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Der Israelit · 1900-10-31 · Heft 87 (31.10.1900) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 87 (31.10.1900)
Date
1900-10-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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VS»*4Tt: r;i'- ■ , ,-.T^".^*',T.i,~7™i**i'ir 'i.''».r ’j-V V' 1785 die von Herrn Lehrer Mannheimer kunstvoll au-gestattete Adresse nebst Ehrengabe. In dem festlich geschmückten Hause der Jubilarin, die sich nach den persönlichen und familiären Verhältnissen aller Gratulanten und Bekannten erkundigte, nahm die einfache Feier einen schönen Verlauf. Zahlreiche Telegramme und Briefe liefen ein, z. T. auweiter Ferne. Rührend war, als die Gefeierte mittheilte, sie habe letzten Versöhnungstag ausgezeichnet den ganzen Tag gefastet, in der That eine seltene Sechiah. Möge der ro inu der Jubilarin noch viele Jahre in Gesundheit und Rüstigkeit verleihen ruff Dntt'yi hno ly. Amen. Fürth i. B. Am 1. November werden es 25 Jahre, daß Herr Meyer Weißkopf dahier vtlw ist, und gleichzeitig sind es auch 50 Jahre, daß er diese Funktion versieht. Feuilleton. Lin Schritt vom Wege. Jüdische Woveüe von Arnold Mann. 20J DeS RäthselS vollständige Lösung aber ergab sich erst im Laufe der Untersuchung und während der Verhandlung. Spier hatte sich nach mannigfachen Vertuschungs- Versuchen allmählich zu einem umfassenden Geständniß vequemt. Sein Leben hatte sich in durchaus folgerichtiger Weise entwickelt. Auch er hatte vor Jahren bereits einen Schritt vom Wege aethan. Bei seiner leicht angelegten Natur aber zog dieser eine Schritt bald andere nach sich. Jener Freitag Abend, an dem er zum ersten Male die neue Synagoge besucht und in Folge dessen nicht gebetet hatte, bildete das erste Glied in der Kette. Ich habe bereits geschildert, wie er allmählich religiöse Dinge mit jener thörichten, halbphilosophischen Leichtfertigkeit behandelte, die bei unseren jungen Kaufleuten so leicht auftaucht, wenn sie eine gewisse Summe unverdauter philosophischer Dinge in sich ausgenommen haben. So achtete er allmählich keinen Sabbat mehr und keinen Festtag, keine Speisegesetze und keine Gebetszeiten — allmählich schwand als nächste Folge auch seine moralische Festigkeit! Und seine Zerstreuungen kosteten Geld! Zu beherrschen vermochte er sich nicht, er fühlte sich krank, wenn er nicht in den Strudel seiner geisttötenden seelevergiftenden Genüsse untertauchen konnte! Was Wunder, daß er so auch die Scheu vor dem Verbrechen einbiißte. Die kleinen Summen, die er früher bereits veruntreut hatte, alle dienten sie ihm dazu, ihm die Pforten der Vergnügungen zu öffnen, ohne die ihm das Leben nichts war. Der Krug ging so lange zum Brunnen, bis er brach! Seine Entlassung erfolgte. — Es mußte so kommen! Da stand er nun, ohne Beschäftigung, ohne Stellung, ohne Geld! Was anfangen? Die paar Groschen, die er noch hatte, in wenigen Tagen waren sie aufgezehrt! Was dann? Wovon leben? Und, was ihm wichtiger schien, wovon genießen? Wovon die Zerstreuungen bestreiten, die sein Daseinselement bildeten? Kurzum — er mußte Geld haben; woher und wie, das kümmerte ihn nicht; und da er keinen Ausweg sah, sann er auf ein — Verbrechen! Am Abend nach seiner Entlassung war das Kostümfest bei meinem Bruder. Auf seinen Besuch zu verzichten, siel Spier nicht im Entferntesten ein. Im Gegentheil! Da konnte man sich noch einmal so recht austoben und austanzen! Und an diesem Abend, wo er, von seinen thörichten Sorgen getrieben, auf ein Viertelstündchen die Einsamkeit des Wintergartens gesucht hatte, da — hatte er wider Willen mein Gespräch mit Moritz Meyer belauscht. Und da fielen die ersten dünnen Keime des Verbrechens in sein Inneres, die im Laufe der nächsten Tage reiften bis zu jener kühnen, schlau berechneten That. Was ihm dunkel vor der Seele schwebte, war der Entschluß, den Verdacht des Verbrechens auf mich hinzulenken. Er fühlte zwar, daß ihm dies nicht mit absoluter Sicherheit möglich sei, aber immerhin, in die Anlage des Ganzen flocht er wenigstens einige Momente ein, die auf mich Hinweisen würden und es schließlich auch thaten. Darum nahm er nicht mehr als zweitausend Mark; er wußte, daß ich so viel brauchte. Darum verübte er die That gerade an jenem Tage; er wußte, daß ich das Geld gleich nach den Festtagen brauchte. Darum warf er den Brief, den er mir entwendet hatte, auf den Fußboden des Comptoirs, um womöglich ein direktes Jndicium gegen mich zu schassen. Dabei vergaß er dennoch auch nicht, sich für alle Fälle selbst zu salvieren. Die Schlüssel, die er mir zu Hauie gestohlen, durfte er nicht wieder an ihren alten Platz in die Schatulle zurücklegen. Er mußte sie unter allen Umständen nach der That in meinen unmittelbaren Besitz bringen. Dann würde es keinem Menschen einfatten, daß er sie aus der Schatulle genommen Ich trug sie ja bei mir! Als er sich daher am Schawuaus Abend in das Haus, dessen Gepflogenheiten ihm bekannt waren, eingeschlichen und in einem sicheren Versteck einen günstigen Moment zur Verübung des Verbrechens abgewartet hatte, begab er sich kühn nach oben, vollführte das Manöver mit Lina Groneck und prakticierte, während das Mädchen ihm aus der Küche ein Glas Wasser holte, die Schlüssel in meinen ihm wohlbekannten Paletot, der neben andern im Korridor hing. Dann flüchtete er durch den Garten, offenbar unbemerkt von mir und Jda Fromann, und gelangte über eine vorher wohl in's Auge gefaßte Stelle des Zaunes auf eine schmale Straße, die sich hinter dem ausgedehnten Grundstück Leopold Fromann's hinzog. Berthold Spier wurde zu zwei Jahren Gefängniß

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