledem sehen wir mit Bedauern, wie man das erwähnte Bedürfniß nach Befriedigung ringen läßt, ohne ihm irgend welche Handhaben für dieselbe zu bieten. Es zeigt sich hier wieder ein bedauerlicher Mangel an praktisch gestaltenden Fähigkeiten, wie er leider im Verlaufe der jüdischen Geschichte so oft hervortritt. Das Judenthum lenkt durch seine abstrakte