Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 99 (13.12.1900)
- Date
- 1900-12-13
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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Zunahme der Sehülerzahl ist ein erfreulicher Beweis dafür, dass sich innerhalb der hiesigen jüdischen und speziell der aschkenasischen Bevölkerung ein besseres jVerständniss für eine zeitgemässe Erziehung auf der Basis von min pN -fH 2P geltend macht. Die Einnahme an Schulgeld beträgt für das Sommersemester 445 Eres., und weitere 100 Eres, gingen als Entschädigung für Schulbücher und Schreibmaterialien in Beträgen von je 10 resp. 5 Eres, von solchen Leuten ein, deren pekuniäre Lage es ihnen erlaubt, einen kleinen Beitrag per Semester zu zahlen, auf welche Zahlung wir schon wegen der moralischen Wirkung des Gebens im Gegensätze zum Nehmen nicht verzichten möchten. Mit dem sehr befriedigenden Wachsen der Schüler zahl empfinden wir aber mehr als je zuvor die Nothwendigkeit eines eigenen, den Anforderungen entsprechenden Schulhauses für die in steter Entwickelung begriffene Anstalt. Um den momentanen Bedürfnissen zu begegnen, haben wir mit Erlaubnis« des Hausbesitzers, auf Kosten mancher Bequemlichkeit, wiederum eine Zwischenwand entfernen müssen, um zwei Zimmer in ein grosses Klassenzimmer zur Aufnahme von 50 Kindern umwandeln zu können. Bei einer eventuellen Vergrößerung der Schülerzahl im nächsten Jahre würden jedoch die vorhandenen Räume entschieden nicht mehr hinreichen, und ein anderes, dem Zwecke entsprechendes Haus dürfte selbst bei einem weit höheren Miethzins schwer zu finden sein. Angesichts der schwer zu lösenden sozialökonomischen Frage betreffs der Berufswahl der hiesigen heran wachsenden Jugend, nachdem Jerusalem bereits eine übergrosse Zahl von Handwerkern anfweist, konstatiren wir mit Genugthuung, dass mehrere entlassene Zöglinge sowohl hier als in Jaffa und Haiia in Geschäftshäusern thätig sind. Kenner der hiesigen Verhältnisse erachten es als sehr wünschenswerth, dass einige beanlagte Zöglinge unserer Schule eine gründliche kaufmännische Ausbildung in Europa erlangen, um später hier ihre erworbenen Kenntnisse zum Nutzen des hiesigen Handels verwerthen zu können. Mit zwei Zöglingen des Waisenhauses und der Schule ist der Anfang gemacht. Isak Amdursky bereitet sich für den kaufmännischen Beruf in Berlin vor, und Isak Karetzky, der während eines Jahres im Geschäftshause des Herrn Wilh. Gross als Lehrling thätig war, wurde von diesem Herrn zu seiner weiteren Ausbildung nach Hamburg geschickt. (Die Reisekosten trug der Verein.) Ein anderer, letzthin entlassener Zögling, Levy Cohn, hat in der Kolonie Katra als hebräischer Lehrer Anstellung gefunden, nachdem man in Risch on l’Zion mit den Leistungen eines jungen Lehrers recht zufrieden ist, der durch Hospitiren während einer längeren Zeit an unserer Schule sich System und Methode des Unterrichts angeeignet hat. Der stets in weitere Kreise eindringenden Erkenntniss von der Bedeutung des hebräischen Unterrichts in den Schulen Palästinas, hat unser Lehrplan bereits vor Jahren Rechnung getragen, ebenso wie die in unserer Schule schon vor 13 Jahren eingeführte Unterrichtsmethode mit dem Gebrauch des Hebräischen als Unterrichtssprache für die hebräischen Disciplinen allgemein als Wegweiser dient. Indessen sind unsere Wünsche in dieser Hinsicht nicht erschöpft. So würden wir zunächst, um die Leistungen in der stets überfüllten Unterklasse zu erhöhen, diese gern in zwei Parallelklassen getheilt sehen, anstatt, wie wir es diesmal zu thun für nölhig gefunden haben, den Ueberschuss der dritten Klasse zuzuführen. Allein hierzu bedürften wir einer weiteren Lehrkraft speziell für die hebräischen Lehrgegenstände und eines anderen Schulhauses, da die jetzigen Räume die Bildung einer weiteren Klasse nicht zulassen. Eine erfreuliche Ausdehnung hat, allerdings nur für dieses Semester, der Zeichenunterricht genommen. Herr Hababel Gut mann, ein talentvoller Maler aus der Kunstschule in Odessa, hat sich erboten, während seines hiesigen Aufenthalts 4 Stunden wöchentlich Unterricht im Perspektivzeichnen unentgeltlich zu ertheilen. Der Unterricht, dem auch die Lehrer beiwohnen, erweist sich als sehr fruchtbringend, und wissen wir Herrn Gutmann für seine vortrefflichen Dienste innigen Dank. Unser Verein nahm an der Konferenz der in Palästina thätigen Vereine, welche das Central-Comitö der „Chowewe Zion“ auf den 26. und 27. März hierher einberufen hatte, lebhaften Antheil. Er war durch die Herren: Rabbiner Dr. Horovitz, Prof Dr. Werner, Consul Adolf Baer-Goldschmidt und Eduard Cohen offiziell vertreten, während Herr Charles Hallgarten als Präsident der Konferenz fungirte und Herr Geiger als einer der Delegirten des Vereins „Lemaan Zion“ den Verhandlungen beiwohnte. (Fortsetzung folgt.) Druck der Joh. Wirth’sohen Hofbuchdruckerei Actien-Gesellachaft, Mainz.