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Der Israelit · 1900-11-12 · Heft 90 (12.11.1900) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 90 (12.11.1900)
Date
1900-11-12
Page
– (sequence 17)
Language
German
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41. Jahrgang. Iweile Aeilage zu M 90 des „Israelit". leitender Artikel. Der zweite Prozeß Hilsner. P i s e k, 6. November. Der heutige Berhandlungstag ist der Durchführung des Alibibeweises gewidmet. Es soll durch die einzuvernehmenden Zeugen der Nachweis geführt werden, daß der Angeklagte Hilsner am 19. Juli 1898 thatsächlich, wie er behauptet, in Jglau war. Der Praüdent verkündete zunächst den Gerichtsbeschluß, daß der Antrag aus Vorladung der Schwägerin deS Schächters Alexander Neinholt, Frau Katharina Holzmann, abgelehnt wurde. Die Zeugin sollte aussagen, ob der Schächter Neinholt am 11. Juli 1898 nach Polna ging oder nicht. Ferner theilte der Präsident mit, daß im „Hotel schwarzer Adler" in Jglau noch derselbe Hausknecht Adienstet sei, lvie im Juli 1898. Derselbe heißt Johann Hofer und wurde für den 8. d. M. vorgeladen. Seitens der Gensdarmerie-Station in Zhor, loo Hilsner am Tage des Mordes ,-nit der Klima getanzt haben soll, ist an den Gerichtshof eine Inschrift eingelangt, in tveleher angegeben wird, daß sich ein Herr Jiraeet in der Gemeinde 'Nadiejov gefunden habe, ivelcher folgende S)!i?vfünfte geben farm: Jiraeek babe anr II. Juli 1898 den chngetlagien in Zhor gesehen, und zwar in. Gesellschaft des Kausmannssohnes Müller und des Gardeobemeister-Sohnes Rapp aus Polna. Der Zeuge habe ihn genau erkannt: ein Jrrthum sei ausgeschlossen, da Jiracel mit dem Hilsner zusammen in die Schule ging und auch den Napv und den Müller genau kennt. Staatsanwalt Dr. Malijovsky beantragte die sofortige Vorladung des soeben bekanntgegebenen Mannes als Zeugen. Verthsidiger Dr. Aurednicek bat, auch die von Jiraeek als Begleiter Hilsners namhaft gemachten Personen Rapp und Müller vorzuladen. Der Gerichtshof beschloß, alle drei Zeugen für den 9. d. M. vorzuladen. Hieraus begann die Eindernehmung der Zeugen. Auch von diesen Zeugen behaupten wieder mehrere, den Angeklagten an dem kritischen 17. Juli 1898 in Zhor mit der Klima bei einer Tanzunterhaltung getroffen zu haben. Aus einer Reihe von Verlesungen geht hervor, daß die angebliche Sendung einer Phiole mit Blutkörperchen seitens des Schächters Kurzweil von Goltsch-Jenikau an den Polnaer Rabbiner Goldberger niemals erfolgt ist. Die Zeugenaussagen des 24jährigen Sattlergehilsen Wilhelm E e r v i n k a , der niit dem Angeklagten von Mitte Juni bis etlva zum 10. Juli 1898 aus der Wanderschaft toar, veranlaßte den Veriheidiger Dr. Bodicko. ziw Stellung folgender Anträge: 11 Feststellung aus dem Arbeitsbuche, wann Hilsner aus seiner Wanderschaft die einzelnen Stationen passirt? und wo er übernachtete. 2) Vorladung aller im Laufe des Verhörs vom Zeugen Wilhelm Eerviuka genannten Personen, sowie eines Eheoaares, Joseph und Antonia Kurz, die anssagen sollen, daß sie Hilsner am 17. Juli 1898 in Jglau gesehen haben. 8) Damit nicht Ziveisel darüber austommen tonnen, ob Hilsner selbst die betreffenden Stationen derübrie oder ob nicku etlva eine andere Person mit den: aut Hilsners Name:! lautenden Begleitschein wanderte, wird beantragt die Vorladung alter Verwalter der Verpflegsstationen in den berührten Drten unter Miibringnng ihrer Bned.w und die Eonsrontaiion dieser Verwalter init Hilsnei. Der Staatsanlvalt nnterstühte diese Anträge. Ans der Mrlesung der Protokolle der VenvaUer der verschiedenen iilerpilegsstationen, in denen Hilsner bei seiner WmMrung ernkehcte, ergibt sich, daß sich Hilsner vom >0. bis 11. Juli in Stannern, vom 11. bis 12. in Frebitsch, vo'-n 12. bis 18. in Groß-Me »erst sch autbieli. Die nächsten Verpslcgsstationen, in denen .Hil'-ner übern-.ulstete, waren Kannen in am 14. uv.':- i 8., Humvvleh aut 19. und 2<r, Stecken am 21. Juli Auseiner Verlesung einer Zusclirist des Kreisgerichis Jg-au 1 ■ ’urbe restgestellt, daß die Güstern.mg van y.icm na cd Zhor 18,8 Kllomet er beträgt. Die ser 8''ist and i st desto oegen von Bedeutung, weil die A ri- ' läae v behaupten. selbst '.nenn Hilsnc t am Vorm st:aa in Jala u Uhu , lönn e er d och au: Nachi uistag in Zbor n m der 5 Uima ge tanz t habe n. P i s e k , 7. November. ..H i l «ner i m K. u t t e n b e r g e r E r i m i - n a 9 " fav stet d ie Uel cerschrist deS heutigen Gapste ls. Tie Verhandlung gegen Hilsner in Kuttenberg war am 17. September 1899 beendet, und zwar mit seiner Verurtbeilnng znm Tode durch den Strang, die wegen der Mitschuld an der Ermordung der Agnes Hruza über ihn ausgesprochen wurde. Der Ton ist auf die Silbe m i t zu legen. Wer waren seine Helfershelfer? Hilsner saß nachher wieder in seiner Ze,e, die er mit mehrern Sträflingen theilte. Sie drangen unablässig mit der Frage in ihn: „Wer waren deine Helfer?" — Du bist ein dummer Kerl", sagten sie, „daß du deine Mitschuldigen nicht nennst: nur wenn du die Namen der beiden Juden nennst, kannst du dich vor dem Galgen retten. Sonst mußt du baumeln." Und nun folgten die Schil-

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