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Der Israelit · 1900-11-12 · Heft 90 (12.11.1900) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 90 (12.11.1900)
Date
1900-11-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1866 sprechung ber Angeklagten Berg. Die Angeklagten selbst buben nichts mehr anzuführen. Es beginnt die Rechtsbelehrung der Geschworenen durch den Präsidenten. Der Präsident schließt diese mit folgenden Worten: Nunmehr will ich nur noch den Wunsch aussprechen. daß es Ihnen, meine Herren Geschworenen, mit Gottes Hülse gelingen werde, die der materiellen Wahrheit entsprechende Entscheidung zu fällen, damit der alte Wahrspruch preußischer Richter — denn auch Die, meine Herren Geschworenen, sind Richter. Sie haben den Richtereid geleistet — Anerkennung findet: daß der preußische Richter stets ohne Ansehen der Person seine Entscheidung trifft, daß auf seine Entscheidung die sozialen, religiösen und politischen Gegensätze keinerlei Einfluß ausüben, daß bei jeder seiner Amtshandlungen der preußische Richter sich stets bewußt ist, daß er selber dereinst vor dem höchsten Richter lvird Rechenschaft oblegen miOTen darüber, wie er gerichtet bat. — Die Geschworenen ziehen sich darauf zur Berathung zurück, die ein und eine viertel Stunde dauert. Der Spruch der Geschworenen, der mit ungeheurer Spannung erwartet wurde, lautet: Masloff ist des Meineides in einem Falle schuldig; die Untersrage aus Paragraph 157, ob er sich einer strafbaren That hätte bezichtigen müssen, wurde bejaht. Frau Roß ist des Meineides in zwei Fällen schuldig. Bei einem Falle wurde die Untenrcrge bejaht. Frau Berg und Frau Masloff haben sich des Meineides nicht schuldig gemacht. Die Angeklagte Roß nimmt den Spruch der Geschworenen mit Lachen entgegen und muß vom Präsidenten ermahnt werden. sich angemessen zu verhalten. Der Erste Staatsanwalt beantragt für Masloff vier Jahre und für Frau Roß acht Jahre Zuchthaus, nebst fünf bezw. zehn Jahren Ehrverlust. Der Staatsanwalt begründet die Höhe der beantragten Strafe folgendermaßen: Bei Bemessung der Strafe war in Betracht zu ziehen die große Bedeutung der,Strafsache, in der die Angeklagten als Zeugen vernommen wurden. Sie mußten sich bewußt gewesen sein, welch eine Wichtigkeit ihren Zeugenaussagen beigelegt werden konnte. Zu berücksichtigen war auch die Frivolität, mit der sie es unternahmen, die Behörden in dieser wichtigen Sache irre zu führen. Zum Theil wenigstens haben sie es unbedingt verschuldet, daß die Untersuchung in die Irre gegangen ist und zu keinen Resultaten geführt hat, die sonst vielleicht zu erzielen gewesen wären. (Bewegung im Zuschauerroum.) Nachdem die Vertheidiger für das niedrigste Strafmaß plaidirt batten, verkündet der Gerichtshof nach kurzer Berathung das Urtheil. Das Urtheil, das wie ein Lauffeuer die Stadt durcheilt, ruft in den Straßen große Bewegung hervor und in gewissen Schichten der Bevölkerung Entrüstung gegen die Geschworenen. Zeitungsrtachrichteu und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 1k. Nov. (Z u uk Prozeß S t e r n - ber g.) Ta in conservativen Blättern der Versuch gemacht!vird, den Prozeß Sternberg zu antisemitischen Hetzereien auszunützen, stellt die „Boss. Zeit." fest, daß Sternberg einer christlichen Familie entstammt. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Prag. Der hiesige israelitische Freitischverein versendet soeben den 41. Jahresbericht für das Vereins und Schuljahr 1899—1900. Dieser bietet ein Bild seiner Wirksamkeit in den schönsten Farben. Er verabreichte in dieser Verwaltungsperiode nicht weniger als 55,261 Portionen an 340 Kostnehmern. Zn diesem Zwecke verausgabte er 10,066 fl. 61 fr. Die Gesammtausgaben betrugen 11,636 fl. 31 IO kr. Das unangreifbare Stammvermögen hat sich von 70,075 fl. auf 71,25 fl. vergrößert und überdies verblieb noch ein verfügbarer Saldo von 4618 sl. 44'6 kr. Den Ausweis schmücken sieben Ehrengedenkblätter, welche an Spenden beziehungsweise Legaten zusammen 16,300 Kronen und 3000 fl. in Rotenrente, sowie 2 Kronprinz Rudvis-Loose und 1 ungarisches Kreuzloos ausweisen. Der vom Vorstände insbesondere vom Geschäftsleiter Herrn. S. Angel musterhaft geleitete Verein zählt 2966 Mitglieder, darunter 1196 Prager und 1633. auswärtige, überdies 137 Eultusgemeinden und Vereine. Telegramm des „Israelit". Berlin, III Nov., 5.15 In der heutigen Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde wurde der Antrag auf einen besonders feierlichen Sonntagsgottesdrenst abgelehnt. Lebensvcrstcherungs-Geseüschaft zu Leipzig, auf Gegenseitigkeit gegr. 1830 (alte Leipziger). Es sind vom 1. Januar bis Ende März 1893 1818 Versickerungen über 14 053 900 Mk beantragt worden: (200 Besicherungen mrt 588 500 Mk. mehr alS im gleicken Zeitraum des Vorjahres); als gestorben wurden in derselben Zeit angemeldet 220 Mitglieder, die mit 1337 500 Mk. versichert waren. Der Versickerungsbestand stellte sich Ende Marz 1899 auf 72300 Personen mit 550 Million. Mk. Versicherungssumme, daö Vermögen auf 173 Million Mk. Für fällig gewordene Versicherungssummen sind bis jetzt ausgezahlt 118 Million. Mk, als Dividenden an die Versicherten gewährt 59 Million. Mk.; Dividendenreserven in Höhe von 27 Million. Mk. liegen zur weiteren Vertheilung an die Versicherten bereit. Bei der alten Leipziger Gesellschaft, die eine reine Gegcnseitigkeitsanstalt ist. fließen alle Ueberschüsse den Versicherten wieder zu. Die Dividende der letzteren beträgt für die länger als 5 Jahre bestehenden Versicherungen im laufenden Jahre, wie bereits seit einem Jahrzehnt, 42% der ordentlichen Jahresprämie uno beiabgekürzten Versicherungen außerdem 1*/» °o der €>uounc der gezahlten Zusatzprämie»,.

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