Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 86 (29.10.1900)
- Date
- 1900-10-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1753 dischen Litteratur und Geschichte viel gearbeitet hat, wird plötzlich trank. Er ist ganz allein und verlassen, leine materielle Lage ist sehr traurig, er wendet sich fünfmal an die Gesellschaft, ohne auch nur eine 'Antwort zu bekommen. Und dabei giebt es noch naive Leute, die dieser Gesellschaft große Kapitalien, Güter und Häuser vermachen. Was wird mit dem ganzen Gelde gemacht? Zu welchen Zwecken wird es verwandt? U. A. w. g. Wenn die Gesellschaft so weiter sortfährt, so möge sie wenigstens den Muth haben, das zu scheinen, was sie ist. Sie streiche dann aus ihrem Namen die Worte israälite und bienfaisance, da ein solches Treiben weder jüdisch noch wohlthätig ist. Wenn diese Zeilen dazu beitragen sollten, die jetzt berrschenden Zustände zu bessern und die unsägliche Roth der russisch-polnischen Emigranten zu lindern, so habe ich mein Ziel erreicht. Möglich ist es, man muß nur erst streben und ehrlich wollen. Pi. England. London. (O b e r st G o l d s m i d.) Die Ernennung des Oberst Goldsmid zum Generalinspektor oer Kommunikationslinien im Westdistrikt der von den britischen Truppen besetzten Landestheile in Südafrika ist ein neuer Beweis des großen Vertrauens, das die englische Negierung zu der Tüchtigkeit dieses Offiziers hat. Schon in der verantwortlichen Stellung als Kommandant von Griquatown hat Oberst Goldsmid die Anerkennung seiner Vorgesetzten gefunden, die neue Beförderung ist ein deutlicher Ausdruck dieser Anerkennung. Feuilleton. Lin Schritt vom Wege. Jüdische Wovelle von Arnold Mann. 25J Der Richter blätterte ein wenig in den Akten, die vor ihm lagen und begann darauf: „Ja, dieser Berthold Spier ist vorgestern als Zeuge vernommen worden. Wir e rfuhren, daß Gottschalk mit ihm zusammen wohne und zitierten ihn deshalb zu uns. Er hat uns denn auch die Aussagen des Zeugen Meyer bestätigt, daß Gottschalk am Sonntag spätestens 2000 Mark für die Bank brauchte und nicht daran dachte, Sie, Herr Fromann, um das Geld anzugehen. Spier wußte dies aus einem Gespräch Gottschalk's mit Mever, welches Spier vor Kurzem ohne seinen Willen aus einem Ballfeste erlauscht hatte!" „Sie wissen ganz genau," wandte sich dann der Richter zu mir, „daß die Beschreibung, die das Mädchen hier von denk Unbekannten gab, auf Spier zulrifft?" „Ganz genau, Herr Richter!" „Sie kennen seine Kleidung, kennen den Ring?" „Jawohl!" „Run, dann wollen wir uns den jungen Mann einmal kommen lassen! Sie sind den ganzen Tag zu Hause, Herr Fromann?" „Ich stehe jederzeit zur Verfügung!" „Und das Mädchen auch?" „Jawohl!" „Schön! Ich werde Sie dann zur Zeit rufen lassen!" Das Verhör war vorläufig beendet, die Zeugen entfernten sich, ich wurde in meine Zelle zurückgeführt. Es war etwa des Mittags sch2 Uhr, als ich wieder vorgeführt wurde. Im Zimmer des Richters stand Berthold Spier, die Zeugen fehlten noch. Spier würdigte mich keines Blickes. Er stand da, aufrecht und gerade, wie ein Triumphierender und schien ruhig zu warten, bis der Richter seine Fragen an ihn richten würde. „Herr Spier!" begann der Richter endlich, von seinen Akten aufblickend, „ich habe Sie rufen lasten, weil wir noch Einiges klarzustellen haben! — Sie sind momentan außer Stellung?" „Jawobl!" „Seit wann?" „Seit Sonnabend vor acht Tagen!" „Weshalb wurden Sie entlassen?" „Weil ich etwas später in's Geschäft kam!" „Deswegen entläßt man doch nicht gleich einen jungen Mann! Sonst war nichts vorgefallen?" „Nein!" „Auch früher nicht?" „Nein!" „Bleiben Sie bei der Wahrheit!" mahnte der Richter streng. Spier schwieg. „Haben Sie sich früher niemals Unregelmäßigkeiten zu Schulden kommen lassen?" Keine Antwort. „Run, dann werde ich es Ihnen sagen. Ich habe heute bei Ihrem Chef anfragen lassen, und es waren nette Sachen, die da an's Licht kamen! Sie haben früher schon öfter gegen die Gesetze der Ehrlichkeit gefehlt! Als Lehrling haben Sie bereits kleine Geldsummen, die Sie unbewacht liegen sahen, sich angeeignet. Man hat es Ihnen hingehen lassen um Ihrer Eltern willen! Und auch späterhin sind zuweilen Unterschleife entdeckt worden, wegen deren man Sie in dringendem Verdacht hatte! Was sagen Sie dazu?" Svier hob das Auge und sah mich an. Er mochte ivohl die Ruhe und die Festigkeit meines Wesens gewahren und daraus schließen, daß von dieser Stunde der Verdacht jenes Diebstahls nicht mehr auf mir ruhte, sondern auf — dem wahren Schuldigen. Er erblaßte und verlor völlig seine Fassung. Der Richter aber fuhr fort: „Sie antworten nichts! — So werden wir einen