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Der Israelit · 1900-11-15 · Heft 91 (15.11.1900) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 91 (15.11.1900)
Date
1900-11-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1886 reuten wieder zum Judenthume zurückzubringen. Daß Zadoc Kahn nicht von seinem Standpunkt abgewichen sei, beweise sein späterer Brief, daß er nichts dagegen haben würde, wenn der religiöse Vortrag an das Mincha und Marilogebet angeschlossen würde. Für Paris sei nun die Zeit des Mincha- und Mariwgebetes die geschärtsfreie, der Pariser Geschäftsmann könne nur am Nachmittag oder am Abend die Synagoge besuchen. Den Einwand, daß der Gottesdienst nicht am Sonntag, dem christlichen Feiertag, abgehalten werden dürfe, rönne er nicht gelten lassen. Man brauche nur zu berücksichtigen, daß die Synagogen nur an den Tagen gefüllt seien, wenn die jüdischen mit den christlichen Feiertagen zusammenfallen. Sein Antrag fordere absichtlich die Abhaltung des Gottesdienstes in einer geschäftsfreien Vormittagsstunde. Eine frühe Morgenstunde könne nicht gebilligt werden. Die jüdische Religion verlange, daß der Gottesdienst freudigen Herzens und frohen Gemüthetz, das heiße also, wenn man frei sei von den alltäglichen Sorgen, abgebalien werde. Gegen den Vorschlag von Sachs, die Vorträge nicht in der Synagoge stattfinden zu lassen, müsse er sich deshalb wenden, weil er eine andere Vorstellung habe, wie die Jugend gewonnen werden müsse. Die jüdische Religion sei nicht nur eine Religion des Wortes, sondern der That. Die Jugend müsse dazu angehalten werden, das, was sie wille, auch in die That umzusetzen; dazu gehöre vor Allem das Gebet. Die Kinder müssen belehrt werden, daß gebetet und wie gebetet werden inüsse, die Kinder können jedoch nur darin angewiesen werden von denen, die einzig und allein einen nachhaltigen Einfluß auf sie ausüben können, das sei der Vater und die Mutter. Er glaube, mit der Wiederholung seines Antrages nicht gegen die gute Regel verstoßen zu haben. Der Sonntagsgottesdienst fei wünschenswerth für die Jugend, weil er durchaus nothwendig für sie sei. Sein Antrag würde das einzige zur That Führende sein, was die Diskussion ergeben hätte. Da aber aus der Debatte bereits hervorgegangen sei, daß aus seinen Antrag sich nicht die erforderliche Majorität vereinigen werde, und um den Gegnern ein Entgegenkommen zu beweisen, stelle er den Eventualantrag, den Vorstand zu ersuchen, zu veranlassen, daß in einer Gemeindesynagoge zu einer geschäflssreien Vormittagsstunde ein gottesdienstlicher Vortrag, der durch Gesang eingeleitet und geschlossen werde, gehalten werde. (Schluß folgt in der zweiten Beilage.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Memel, 6. Nov. (Verein für jüdische Geschichte und L i t t e r a t u r.) Der erste Abend der Wintersaison des „Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur" erfreute sich eines zahlreichen Besuches, der Tbtel'sche Saal war dicht gefüllt. Nach einer Eröffnungsrede des Herrn Dr. C a r l e b a ch hielt Herr Rabbiner Dr. Beer m a n n den angekündigten Vortrag über den spanischen Rabbiner aus dem 13. Jahrhunderl, Nachmanides aus Gerona, der durch sein Religionsgesvräch mit dem Pater Paolo am Hose Jakobs I. von Aragonien bekannt ist. In geistvoller Ausführung und mit warmer Begeisterung behandelte der Redner sein Thema. — Das wirkungsvolle Organ und seine Sprachgewalt gewannen leicht das Publikum, da? ihm reichen Beifall zollte. Auch zeugten zahlreiche Anfragen während der Diskussion von dem regen Interesse der Zuhörer. 0 e st e r r. - ll n g . Monarchie. Pilsen. (Antisemitische D e m o n st r a - t i o n.l Aus Pilsen wird (weichtet: In einem hiesigen l'zechisch-nationalen Blatte erschien heilte eine fettgedruckte Notiz des Inhaltes, daß in der Wohnung eines hiesigen ezechischen Advokaten um 8 Uhr eine Versammlung von Vertretern der jüdischen Culiusgemeinden von Pilsen und Umgebung, hauptsächlich Rabbinern, stattfinden solle. Diese Versammlung habe angeblich den Zweck, den socialdemolratischen NeichStagscandidaten zu unterstützen, welcher einen Revers unterschrieben habe, daß er im Falle seiner Wahl die Vertheidigung der Inden gegen die Anklage des Ritnalmordes übernehmen werde. In Folge dieser tendenziösen Nachricht sammelte sich nach 8 Uhr vor der Wohnung des Advokaten eine Menge von etlva tausend Personen, welche in Schmährufen gegen den Advokaten und gegen die Juden, sowie in die Rufe „Hilsner!" ausbrachen. Die Menge zog hierauf über den Rinaplatz zu der Bezirkshaupmannschaft, wo sie von der inzwischen ansgerückten Gendarmerie und Polizei vertrieben wurde. Man befürchtet aber, daß diese antisemitische Demonstration eine Wiederholung finden werde. Von der politischen Be Hörde wurden bereits Maßregeln ergriffen, um jede Ausschreitung im Keime zu unterdrücken. Belgien. Brüssel, 14. Nov. Hier bildete sich ein Comitee, das den PavÜ ersuchen will, den Antisemitismus zu ver dämmen und besonders, wie einige seiner Vorgänger, die Haltlosigkeit der Vliitlegende auszusprechen. Vermischtes. Rudolstadt, 8. Nsvbr. Von einem lieber fall zwischen Bahnhof Taubenbach und Teich berichtet ein hiesiger Einwohner. Dieser begab sich vorgestern Abend gegen sechs Uhr nach dem Bahnhof Taubenbach. Unterwegs vernahm er Hilferufe. Ein ihm entgegenkommender Bahnbeamter, der auf diese Weise gleichfalls herbeigeeilt war, durchforschte mit ihm die Umgegend. Hierbei fanden sie einen jüdischen Handelsmann, der angab, von drei Individuen angefallen» seiner Baarschaft beraubt und in einen mit Wasser gewillten Graben geworfen worden zu sein. Die Verfolgung dieser Helden verlief der Dunkelheit wegen leider resultatlos.

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