Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-11-08 · Heft 89 (8.11.1900) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 89 (8.11.1900)
Date
1900-11-08
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449131--51920-2502533
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1845 ihrigen, und mein Lächeln begleitete das ihrige. Waren sie gelnnd, ich stand in ihrer Mitte, waren sie krank, ich war an ihrer Seite." Wie eine Mutter hegte und pflegte sie die unglücklichen taubstummen Kinder. Wie eine Mutter werde sie aber auch von ihnen geliebt und verehrt. Mit herzlichem Dank für diese ihre segensreiche und menschenfreundliche Hingabe an ihren Beruf und mit dem aufrichtigen Wunsche, daß die Jubilarin noch recht viele Jahre bei ungeschwächter Gesundheit und ungetrübtem Frohsinn ihres schweren Amtes zum Wohle der armen Taubstummen, und zum Segen und Heile der Anstalt inalten möge, schloß der Redner die von allen Zuhörern mit gespannter Aufmerksamkeit vernommene Ansprache. Nach ihm überbrachte im Austrage des Vorstandes des Vereins „Freunde der Taubstummen" der erste Vorsitzende, Herr Geheimrath Dr. Boas, der Jubilarin den Dank und die Glückwünsche des Vereins und überreichte ihr ein werthvolles Ehrengeschenk. Die ehemaligen Schüler und Zöglinge der Jubilarin übergaben derselben als Zeichen ihres unvergänglichen Dankes und zur dauernden Erinnerung an den heutigen Tag eine klein» Summe zum Grundstock einer „Anna Reich-Stiftung", deren Zinsen armen Kindern der Anstalt zu Gute kommen mögen. Die Sprecherin, Frl. R a t h e, drückte am Schluß den Wunsch ans, daß sich die Stiftung recht bald vergrößern möge. Dem Dank und Wunsch der jetzigen Zöglinge gab ein größeres Mädchen in einem längeren Gedichte ergreifenden Ausdruck. Darauf dankte auch der Leiter der Anstalt, Herr Direktor Reich, seiner Schivester und Mitarbeiterin für die thatkräftige Unterstützung, die sic jederzeit ihm geleistet habe. Im Namen der Jubilarin sage er allen Erschienenen für die aufrichtige Tbeilnahine und innigen Glückwünsche, die sie ihr heute dargebracht, herzlichen Dank. Ein Hoch auf die Jubilarin beendete die ebenso ergreifende wie erhebende Feier. Auf mehreren Tischen standen und lagen, umgeben vo» duftenden Blumen und Bäumen, die zahlreichen und zum Theil recht kostbaren Geschenke, mit denen nahe und ferne Bekannte und Freunde ihrer Verehrung und Bewunderung für die Jubilarin sichtbaren Ausdruck gaben. Besondere Aufmerksanrkeit erregten die sauber und mit besonderem Fleiß ausgeführten Handarbeiten der Knaben und Mädchen der Anstalt. Noch bis in den späten Nachmittag hinein blieben viele der Festtheilnehmer in der gastlichen Wohnung des Direktors in gemüthlicher Unterhaltung beisammen. Die große Zabl von Briefen und Telegrammen legte ein beredtes Zeugniß ab von der Liebe, Hochachtung und Verehrung, deren sich die gefeierte Jubilarin trotz ihres bescheidenen und stillen Wesens in tveiten Kreisen erfreut. München, r>. Nov. Ein zu den Nestoren unserer Eultusgemeinde zählender, ebenso hochangesehener, als hervorragend verdienstvoller Mann, Herr Justizrath Dr. Julius Rau ist am 2. d. M. in Folge eines Schlaganfalles im Alter von 77 Jahren rasch und unerwartet aus diesem Leben geschieden. Der Verstorbene gehörte innerhalb unserer Gemeinde zur alten Garde, sowohl im wörtlichen, als im idealen Sinne, nämlich zu jener alten Garde, deren Anhänger — bescheiden und anspruchslos für die eigene Person — das Wohl der großen Gesammtheit mit klarem Blick und mit zielbewußter Initiative allezeit zu fördern trachten, unbeeinflußt durch Launen des Augenblicks und unbekümmert um Schlagwörter, welche jeweils an der Tagesordnung find. Als Sohn eines Lehrers in Unterfranken geboren, widmete stch der Heimgegangene anfänglich ebenfalls dem Lehrfache; sein vorwärtsstrebender Sinn und feine seltene Energie ließen ihn jedoch nach bereits begonnener Lehrthätigkeit sich nach München wenden. wo er an der Universität Rechtswissenschaft studierte. Nach beendetem Studium mehrere Jahre bei Advokaten thätig, wurde er dann selbst zum kgl. Advokaten ernannt, in welcher Eigenschaft er über 40 Jahre in München mit hervorragendem Geschick und mit großem Erfolge wirkte. Aks Mitglied der Cultusverwaltung widmete er länger aks 30 Jahre dem Gesammtwohlc seine gediegenen Kräfte; er gehörte immer zu Denen, welche für Erhaltung des Traditionellen, für Wahrung des aesetzestreuen Standpunktes ganz und voll eintraten. Bei den im Laufe der langen Jahre durch die Zeit und durch veränderte Verhältnisse öfter nothwendig gewordenen Revisionen des Gemeindestatntes war seine fachmännische Begabung, sein erprobter Nath wiederholt von hoch anzuschlagendem Werthe. Für viele gemeindliche Wohlthätigleits-Anstaltcn war er theils organisatorisch, theils an leitender Stelle thätig; ganz besonders gilt dies vom Verein für Studien und Arbeitsbeförderung, dessen Vorstandschaft er ca. 20 Jahre angehörte. Zur Beerdigung, welche am 4. d. Nt. stattfand, hatten sich Theilnehmende ans allen Kreisen und allen Bekenntnissen in außerordentlich großer Anzahl eingefunden. In formvollendeter. inhaltsreicher Rede entrollte Herr Rabbiner Dr. W ctncr den Lebeusgang, die Bedeutung und die Vorzüge des seltenen Mannes. Der T. Vorstand der hiesigen Eultusgemeinde, Herr Rechtsanwalt Dr. D s n e r, widmete dem Heimgegangenen für dessen ebenso hingebende und aufopferungsvolle, als erfolgreiche Thätigkeit, welche derselbe ein Menschenalter hindurch im Dienste der Gemeinde entfaltete, in schwungvollen Worten einen herzlich empfundenen, ehrenvollen Rachrrrf. Nainens des Vereins für Studien- und Arbeitsbefördernng, um welchen der Dahingegangene sich so hervorragende Verdienste erworben, sprach Herr Rechtsanwalt F e u st Worte des Dankes und der Verehrung. Auch die Anwaltskammer hatte einen Vertreter als Redner designirt, welcher hervorhob, wie der Verewigte seinem Stande zur Ehre gereichte und eine Zierde desselben gewesen sei, wie seine strenge Rechtlich-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.