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Der Israelit · 1900-10-18 · Heft 82-83 (18.10.1900) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 82-83 (18.10.1900)
Date
1900-10-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1681 (fcnibtoir um und erblickte am Fußboden eilt Couvert, welches Ihre Adresse trug!" „Tos Couvert mußte ich vor Schluß des Geschäfts im Eomptoir verloren haben," erwiederte ich. „Das ivürde ich auch annehnren," siel der Richter ein, „meint alles Andere glatt wäre. So aber, wo von allen Seiten die Indizien ans Ihre Person Hinweisen, ist mir auch der Brief nichts anderes, als ein weiteres Verdachtsmoment. Sie haben ihn bei der Vollziehung der That in der Aufregung ans der Tasche geschleudert! In all dem kommt, daß der Lehrling versichert, er hätte len Brief bei seiner ersten Anwesenheit im Comptoir, kurz nach halb ein Uhr, bereits sehen müssen; er lag etroaS seitwärts vom Geldfchranl, am vorderen linken Fuß des Tisches, der am Fenster steht. Die Lampe, die der Lehrling trug, leuchtete so Hell, daß ihm der Brief t-nbedingt hätte auffallen müssen!" Ich zuckte wiederum nur mit den Achseln. Was hätte ich auch sagen sollen? Der Richter zog das Retz seiner Indizien immer enger um inich zusammen. Ich mußte ihm von seinem Standpunkte ans Recht geben. In mir stieg nur eine ungeheure Verwunderung darüber auf, wie merkwürdig in der That Alles stimmte! „Rur Eines," fuhr der Richter fort, als ec sah. daß uli nichts erwiederte, „nur Eines ist mir noch unklar. Ihr Chef, der übrigens, was ich Ihnen nicht verschweigen null, mit aufrichtiger Entrüstung den Gedanken Ihrer Thäterschaft von sich wies. Ihr Chef machte mich darauf aufmerksam, daß Sie an Sabbaten und Festtagen überhaupt Ihre Geschäftsschlüssel nicht mit sich führten. Ist das wahr?" „Ja ivohl, Herr Richter!" Raum hatte ich das gesagt, als inich ein tödtlicher Schreck durchfuhr. Die Schlüssel! Ich hatte sie ja gerade in dieser Rächt in meinem Paletot gefunden! Run auch das noch! „Wo waren in jener Rächt also Ihre Geschäftssch! äste!?" Jetzt hätte ich durch eine Lüge meine Situation verbessern können. Ich verschmähte es. Denn ich sagte mir, die Wahrheit müsse ich unter allen Umständen sagen. „Run?" drängte der Richter. ..Ich trug meine Schlüssel bei mir!" sagte ich leise, setzte aber gleichzeitig hinzu, daß es mir bis heute ein Räthscl sei, wieso. Ich muffe sie gerade an diesem Abend wegzulegen vergessen haben. „Ach, gehen Sie »tir doch mit solchen Ausreden! | Wenn Sie Ihre Schlüssel weggelegt hätten, so müßten j Sie das sicher wiffen. Auf eine solche Handlung kann! man sich besinnen! Sie waren geiviß der Meinung, >vie j alles klebrige, so sei mir auch bekannt gewesen, daß Sie > Ihre Schlüstel bei sich hatten; darum haben Sie nicht! gewagt, mir diesen Umstand zu verschweigen! Aber Sie irren. Dieses neueste Verdachtsmoment, welches l die Kette der klebrigen zu einem geschloffenen Ganzen > vereinigt, haben Sie selbst erst in diesem Moment mir in die Hände gespielt." Und er gab dem protokollirenden Schreiber Weisung, dieses letztere Moment mit besonderem Nachdruck hervorzuheben. Dann wandte er sich wieder zu mir: „Und nun werden Sie wohl nicht weiter leugnen?! Räumen Sie offen ein, und Sie werden Ihre Lage verbessern!" „Ich habe nichts einzuräumen!" beharrte ich. „Aber sehen Sie denn nicht," hob der Richter nun an, „wie alle Indizien mit deutlichen Fingern auf Sie und nur auf Sie Hinweisen? Sie brauchen am Sonntag zweitausend Mark. Von Ihrem Chef das Geld zu verlangen, haben Sie selbst noch acht Tage vorher als unmöglich erklärt. Dafür sind Zeugen da. Am Donnerstag Abend ersehen Sie ans den Zeitungen, daß jede Hoffnung, um den Devotzuschuß herumzukommen, vergebens sein wird. Die Papiere sind weiter gefallen. Run wird am Donnerstag stacht aus dem im Comptoir Ihres Chefs befindlichen Geldschrank die Summe von genau zweitausend Mark gestohlen. Die Zeit des Diebstahls können nur aus den beiden Gängen des Lehrlings feststellen. Es ist die Zeit zwischen halb eins und halb zivei. In dieser Zeit waren Sie nicht oben in der Wohnung. Ein Ihnen gehöriger Brief, der aller Wahrscheinlichkeit nach erst während dieser Stunde an den Fundort gekommen ist, wird neben dem Geldschrank entdeckt. Und schließlich, Sie, der Sie außer Ihrem Chef allein Schlüffe! zum Geldschrank und zur Compkoirthüre besitzen, tragen ganz gegen Ihre sonstige Gervohnheit gerade an diesem Abend Ihre Schlüssel mit sich! Geben Sie mir Antwort: Wenn Sie an meiner Stelle säßen und ick an der Ihrigen, würden Sie mich nach all dem für schuldig halten?" „Wahrscheinlich!" antwortete ich meiner Ueberzeugung gemäß, „aber ich bin dennoch unschuldig! Es ist ein zufälliges Zusantmentreffen unglückseliger Momente, Herr Richter, und wenn Sie meine Schuld aufrecht erhalten und ich verurtheilt werde, so kann ich dies nicht hindern. Ich kann meine Unschuld nicht beweisen, es sei denn durch meine bisherige Unbescholtenheit, durch meinen religiösen Lebenswandel, der das Begehen einer verbrecherischen Thal unter jeder Bedingung ausschließt. Die Wahrheit, Herr Richter, wird früher oder später an den Tag kommen!" „Das Berhör ist beendet!" antwortete der Richter kalt, „Sie werden bald Weiteres hören." Er drückte ans den Knopf der Tischglocke. „Der Gefangene ist abzusühren!" (Fortsetzung folgt.)

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