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Der Israelit · 1900-12-10 · Heft 98 (10.12.1900) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 98 (10.12.1900)
Date
1900-12-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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^.WUU-IU'1.1 , I u.« . - .1 ,,,;4~ .^9 , 41, Jahrgang. Erste Anlage zu Jfs 98 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 9. Dez. Wir haben bereits in den jüngsten Nummern des „Israelit" auf das große Elend, das gegenwärtig unsere Brüder im heiligen Lande heimsucht, aufmerksam gemacht und um Gaben für diesen hochedlen Zweck dringend gebeten. Auf Wunsch des verehrlichen Central-Comitees in Amsterdam wagen wir es, uns deßhalb nochmals an unsere verehrlichen Leser zu wenden und dabei aus eine Bitte des obengenannten Komitees im Anzeigetheil dieser Zeitung hinzuweisen. Gewiß hat so Mancher gelegentlich vorkommender Festlichkeiten oder anläßlich der nunmehr bald stattfindenden Chanukafeiern Gelegenheit, in seinem Kreise Sammlungen für die armen Hungernden zu veranstalten. Zeigen wir unsere Liebe für Zion und deren Bewohner durch die That und nicht, wie es heute vielfach Mode geworden, durch Phrasen, Versammlungen und — Busennadeln. Berlin, im Dez. Die „Lib. Corresp." schreibt: ..Es ist eine sehr traurige, und leider in weiten Kreisen noch viel zu wenig beachtete Thatsache, daß der Antisemitismus auf der ganzen Linie den Konitzer Mord für seine Zwecke zu verwerthen sucht. Der Pfarrer Krösel aus Kloxin, der vor einigen Tagen in Pyritz eine antisemitische Rede gehalten hat, welche in der dortigen Bevölkerung, wie mehrere von dort eingegangene Briefe darthun. eine tiefgehende Erregung hervorgerufen, hat seitdem schon wiederholt in den umliegenden Landgemeinden gesprochen und zwar auch in „Schulgebäuden," die ihm wohl von den Lokalschulinspektoren zur Verfügung gestellt sein müssen. So hat er am 28. November im neuen Schulhause in Brietzig, wo durch Herausnahme der Zwischenwände dreier Schulstuben ein großer saalartiger Raum geschaffen war, vor 200 bis 900 Personen über „Ritualmorde im Allgemeinen" und den „Konitzer. Mord" im Besonderen gesprochen. Nebenbei bemerkt, befanden sich unter den Anwesenden auch halbwüchsige Mädchen, die dem Aussehen nach kaum die Schule verlassen haben können. In dem mehr als einstündigem Vortrage nahm, wie uns mitgetheilt wird, neben der oft unrichtigen Darstellung der Konitzer Prozeßverhandlungen, die Frage, ob es Ritualmorde gibt, einen breiten Raum ein. Pastor Krösel hält cs, wie er ausdrücklich erklärte, für die Pflicht gerade der Theologen, sich mit dem „Ritualmorde" zu beschäftigen, und leitet seine besondere Competenz hierzu daraus ab. daß er sich seit zwei Jahren mit dem Talmud beschäftige. Wie es scheint, allerdings nur mit dem Talmud nach Rohling'scher Auslegung. Beweise für das Vorkommen von „Ritualmorden" hat er, wie er hervorhob, zwar selbst nicht, aber sie seien in der jüdischen Religion so begründet, daß erst hier noch energisch geforscht werden müsse, und nach seinen bisherigen wissenschaftlichen Forschungen gäbe es viel mehr Anhaltspunkte, daß „Ritualmorde" Vorkommen, wie umgekehrt. Die Zerstückelung des Winter in Könitz kann nach der Meinung des Pastor Krösel nicht von einem Schlächter ausgeführt worden sein, sondern nur von einem Arzte, und da ein solcher nicht in Betracht komme, nur von einem Menschen, der daraus ein Geschäft mache, und solche Geschäfte schon öfter gemacht habe. Daraus erkläre sich auch die Aeußerung, „daß das Blut in diesem Jahre sehr theuer sei und eine halbe Million Mark koste." Es sei eben ein sehr feines Geschäft, das Handeln mit Menschenblut. Das mag genügen. Zum Schlüsse erfolgte die übliche Sammlung für den Konitzer Verein, an der sich auf Ersuchen des Pastor Krösel auch der dortige Cantor betheiligte. Daß die Benutzung der Schullokale zu Vorträgen, wie sie der Pastor Krösel hält, zugelassen wird, ist geradezu unbegreiflich. T. Breslau, 3. Dez. Eine Unverschämtheit leistet sich das Blatt, das die Devise „Vorwärts mit Gott für König und Vaterland!" an der Spitze trägt, sich „Reue Preußische Kreuzzeitung" nennt und den Zuchthäusler Herrn von Hammerstein zum Chefredakteur hatte. Dieses Blatt bespricht ein jüdisches Rundschreiben, das auf die „unmittelbare Gefahr" für die Juden hinweist, die der durch einflußreiche Konservative geförderte Antisemitismus in sich birgt, und schreibt: Auffällig bleibt bei alledem, daß das Rundschreiben der 26 Rabbiner in dem gegenwärtigen Zeitpunkte zur Versendung gelangt ist. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir diesen jüdischen Schmerzensschrei mit dem Konitzer Meineidsprozesse und den augenblicklich noch im Gange befindlichen Verhandlungen gegen Sternberg in Zusammenhang bringen. Wohl weist die Judenschaft mit großer Erleichterung darauf hin, daß Sternberg ein „Christ" sei. Allein nichtsdestoweniger steht die Thatsache fest, daß die christliche Bevölkerung, wohlgemerkt, ohne durch antisemitische Agitation „aufgehetzt" zu sein, die Machenschaften des angeklagten Bankiers als spezifisch jüdische (die Worte sind in der „Kreuzztg." gesperrt. D. Red.) ansieht und in seinem Treiben den zersetzenden Einfluß des Judenthums erblickt. Dieser zersetzende Einfluß aber spielt in dem Sensationsprozeß eine wahrhaft erschreckende Rolle, und es ist kein Wunder, wenn sich darob der natürliche Antisemitismus, der jedem bewußten Christen innewohnt, stärker regt. •i; i i i! i! F

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