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Der Israelit · 1900-12-13 · Heft 99 (13.12.1900) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 99 (13.12.1900)
Date
1900-12-13
Page
– (sequence 30)
Language
German
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30 Die Getreideeistcrnen in Palästina. Die Cisternen, hebräisch rilUD genannt, spielen bekanntlich eine grosse Rolle ira heil. Lande, zunächst in wasserarmen Gegenden, denen der Regen in den wenigen Wintermonaten das nöthige Trinkwasser für die ganze Sommerzeit liefern soll, welche ca. 7 Monate anhält. Die j Cisternen dienen darum als Wasserbehälter. Das Wasser wird mittelst Zinkröhren, die an den Dächern angebracht, in die Cisterne geleitet, und wenn diese recht rein gehalten wird, ist ihr Wasser erfrischend und wohlschmeckend. Kann denn auch des Himmels Spende mangelhaft sein? — Eine Cisterne, gewöhnlich im Viereck erbaut, kann gegraben, oder auch, namentlich wo der Boden felsig ist, gehauen sein; im ersteren Falle müssen die Seiten wände ausgemauert und die Fugen verkittet werden. Auf diese Weise wird sie wasserdicht, wird sie ein no td nst9 Die Decke, ebenfalls ein Mauerwerk im Halbbogen errichtet, wird von Aussen mit Quadersteinen ausgelegt. Für den Kubikinhalt einer Cisterne existirt kein bestimmtes Mass; die Tiefe beträgt in der Regel 5-6 m, für Breiten- und Längenmass ist einzig und allein ausschlaggebend: erstens die Grösse des Daches, und zweitens die Seelenzahl, von welcher das betreffende Haus bewohnt ist. Manche Hausbesitzer legen, obwohl die Seelenzahl der Hausbewohner nur eine geringe, dennoch grosse Cisternen an, und zwar aus Spekulation, um nämlich einen Theil ihres Wasservorraths veräussern zu können. Und sie machen ein gutes Geschäft dabei. In der heiligen Stadt sind es die Allerwenigsten, die im Sommer kein Wasser kaufen müssen. An zweiter Stelle verdienen die Getreidecisternen genannt zu werden. Um sie bekümmert sich sonst Niemand, sie kennt fast kein Europäer; gleichwohl stehen sie in ihrer Bedeutung nicht hinter den ersteren zurück. Ich glaube daher, eine Beschreibung derselben dürfte für Ihre Leser von einigem Interesse sein; ich muss aber gleich hinzufügen, dass das Material dazu mir von einem Freunde, der seine Erfahrungen an Ort und Stelle gesammelt, zur weiteren Verwendung überlassen worden. Ich lasse nun meinen Freund sprechen : „Getreidecisternen sind ebenfalls unterirdische, im Gegensatz zu Wassercisternen rundförmige Bauwerke, welche die Bestimmung haben, einen Theil der Ernte in sich aufzunehmen, Die Tiefe beträgt 4—5 m, ebenso! die Breite, in der Mitte genommen, während 1 der Boden und die Mündung viel schmäler sind. Eines Mannes Breite wird als Masstab genommen für die Breite der Mündung. Gleich grosse Sorgfalt wird sowohl der Dauerhaftigkeit des inneren Gemäuers, wie der Cementirung der Fugen zugewendet, damit von nirgends her Luft eindringen könne. Der Erdboden darf nicht feucht sein; wenn innerhalb 40 m Tiefe, von der Oberfläche an gerechnet, Wasser im Schoosse der Erde vorhanden, ist der Ort für den Cisternenbau ungeeignet. Das Getreide wird auf Stroh gebettet, weil bei unmittelbarer Berührung mit dem Boden, dieser eine Fäulniss der Frucht bewirken würde. Eine Cisterne kann auch mit mehreren Getreidegattungen gefüllt werden, so z. B. mit Weizen, Gerste und Dura. Letzteres wird als Viehfutter benützt, die Beduinen jedoch bereiten, mit Weizenmehl gemengt, ihr Brod daraus. Es geschieht nur selten, und dann auch bloss für einige Tage, dass eine Cisterne mit verschiedenen Getreidegattungen gefüllt wird, da in solchem Falle rascher Gase sich entwickeln, die auf den Geschmack der Frucht nachtheilig ein wirken. Die Frucht kann sich in guten Cisternen sieben Jahre lang halten, verliert jedoch schon nach einem Jahre, da der Bodengeruch unvermeidlich ist, bedeutend an Qualität. In einer geschlossenen Cisterne sammeln sich viel Gase an, die erst entweichen, wenn Luft eindringt. Die ausströmenden Gase sind aber für den Menschen schädlich, ja, können mitunter sogar gefährlich werden. Um nun zu wissen, ob noch Gase vorhanden sind, bedient man sich einer brennenden Kerze; erlischt diese nicht in der Cisterne, dann sind die Gase bereits daraus entwichen. Gewöhnlich ist dies am zweiten Tage nach der vollsiändigen Oeffnung der Cisterne der Fall; dann kann ohne Furcht vor Erleiden von Schaden dieselbe geleert werden. Eine theilweise Leerung wirkt nachtheilig auf den restlichen Theil. Sollte dennoch die ganze Leerung nicht auf einmal erfolgen, darf das geleerte Quantum nicht mehr als 30°/0 des Ganzen ausmachen. In früheren Jahren hat es weise Vorsicht erheischt, grosse Getreidemengen zu reserviren, aus Vorsorge für eine etwa eintretende Hungersnoth, sei es durch Missernte oder durch verheerenden Krieg. Der friedliche Zustand jedoch, dessen Palästina seit geraumer Zeit sich erfreut! einerseits, wie die grosse Konkurrenz, welche 1 das produktive Amerika der alten Welt auch

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