Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 82-83 (18.10.1900)
- Date
- 1900-10-18
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Erklärung bat, mit engelhafter Geduld und Gelassenheit eine befriedigende Antwort zu geben. „Ich würde um keinen Preis einem so stumpfsinnigen Kerl tausendmal eine und dieselbe Sache eintrichtern," sagte ihm einer unserer Kollegen. „Wenn Alle so hochbegabt wären, wie Du, dann bliebe freilich nicht viel zu thun übrig," versetzte er lachend. Es kam mir wiederholt der Gedanke, daß er, wie kein Zweiter, geeignet wäre, an einer großen Jeschiba zu wirken. Doch war es anders gekommen . Mein Freund wurde zum Rabbiner einer nahgelegenen Stadt erwählt. Inzwischen beschlossen die Einwohner unseres Städtchens, eine richtige, große Jeschiba zu gründen. Es fanden sich einige, die das nöthige Geld hergaben. Man schaffte Utensilien und Bücher für die ärmeren Schüler an, auch für das Gehalt des Rektors sollte gesorgt werden. Run hieß es, einen passenden Mann für die Stellung ausfindig zu machen. Ich erinnerte mich meines Freundes, der jetzt Rabbiner war und brachte ihn scherzweise in Vorschlag, obgleich ich wußte, daß dies nicht gut anginge. „Das wäre ja eine Degradation und lein Avancement für ihn," wandte der Vorsteher ein. „Aber es wäre doch sehr hübsch für ihn, wenn er als Rektor an demselben Lehrhaus fungiren würde, wo er selber zu lernen angefangen hatte." .Wollen wir unser Glück versuchen," sagte der Vorsteher, vielleicht gelingt es. Schön wäre es ja." Ich schrieb an meinen Freund und war glücklich, nach einiger Zeit eine einwilligende Antwort zu erhalten. Er ging mit Freuden auf meinen Vorschlag ein, und war dankbar, daß wir ihm eine Stellung einräumten. I welche ihm ermöglichte, dem Studium obzuliegen, während das Amt eines Rabbiners ihm alle Zeit verschlang. Zwei Wochen später trug er in unserem alten Lehr- ' Hause seine erste Praeleetion vor, zu der sich ein großes Publikum eingefunden hatte. Mir gegenüber, auf der andern Bank, saß ein alter Mann und fing jedes Wort des Vortragenden aus, während reichliche Thränen aus seinen Augen flössen. An seinen schwieligen und abgearbeiteten Händen konnte man erkennen, daß er dem Arbeiterstande angehörte; auch seine Züge verriethen, daß er nicht dem Gelehrtenstande beizuzählen war. Ich zweifelte keinen Augenblick, daß der alte Mann kein Wort von dem Vortrage verstand, der sich in den höheren Regionen talmudischer Gelehrsamkeit bewegte. Es war mir ein Räthsel, warum er weinte, da der Inhalt des Vortrages keineswegs darnach war, Rührung zu erwecken. Bald klärte sich die Sache. Ich erfuhr nämlich, daß dies der Vater meines Freundes war. Er war ein schlichter Zimmermann, der sein ganzes Leben mit Beil und Balken zu tbun hatte. Jetzt lebte er bei seinem Sohne. Ich betrachtete den Alten und bemerkte alsogleich, daß es Thränen der Freude waren, die er vergoß. Der Greis war beglückt, seinen Sohn als Meister so vieler Jünger zu sehen, die seinen Worten lauschten. Kaum zwanzig Jahre sind seit jener Zeit verstrichen, unb doch ist es, als trennten uns mehrere Geschlechter von jenen Menschen. Mein Freund ist längst tobt, die Jeschiba ist ausgehoben, das LehrhauS ist in einen Trümmerhaufen verwandelt. In einer anderen Straße erhebt sich ein schönes, funkelnagelneues Bethamidrasch uiit funkelnagelneuen Stueeaturen und anderen Verschönerungen, daher sind die Preise der Plätze dort theuer, und wer einen vollen Geldbeutel hat, der sitzt obenan. Der Vorsteher wacht strenge darauf, daß alles so neu bleibe, wie es ist, daher wird dort keinem armen Schüler gestattet, sich auch nur zu erwärmen. Nach dein Abendgebet brummt einer ein paar Abschnitte Misch najot her, und nur zwei, drei Greise hören ihm zu und — schlummern dabei. Sonst ist alles ganz „modern" und „fortschrittlich.". MT E n j e t fl c n. -mm Für den folgenden Tlskil ist die Redaction nicht oerantwortlich. Schluff der Insrratenannahme ist stets: fnr dir Monlagsnammrr, Lonntaq gN'ilki!> lllir, für die?il>nikcrstagsn»m»ier, Mittwoch Mittag >2 tthi. Unser Matt gelingt regelmästig Montag und Donnerstag >n dk« Abcu iRiinmt nun llrrf not. ilcclnmnliosirn uifnrit NI fpiilni (''inteeffi!!>', l>rttebe man bei der betreffenden postanstnlt tu machen. (Offerten auf <ci,uree nnancen weide,, täglich, mit Ä»snii,..:e von Samst g und Vonntaq, writerdrsordeet. Tefltllotfc, ütaehjoriH in besten and eleganten Einbänden. 2 Laüis, Wolle #♦ Seide, I sowie sämmtl, Ritualien, [lc 4J - 41 Gebetbücher ♦ J. Kauöinann. hebräische Buchhandlung, Grosses Lager wissenschaftlicher Werke Unterhattrrngslettüre, Schulbücher. /. Brautgeschenke, $ Fr %^r^rasse ^41^ | Ausführliche Cataloge gratis Stickereien f. Synagogen. und franco.