Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 82-83 (18.10.1900)
- Date
- 1900-10-18
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449125--51741-2502314- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1700 Unterricht in systematischer Religionslehre nicht ertheilt weiden dürfe, sei selbstverständlich; hier lönne nur neben dem Unterrichte in der biblischen Geschichte eine Unterweisung in Gebet- und Bibelübersetzen in Betracht kommen. Auf der Oberstufe dagegen könne ein gesonderter systematischer Religionsunterricht nicht entbehrt werden, und die Gründe der Gegner — Essecthascherest langjährige Gewohnheit — reichten nicht aus, die in Rede stehende Disciplin aus der jüdischen Schule zu verbannen. Der systematische Religionsunterricht sei besonders dazu angethan, Urtheil und Fassungskraft der Kinder anzuregen, zu prüfen und zu beleben. Die kurze Fassung des Unterrichtsstoffes gebe dem tüchtigen Lehrer gerade Gelegenheit, den Unterricht interessant zu machen, und dem Kinde ein Mittel, den gelernten Stoff sich unverlierbar anzueignen. Der Unterricht bestehe aber keineswegs blos in dem mechanischen Auswendiglernen abstrakter Definitionen und dem Abfragen seitens des Lehrers nach dem eingeführten Lehrbnche oder Leitfaden, sondern in der lebendigen Entfaltung eines Geist und Gemüth bildenden Verkehrs zwischen Lehrer und Schüler. Rach den mit vielem Beifall aufgenommenen Aussiihrungen erhält Kollege B e r n he i m das Wort zu dem .Korreferate. Auch er tvill den systematischen Religionsunterricht als selbstständige Disciplin aufrecht erhalten wissen, betont aber, daß derselbe auch auf der Mittelstufe wegfallen müsse und hält für die Oberstufe eine wöchentliche Unterrichtsstunde für vollkommen ausreichend. Durch den gesonderten systematischen Religionsunterricht müsse aber dem Kinde nicht zu Bewußtsein kommen, in biblischer Geschichte und diesem Zweige des Religionsunterrichts zwei verschiedene Fächer zu erblicken, sondern es müsse erkennen lernen, daß die Religionslehre sich an die Schrift anlehne und aus ihr herausgewachsen sei. Bor allem aber habe die Religionsstunde zur Erbauungsstunde sich zu gestalten, und die katechetische Lehrform müsse neben der akroamatischen einhergehen. Auch diese Ausführungen erhielten fast allseitigen Beifall und nach der lebhaften Debatte, an der sich die Kollegen Reust, Klein, Apt, sowie die Herren Dr. Mannheimer und Dr. Lob betheiligten, konnten die Referenten im Schlußworte zu dem Resümee gelangen, daß alle Redner, mit Ausnahme des Kollegen Klein, der sich als ein Gegner des systematischen Religionsunterrichts erwies, in der Hauptsache mit ihren Ausführungen einverstanden sich erklärt hatten. Die aufgestellten Thesen werden einer Kommission zur Prüfung und zur redaktionellen Feststellung übergeben, woraus der Vorsitzende den Herren Referenten für die gedankenreichen Arbeiten den Dank der Versammlung ausspricht. Inzwischen ist auch die Rechnung über das abgelaufene Vereinsjahr von den dazu bestellten Prüfern durchgesehen und für richtig befunden worden. Der Vorsitzende als Rechnungssührer erhält Entlastung. Er folgt die Besprechung der Biblischen Geschichte von Müller durch Kollege G o t t s ch a l k. In derselben kommt der Berichterstatter zu dem Resultat, daß er das Buch zum Gebrauche in unseren Schulen nicht empfehlen könne. Gründe: l. das Buch ist zu theuer, 2. es ist unzweckmäßig, den Lernstoff für biblische Geschichte fiir Unter-, Mittel- und Oberstufe in einem Bande erscheinen zu lassen, 3. per Verfasser verläßt den Bibelton, und die Sprache wird dadurch durchweg zu breit, 4. einige Erzählungen sind nicht in jüdischem Sinne dargestellt und Wichtiges ist ausgelassen. Für diese Bebauptnngen bringt der Referent die nöthigen Beweise, wie er überbauvt in den Erzählungen bis Salomo's Tod Anlehnung an „Staude, Präparationen" und „Wiedemann, wie ich meinen Kleinen die biblischen Geschickten erzähle." erblickt. Im Anschluß an diesen Bericht wird beantragt und zum Beschluß erhoben, daß dem Verfasser, Herrn Müller, mitgetheilt werden soll, daß sein Buch aus pädagogischen und religiösen Gründen in seiner jetzigen Form für unsere Schulen unbrauchbar sei. Bei der nun folgenden Vorstandswahl lverden die seitherigen Mitglieder des Vorstandes durch Zuruf wiedergewählt. Dieselben nehmen dankend an. In gegebener Veranlassung und auf dahin gehenden Antrag!vird endlich noch beschlossen, daß unser Verein fortan den Namen „Verein israelitischer Lehrer der Rabbinats-Bezirke Emden-Oldenburg-Breinen" führen solle. Die Satzungen lverden entsprechend abgeändert. Schluß 9 Uhr Abends. Am anderen Morgen 81- Uhr versammelten sich die Konferenz-Theilnehmer in der jüdischen Volksschule zu Emden. Die heutige Versammlung trägt für die jüdischen Lehrer aus dem Regierungsbezirke Aurich amtlichen Charakter, und infolge dessen übernimmt Herr Landrabbiner Dr. Lob als Kreisschulinspektor den Vorsitz. Er eröffnet die .Konferenz mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und König. Kollege W o 1 k o w s k y hält nun mit den Kindern der Oberstufe eine Lehrprobe über das Thema: „Der frohe Wandersmann von Eichendorsf." Die Lehrprüfung wird in der Besprechung im allgemeinen als gelungen bezeichnet. Darauf erhält Kollege L a ch mann das Wort zu seinem Referate: „Der geographische Unterricht." In längerem Vortrage bespricht der Referent das „Warum, Was und Wie" dieses Unterrichtsgegenstandes und zieht dabei überall die Forderungen der „Allgemeinen Bestimmungen" in Betracht. Alle Redner stimmen in der Besprechung darin überein, daß sich vom pädagogischen Standpunkte aus gegen die Ausführungen und gegen die ausgestellten Thesen in ihrer Allgemeinheit nichts einwenden lasse. Unter den amtlichen Mittheilungen des Herrn