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Der Israelit · 1900-11-15 · Heft 91 (15.11.1900) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 91 (15.11.1900)
Date
1900-11-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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41. Jahrgang. JL L Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodore IudenLHum. Begründet von Dr. in Btnin}. Donner ft ag, den 15» No v emb er 5661 (1666). Leitender Artikel. Die indischen Bklhnltnissr in Ungarn. Budapest, 9. November. Die neologen Distrikts-Präsidenten haben zur Abwechselung anfangs dieses Monats wieder eine sogenannte Jahresversammlung abgehalten. Ich sage eine „sogenannte", denn diese wird nicht regelmäßig, wie es ihr eigenes Kongreßstatut vorschreibt, alljährlich abgebalten, sondern die Herren Distrikts-Präsidenten, von denen etliche gar keine Distrikte haben, weil auf deren Territorium keine einzige Neologengemeinde sich befindet, versammeln sich, so oft sie von der israelitischen Landeskanzlei in die Hauptstadt berufen werden. Diese aber citirt ihre Honoratioren nur dann, wenn sich irgend eine Gelegenheit darbietet, aus die Orthodoxen and ihre Vertreter mit etwas Popanz loszuschlagen. Königlicher Rath, Dr. I. Simon, welcher der Versammlung als Referent beiwohnte, erstattete den Jahresbericht. Gr giebt zunächst seinem tiefsten Bedauern darüber Ausdruck, daß es der Kanzlei noch immer nicht gelungen ist, die E i n b e r u s u n g e i n e s einheitlichen Kongresses bei der Cultusregierung zu erwirken. Nicht einmal die p r o v i s o - rischen Verfügungen, die berufen wären, den Weg zur einheitlichen Organisation Zu ebnen und die der Minister schon längst in Aussicht gestellt, haben das Licht der Welt erblickt. Die Kanzlei wird aber nicht ermüden dieses Endziel ihrer Bestrebungen mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln weiter zu verfolgen. Weiter erwähnt der Bericht verschiedene Ministerialerlässe, die auf Initiative der Landeskanzlei erfloffen sind. Sie bedauert, daß auf Grund des Kongruagesetzes den jüdischen Seelsorgern nicht mehr als fünftausend Kronen zuerkannt wurden, ob- '.vohl in dem diesjährigen Staatsbudget unter diesem Titel eine Million Kronen präliminirt wurden. Sie schildert ferner die Verhältnisse der öffentlichen Fonds, die Verluste, welche die israelitische Konfesiion durch die Uebertritte erleidet und gelangt zum Schlüsse, daß die kirchenpolitischen Gesetze dem ungarischen Judenthume großen Schaden verursacht haben. Mit ausgesuchter Schadenfreude wird aber in diesem Berichte die Entstehungsgeschichte des in Angelegenheit der Beschneidung erschienenen Ministerialerlaffes dargestellt. Mit wahrer Scheinheiligkeit erzählt die ehrenwerthe Landeskanzle: ein Langes und ein Breites, mit welchem Löwenmuth sie gegen den Beschneidungserlaß Stellung genommen; wie sie dreimal gegen die geplante Verordnung protestirte; wie der Kultusminister um ihre Zustimmung förmlich gebettelt habe, sie aber erst dann nothgedrungen ihren Standpunkt aufgab, als der Minister ihr erklärte, „daß die orthodoxe Durchführungskommiffion der aus Sanitätsrücksichten nöthigen Regelung bereits zugestimmt habe." Infolge dieser energischen Sprache des Ministers hat die fromme Neologenkanzlei den weiteren Kamps eingestellt und jene Bestimmungen empfohlen, die der Veschneidungserlaß tatsächlich enthält. Trotzdem könne sie die Thatsache, daß die Negierung in eine solch heikle Religwnsangelegenheit eingegrifsen, nur bedauern. Die löbliche Kanzlei veröffentlicht auch ihre an den Kultusminister diesbezüglich gerichtete Vorstellung, aus welcher der folgende Passus einige Aufmerksamkeit verdient. „Es ist nicht der erste Fall" — sagen die Herren Neologen — „daß wir mit den Orthodoxen nicht gleicher Anschauung sind. Doch nicht die freisinnige oder rigorosere Auffasiung der Religionssahungen trennt uns von einander, sondern lediglich die Verschiedenartigkeit unserer Begriffe über konfessionelle Autonomie. Dreißig Jahre stehen wir im Dienste unserer Konfession und das Archiv des hohen Kultusministeriums kann es bezeugen, „daß wir

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