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Der Israelit · 1900-10-22 · Heft 84 (22.10.1900) · page 32

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 84 (22.10.1900)
Date
1900-10-22
Page
– (sequence 32)
Language
German
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64 Geber den Ort, der kur/ Turuul genannt wird, schreibt der Historiker F. I. Nul/.er: nTurnul ist ein Flecken oder, wie man ihn hier nennt, eine Stadt mit einem T h u r m , welcher in Friedenszeiten keine Besatzung hat. Sein deutscher Name „Thurm“ ^Ueborsetzung von Turn) beweist uns, dass die Stadt diese Benennungvon den ,.deutschen“ Israeliten erhielt, die sich dort niederliessen nach deren Vertreibung aus Ungarn im 14. Jahrhundert durch König Ludwig I. — und diese Thatsache ist ganz sicher“2). Ungefähr zu derselben Zeit Hessen sieh Israeliten in Bulgarien nieder und zwar unter der Regierung des letzten Kaisers, Iwan Schischliian, Sohn der Kaiserin Sarah oder Theodora, infolge deren Fürsprache die Israeliten viele Rechte und Privilegien erhielten. Es ist wahrscheinlich, dass sie gleichzeitig auch in Xicopolis (ebenfalls bulgarischer Donauort), welcher gegenüber Turnul (auf dem anderen Donauufer) liegt, ihre Wohnsitze aufschlugen. Ferner auch in den anderen schon genannten Orten. Dies geht klar daraus hervor, dass im Jahre 1430 der gelehrte Rabbi Dossa ben Rabbi Mosche Jevani aus der Stadt Widin (Bulgarien), der beste Schüler des Rabbi Schalom aus Neustadt ^Ungarn) ein Buch „Perus und Tosphot“ schrieb,3) woraus folgt, dass schon vor 1430 in Widin eine jüdische Familie lebte, die aus Neustadt eingewandert war und zu den aus Ungarn vertriebenen und in Bulgarien niedergelassenen gehörte. Die Israeliten, die im rumänischen Turun sich niedergelassen hatten, wanderten nachher aus unbekannten Gründen — vielleicht in Folge der Grausamkeiten des tyrannischen Fürsten Wlad V. — nach den bulgarischen Orten Xicopolis und Plewna aus. Zeugnisse darüber giebt es 1. in einer Anfrage, die aus Plewna an den Rabbiner Joseph Caro von Nicopolis gerichtet wurde wegen eines christlichen Dieners, der zum Judenthum übertreten wollte; 2. aus einer Anfrage der israelitischen Gemeinde von Nicopolis an den Rabbi Baruch b. Schlomo Kalay, einen der 2) Franz Joseph Sulz er, „Geschichte des Transalpinischen Daeiens“ Wien 1781, Bd. I. 367. 3) 8. Katalog des R. Chajim Michel, 8. 630 und die Bibliographie des Benjakob, Wilna 1877—80 Bd. 3, 8. 705. Rabbiner von Saloniki, betreffend die Rechtschreibung des Flusses Donau, welche R. Baruch in seinem Werk „Mekor Baruch“ (Smyrna 5419) gegeben hatte.4) Auclr aus Rah. .Isaac^ Biga’s Werk „Baitli Neeman“ (Venedig 5381) ist es ersichtlich, indem in der Einleitung zu Bd. I. von dem Vorhandensein von Israeliten in Nicopolis gesprochen wird. Dossgleichen aus „Scliaare Benjamin“, Kinl., (Sulkow 5512). Ueber die Gemeinde von Plewna giebt es ein Responsum des R. Joseph Caro auf eine Anfrage des Gemeinderabbiners der ersteren Stadt, R. Todros. (S. Awkath Rochcl 212). — Zwei Zeugnisse giebt es dann über die Gemeinde „Deutscher“ Israeliten in Sophia; beide rabbinischgerichtliche Urkunden ddo. Sophia 27. Siwan 5292 '1532) — vgl. Fragen und Antworten b. Maran Caro, Saloniki, Jahr 5358, Frage 8, 8. 117. Literarisches. Fried m an n, A., Die Geschichte der Juden in Ingolstadt (1300-1900). Ingolstadt 1900. 27 8. 8« — 70 Pfg. Verfasser behandelt die Geschichte seines Wohnorts innerhalb des bezeichreten Zeitraums anf Grund von Chroniken und gedruckten Quellen. Es ist eine in gefälliger Sprache geschriebene Monographie, die vom Fleiss und Darstellungsgeschick des Verfassers lobenswertes Zeugnis ahlegt. Möge das Büchlein viele Leser und Käufer finden. A ekerm an», Dr., spDDD Hnmattif. Eine Sammlung von Predigten zeitgenössischer Kanzelredner I. Theil: Festpredigten. Berlin 1900. Der Herausgeber vorliegender Piedigtsammlung, der sich durch andere wissenschaftliche Darstellungen bereits hervorgethan hat, bietet eine Anzahl Reden, die nicht nur Lehrern, welche in ihren Gemeinden den Prediger ersetzen sollen, sondern auch jüngeren Rahbiuen zur Benützung dienen werden. Diesen Zweck erreichen besonders solche Predigten, die in volkstümlicher Form mul Sprache gehalten uud aus dem Lehen gegriffen sind. Die Sammlung bietet mehrere dieser Art, die eines nachhaltigen Eindruckes sicher sein dürfen. Wir empfehlen das Buch den Interessenten und glauben, sicher annehmen zu dürfen, dass sie durch dasselbe befriedigt werden. 4) 8. „Ghet Mekusor - des R. Mosche b. Ghanin, Kap. 28, 8. 86 (Ortokajo 5479). Inhalt« Giinzburg und die schwäbischen Gemeinden. — Don Josef Nitsi Herzog von Nnxos. — Die Juden in Worms. — Geschichtliches über die Israeliten der Donaustaaten — Litterarisches. Verantwortliche Redaction: Rabbiner Dr. Löwen stein in Mosbach (Baden). — Druck und Verlag der Joh. Wirth’schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellscliaft in Mainz.

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