Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 89 (8.11.1900)
- Date
- 1900-11-08
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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4U Jahrgang. Zweite Weikage zu M 89 des „Israelit". L,tierurischer Bericht. „A zsido vallas a modern korbon“, so lautet der Titel einer in ungarischer Sprache geschriebenen Broschüre, die Herrn Friedmann Il l e s, Vag-Ujhely, zum Berfasser hat. Herr Friedmann Jlles hat sich in derselben zur Aufgabe gemacht, seine jüdischen Landesbrüder auf die Schäden und Fehler aufmerksam zu machen, die in ihrer eigenen Mitte wachsen und dort Verheerungen unrichten. Die jüdische Orthodoxie in ilngarn wird von zwei Seiten angegriffen. Die Reologen, oder Fortschrittler — wie sie sich gern nennen — hassen das orthodoxe Judenthum und bekämpfen es, wo sie nur können. Die andere Partei, die mit den Orthoboren sich nicht einig fühlt, nennt sich cmcn. Auch von dieser Seite werden von Zeit zu Zeit Ausfälle aus das orthodoxe Judenthum gemacht und nicht selten setzt es da einen harten Kampf ab. Die Motive dieser Kämpfe sind freilich grundverschieden. Sind den Neologen die Orthodoxen zu orthodox, so sind sie den L'i'Ln zu loenig orthodox, und so kommen diese zwischen zwei Feuer zu stehen. Herr Friedmann sucht also in seiner Schrift die Angriffe der einen wie die Ausfälle der anderen zurückzuweisen. In Form eines Dialogs, den Dr. N. mit einem gebildeten orthodoxen Rabbiner führt, läßt der Verfasser die beiden Richtungen, Reform und Orthodoxie, auftreten. Dr. N. tischt all' die Einwände und Anklagen gegen das orthodoxe Judenthum auf und der orthodoxe Rabbiner weist diese mit besonnener Ueberlegenheit, mit sachlicher Klarheit und logischer Schärfe zurück. Können wir all diesen Ausführungen, so weit sie die Vertheidigung der Orthodoxie gegen Reformsucht betreffen, nur herzhaft beipflichten, so ist dies nicht der Fall, da, wo die Sprache auf den Ehaßidismus kommt. Verfasser greift denselben heftig an, und wird in Stil und Sprache leidenschaftlich. Der Ehaßidismus erstrebt dasselbe Ziel, das auch das orthodoxe Judenthum zu erreichen sucht. Gehen auch die Wege zu diesem Ziele auseinander und sind die Mittel in mancher Schattiruug verschieden, im Grunde bilden sie doch eine Einheit, eins erstrebend, eins wollend. Sie sollten sich nicht befehden, nicht einander aufreiben, sie sollten vielmehr zusammen halten, geschlossen zusammen geben und 10 ein festes Bollwerk bilden gegen jeden Ansturm einer Reformation. Ebensowenig können wir es gutheißen, wenn Herr Friedmann fick gegen orthodoxe Rabbiner wendet und Aeuberungen, die diese gethan, eine Erläuterung angedeihen läßt, woran sie vielleicht nie gedacht. Wir find nicht der Ansicht, daß Herr Rabbiner Schuck in Karczag seinen Worten solch' eine Jnterprätation voraussetzt, wie sie auf Seite 86 der in Rede stehenden Broschüre erfahren. Es ist bekannt, daß unsere Reformjuden durch Geldopfer für das Judenthum das gutzumachen vermeinen, was sie sonst an ihm verschulden. Daß in Ungarn — wenn es gilt, große Geldsummen zu opfern und dadurch das Judenthum zu repräsentiren — die neologen Juden voranstehen, hiermit hat Herr Rabbiner Schuck gar so unrecht nicht. Von welcher Seite der ungarischen Judenheit sind denn die großen Summen für die rumänischen Emigranten herbeigeschafft worden? Sind die Tausende etwa aus der Mitte der Orthodoxie geflossen? Haben die Neologen Ungarns nicht das Patent und die Schutzmarke auf ihre „Wohlthätigkeit" gedrückt, indem sie mehrere Schiffsladungen rumänischer Juden am BHp rce> haben abdampfen lassen? Ist die Budapester Volksküche, die den Rumänen Speise und Trank reichte, eine orthodoxe Institution? Hat also Herr Rabbiner Schück so unrecht, lvenn er behauptet, daß die Neologen Ungarns überall dort das Judenthum vorstellen, wo es gilt, nach außen zu glänzen? Sicherlich sollte aber diese Bemerkung mehr ein leiser Tadel für die Orthodoxie, als eine Lobeshvmne für die Neologen sein. Mit vielem anderen stimmen wir — wie gesagt — mit dem Verfasser gerne überein. Vor allem ist die Schrift hoch interessant; sie bietet eine Fülle tiefer Gedanken. Der Verfasser zieht die größten Autoritäten eines jeden Zeitalters herbei; ganz besonders ist es Hirsch, dessen philosophische msoi mir - Auffassung hier verarbeitet und dem ungarischen Publikum zugeführt wird. Eine edle Sprache und anziehende Form zeichnen ferner die Schrift aus und machen sie zu einer interessanten Lektüre, die wir warm empfehlen. L. K. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Ensscl, 2. Nov. Vom 29. Oktober bis 1. November wurde am hiesigen israelitischen Lehrerseminar die zweite Prüfung abgehalten. In der schriftlichen Prüfung waren folgende Aufgaben zu bearbeiten: Aufsatz: „Welchen Werth hat das Schweigen des Lehrers?" Religion: „Wie bringen Sie den Kindern die drei Haupttugenden Davids zur Erkenntniß? 1. Demuth, 2. Feindesliebe,?>. Büßfertigkeit"; Exegese: „Psalm?4"; Realien: „Die Fulda, schulgemä'ße Behandlung". Als Lehrvroben waren gestellt: Religion: „Das achte Gebot"; Biblische Geschichte: „Vertreibung Jsmaels"