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Der Israelit · 1900-11-05 · Heft 88 (5.11.1900) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 88 (5.11.1900)
Date
1900-11-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1813 heit es geführt hat, als die Vorurtheilen der Religionen und Sekten wieder aufgeweckt wurden, und wir haben uns eine Ehre daraus gemacht, die großmüthigen Prinzipien unserer modernen Gesellschaft dawider in Bewegung zu sehen. Wir werden nur unseren Doktrinen treu bleiben, wenn wir der Aufforderung entsprechen, die aus der fremde von den Unglücklichen an uns gerichtet wird, welche hoffen, daß wir, wenn wir zu ihren Gunsten einschreiten, im Stande sind, die entfeffelten Leidenschaften zu beschwichtigen oder wenigstens eine Regung der vergessenen Menschlichkeit bei Denjenigen zu erwecken, die diesen Unglücklichen Schutz schuldig und. Es ist wahr, daß wir kein Recht haben, uns an die rumänische Regierung zu wenden, aber die öffentliche Meinung ist eine moralische Kraft, die ihre Wirksamkeit über die Grenzen hinaus ausdehnt, und sollte unsere Stimme auch nur ein schwaches Echo finden, so unrb sie doch hoffentlich einige Gewissen ausrütteln. Darum bitte ich Sie, mit mitzutheilen, ob Sie Ihre Zustimmung geben zu der Adresse, deren Entwurf ich Ihnen hiermit vorzulegen die Ehre habe: „Die französische Liga zur Vertheidigung der menschlichen und Bürgerrechte richtet, nachdem sie durch das Eentral-Comitee alle Sectionen hat befragen lassen, an die lateinischen Brüder Rumäniens die dringendste Aufforderung, sie mögen die antisemitische Bewegung bekämpfen, welche ihr Vaterland zerreißt und entehrt, '.leberall wo, wie in Rumänien, die Principien der französischen Revolution hingedrungen sind, kann die Menschheit nur aus Menschen bestehen, die vor den Gesetzen ihres Vaterlandes gleich sind." Ihr aufrichtig ergebener Trarieux, Präsident der französischen Liga der menschlichen und Bürgerrechte. R u ß l a n d. (DerRabbi und der Mön ch.) Johann von Kronstadt, der in ganz Rußland wie ein Heiliger verehrte Mönch, hat vor Kurzem in Sapotzki, Kreis Suwalki, geweilt, um daselbst ein von ihm eingerichtetes Kloster nebst Waisenhaus zu inspirieren. Vater Johann ist zwar ein bescheidener Mönch ohne Reichrhümer, Rang oder Titel, allein das Vertrauen des gesammten russischen Volles, vom Zaren bis zum geringsten Bauern, ermöglicht es ihm, alljährlich für :vohlthätige Zwecks Hunderttausende nuszugeben, wobei der seltene Mann, der in jedem Menschen das Ebenbild Gottes ehrt, sich auch der jüdischen Armen großmüthig annimmt. Bei seiner Ankunft in Sapotzli wurde er von einer jüdischen Deputation begrüßt, an deren Spitze ein von dem russischen Judenthum hochgeehrter Rabbiner, der fromme und hochgelehrte Rabbi Rabbinowitz — Sapotzki stand. Der gefeierte Rabbi begrüßte nun den ebenso gefeierten Mönch mit iolgender Ansprache: Im Midrasch lesen wir: Ern griechischer Weise fragte einst Rabbon Gamliel: „Wir Griechen feiern unsere Festtage und ihr Juden feiert eure Festtage. Giebt es aber auch einen Festtag, den wir alle gemeinschaftlich feiern?" „O ja, einen solchen Festtag giebt es wohl", erwiederte Rabbon Gamliel. „Es ist dies der Tag, an dem ein lang ersehnter Regen niedergeht." Was Rabbon Gamliel vom Regentage, rönnen wir Juden von dem Tag der Ankunft Ew. Ehrwürden sagen. Es giebt viele fromme und wohlthätige Menschen auf Erden, aber die meisten von ihnen beschränken ihre Mohlthätigkeit ausschließlich auf ihre Glaubensgenossen, Ihre Wohlthaten aber ergießen sich wie ein warmer Regen über alle Menschen ohne Unterschied der Religion und Abstammung. Daher wird auch Ihnen die Liebe und die Verehrung aller Menschen ohne Unterschied der Religion und Abstammung cntgegengebracht. In seiner Erwiederung bedankte sich Johann von Kronstadt für den freundlichen Empfang und fügte hinzu: Gott hat durch Deinen Mund zu mir gesprochen, edler Rabbi! Mir sind in der Thai alle Menschen gleich lieb, mögen sie an der Drei- oder an der Eineinigkeit glauben, wir alle stammen von Adam ab. Alle haben wir denselben Vater und dasselbe Blut fließt in unfern Adern! Habe Dank, Rabbi, für Deine Worte, an die ich immer denken werde. Auch auf die übrigen anwesenden Ehristen hat die Rede des Rabbi Samuel Jacob Rabbinowitz einen tiefen Eindruck gemacht. Der Ortsgeistliche, sowie der Friedensrichter baten ihn, seine Ansprache zu Papier zu bringen, da sie dieselbe in allen russischen Bläiiern veröffentlichen möchten. Berichtigung. In der Besprechung des Werk'chen n’3 auf B/47a., sollte eS heißen, 710 viter ist mpD, nicht wie es irrthümlich steht 101 Liier. Briefkasten der Expedition. L. I. in B.: Mk. 5.—, und T. (*. in F.: Mk. 5.— empfangen. Bon jrohnt'ck Geschichte der deutschen Juden, illustrirt von Th. Kutschmann (Deutscher Verlag, 4-erlin SW.), ist soeben eine neue Subskription in 2t> Lieferungen ä >0 Psg. eröffnet worden. Die erste Lieferung liegt uns vor, und wir müssen gestehen, das; die Ausstattung! derselben, was Druck und Illustrationen anbelangt, eine selten schöne, wirklich vornehme ist. Ein solch' vrächtiges Familienbuch darf in keinem jüdischen Hause fehlen umsomehr, als die Anschaffung desselben jetzt durch die billige Lieferungsausgabe auch den weniger Bemittelten ermöglicht ist. Wir wünschen dem Werke die weiteste Verbreitung in jüdischen Kreisen.

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