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Der Israelit · 1900-10-31 · Heft 87 (31.10.1900) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 87 (31.10.1900)
Date
1900-10-31
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1797 schon eine Summe von vier Millionen erfordert! Da muß eL Jedem klar werden, daß er sich nicht mit einer geringen Gabe begnügen darf, sondern daß die große schwere Aufgabe auch eine große Opferfreudigkeit von einem Jeden verlangt! Die Organisation, die in Rumänien getroffen ist, arbeitet wirksam und gut. Die Persönlichkeiten sind gerecht und theilnahmsvoll. Was wir gewähren, kommt zuverlässig den Aermsten zu! Wir wollen aber nicht nur Almosen geben, sondern ^vollen die Hilfe so bringen, daß dadurch die Existenz für längere Zeit gehoben und gesichert wird. Aber wir bedürfen hierzu einer Hingebung jedes Einzelnen, der Großherzigkeit unserer Begüterten und der Theilnahme Aller. Die Organisationen, die in Deutschland geschaffen sind, das Eomitee in Frankfurt, die Landescomitees in Bayern, Württemberg und Hessen suchen die Herzen ui entflammen und den Sinn für die große Aufgabe zu erwecken; wir können nicht genug darin thun, wir müssen immer von neuem Alle aufrufen, und wir müssen namentlich auch in denjenigen Kreisen, in welchen da§ Berständniß für die Aufgabe noch nicht erwacht ist, immer von neuem zu wirken suchen. Jeder muß sich sagen, daß Kälte und Theilnahmlosigkeit solchem Unglück gegenüber eine Mitschuld in sich birgt. „Helfen wir Alle unausgesetzt! Helfen wir rasch und reichlich!" Zeitungsnachrichten unv Correfpondenzen. Deutschland. Insterburg, Rosch Chodesch. Cheschwan. Bor einigen Wochen wurde in diesem geschätzten Blatte — angeregt durch meine biographische Skizze über Rab — die Autorschaft des Alenugebetes besprochen und die agadische Bemerkung, daß Josua dies Gebet verfaßt habe, dabei diskutirt. Schon Herr Cantor Pessen tu hat trefflich gezeigt, daß solche agadische Notizen über die Entstehung eines Gebetes nur in übertragenem Sinne zu verstehen sind. Ich will noch auf zwei Momente Hinweisen, die bisher nicht gewürdigt sind. Berach. 26b heißt es ci-pn na» m^eri die Gebete sind von den Erzvätern eingefllhrt worden. Bereits Rabbi Samuel Edels in seinen Novellen schützt diese Stelle gegen das Mißverständniß, als hätten etwa hiernach die Erzväter den Wortlaut der Gebete verfaßt ab ■2' dbvnnb cnx "patt? msstöi »brr ^pn: n:ra «m upnp es ist also nur gemeint, schon von den Erzvätern können wir lernen, daß wir dreimal am Tage beten sollen. So ist auch demgemäß 'yby fpn jwtt nur so auszulegen, daß schon Josua die Grundidee dieses Gebetes ausgesprochen habe. Einen unwiderleglichen Beweis für die Richtigkeit dieser Auffassung finde ich heute im Jeruschalmi aus L'-ivb rnarrr: nbcr.! Rabbiner Dr. Max Beermann. München. (Louis Neichenberger' fche Stiftung. Der verstorbene Magistratsrath Commerzienrath Louis Reichenberger hat testamentarisch der Stadtgemeinde München ein Kapital von 10,000 Mark zur Errichtung einer Wohlthätigkeitsstiftung simultanen Charakters vermacht, deren Zweck zu bestimmen den Gemeindekollegien überlassen wurde. In einer Sitzung des Gemeindekollegiums beantragte Referent Riggauer die Annahme der Stiftung unter dankbarer Anerkennung der edlen Gesinnungen, von welchen der Spender beseelt gewesen. Vorstand Huber nahm hieraus Veranlassung, folgende Worte an das Plenum zu richten: „Der Herr Referent hat in seinem Vortrage in anerkennenden Worten des Stifters gedacht und Ihnen den Magistratsbeschluß zur Annahme empfohlen; ich glaube annehmen zu dürfen, daß Sie einmüthig mit diesem Anträge einverstanden sind. Diese hochherzige (Gesinnung) Stiftung beweist einen bewundcrungswerthen Edelsinn, den der leider zu früh verstorbene und hochverdiente Herr Magistratsrath Reichenberger bei Lebzeiten schon in sich getragen und bewährt hat. Ich ersuche Sie, meine Herren, Ihre dankbare Anerkennung dem edlen Stifter für seinen Wohlthätigkeitssinn durch Erheben von den Sitzen zu bekunden." Frankreich. Paris, 29. Okt. Ministerpräsident Waldeck- Rousseau fand in Toulouse trotz regnerischen Wetters sympathische Aufnahme seitens der Bevölkerung. Bei dem Empfang der Behörden benützte der Minister die Gelegenheit, dem Erzbischof zu sagen, die Regierung schütze die Geistlichkeit, solange sich diele politischer Umtriebe enthalte. Dem Rabbiner antwortete er, die Republik müsse die Gleichheit aller Franzosen als Lebensprinzip vertheidigen. Der Antisemitismus, der einen vorübergehenden Rückfall in die Barbarei darstelle, habe keinen dauernden Boden in Frankreich. In Betreff der Dreyfus-Affaire habe die Regierung keinen Anlaß, sich vom Wunsche zu trennen, den die Kammer im Mai aussprach, nämlich jeder Wiederaufnahme der Affaire zu widerstreben. Frankreich habe sich vom inneren Zwist wiedererholt und nehme eine geachtete Stellung nach außen ein, was auch der großartige Erfolg der Ausstellung beweise. Die Dreyfus-Afsaire habe gezeigt, daß eine klerikaleOrganisation bestehe, die selbst den Kirchenfürsten trotze, welche ihr keine Vasallendienste leisten wollen. Diese Organisation beruhe auf den geistlichen Orden, deren Vermögen eine Milliarde überschreite und deren Einfluß die Republik von Tag zu Tag mehr bedrohe. Der Klerikalismus sei ein ernster Feind, schon deshalb, weil er die Heranwachsende Jugend in zwei Lager spalte.

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