Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 91 (15.11.1900)
- Date
- 1900-11-15
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht des Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina für das Jahr 1899. (Verwaltungssitz: Frankfurt a. Main.) In unserem vorjährigen Berichte gaben wir von der Vollendung des Umbaues unseres Waisenhauses Kenntnis?. Inzwischen ist dessen innere Einrichtung vollendet worden. Am 30. August beehrte der deutsche Konsul, Herr Dr. F. Bosen, am 1. September der österreichischungarische Konsul, Herr Schaffrath, die Anstalt mit ihrem Besuch. Sowohl diese Herren, als andere Besucher und Besucherinnen äusserten sich sehr günstig sowohl über das Hans, als über Aussehen und Benehmen der Zöglinge, und spendeten Herrn Direktor Dr. Grünhut und seiner Frau uneingeschränktes Lob. Es liess sich erwarten, dass Anmeldungen zur Aufnahme nunmehr in vergrösserter Zahl einlaufen würden. Unter den Gesuchen, die uns zugingen, waren mehrere so warm befürwortet, die Noth, der Schilderung nach, so ungemein gross, dass wir es nicht über uns gewinnen konnten, die Kinder abzuweisen, obgleich wir die Kosten, welche ihre Ausrüstung und ihr Unterhalt verursachen, erst von unseren Gönnern erbitten müssen. Die Zahl der in der Anstalt befindlichen Zöglinge betrug am 1. April d. J. 30 (gegen 25 im Vorjahre); seitdem ist noch ein Knabe aufgenommen worden. Für die kleineren Zöglinge, die des Hebräischlesens unkundig sind, musste ein Hilfslehrer angestellt werden. Von den vorjährigen Zöglingen sind Hermann Prinz, Ascher Landmann und Abraham Baum als Handwerker in die Lehre getreten. Rabbinowitsch, der, wie in unserem jüngsten Berichte erwähnt, von uns mit Werkzeugen ausgestattet worden war, um sich als Tischler niederzulassen, erhielt vom Verein noch eine Hobelbank. Am 1. April verliess David Keke die Anstalt. Er hafte sich als Sehmiedgehilfe in zwei Jahren die Summe für eine Reise in’s Ausland, die er zur Ausbildung in seinem Fache antreten wollte, erworben. Vorläufig hat er sich nach Alexandrien begeben. Im Herbst 1899 hat Herr Dr. D’ Arb ela, Chefarzt des v. Rothschild’schen Hospitals in Jerusalem, auf seine Kosten zwei Reihen theils Pfeffer-, theils Eukalyptusbäume im Garten des Waisenhauses pflanzen lassen, was nicht allein dem Hause zur Zierde gereicht, sondern auch von grossem gesundheitlichen Nntzen ist. ' Dem edelmüthigen Spender, der schon mehrfach unserem Verein gegenüber sein Interesse bethätigt hat, drücken wir unseren herzlichen Dank aus. Insbesondere danken wir ihm auch für die ärztliche Hilfe, die er jederzeit auf’s Bereitwilligste gewährt hat. Auch der Verein „Lemaan Zion“ zu Frankfurt a. M. hat, wie seit Jahren, in Krankheitsfällen die Dienste seines Arztes und seiner Apotheke in uneigennütziger Weise zur Verfügung gestellt. Unsere Thätigkeit auch auf die Erziehung von Waisenmädchen auszudebnen, ist uns bis jetzt zu unserem Leidwesen noch nicht möglich geworden, da die dafür verfügbaren Mittel bei Weitem nicht genügen. Wir geben jedoch die Hoffnuog nicht auf, dass wohlthätige Glaubensgenossen sieh bald auch dieses Zweiges wahrhaft segensreichen Wirkens annehmen werden. Was die Schule betrifft, so berichtet Herr Direktor Cohn unterm 8. April d. J.: „Das Schuljahr 1899/1900 schloss am 1. April mit 105 Zöglingen, wovon 42 Externe das Mittagessen im Waisenhause gratis erhielten. (Das Sommersemester 1899 hatte am 16. August mit 92 Schülern geschlossen.) Der Jahresprüfung, welche am 28. März stattfand, wohnten der kaiserlich deutsche Konsul, Herr Dr. Rosen, und der k. u. k. Konsul, Herr Schaffrath, bei. 8. Ehrw., Herr Oberrabb. Chacham-Baschi Eljaschar konnte nur bei einem Theile der hebräischen Prüfung anwesend sein, und stellte einen zweiten Besuch bald nach Beginn des neuen Schuljahres in Aussicht. Die genannten Herren folgten nicht allein der Prüfung mit lebhaftem Interesse, sondern nahmen auch persönlich an dem Examen in den verschiedenen Gegenständen Theil Die bei dieser Gelegenheit von solch’ kompetenter Seite dem Lehrkörper ausgesprochene Anerkennung wird diesem als Aufmunterung dienen, der schweren, aber desto verdienstvolleren Aufgabe der Erziehung und des Unterrichts der ihm anvertrauten Schuljugend mit unausgesetzter Hingebung und Freude obzuliegen. In diesem Jahre wurde uns, vielleicht zum ersten Male seit Bestehen der Anstalt, die Freude zutheil, ein Mitglied vom Vorstande der jüdischen Kultusgemeinde in W i e n in der Schule zu begrüssen. Am 27. Februar besuchte Herr