Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 80-81 (4.10.1900)
- Date
- 1900-10-04
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
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1673 Mit gespannter Aufmerksamkeit hatte der ganze Familienkreis den Worten dieser Erzählung gelauscht und noch nachdem der Erzähler geendet hatte, dauerte die lautlose Stille einige Minuten fort. Der erste, der sie unterbrach, war unser Student. „Wie bist Du ein schöner Erzähler, lieber Großvater, von wem hast Du denn die herrliche Geschichte gehört?" „Gehört habe ich sie von Niemandem," erwiederte der Großvater. „Dann hast Du sie doch jedenfalls irgendwo gelesen?" „Auch das nicht. Aber ich muß gestehen, daß mir Deine Eomplimenie über meine schöne Erzählungsgabe fast so Vorkommen, wie die Versicherungen derer, welche, um die Göttlichkeit der Thora mit Anstand leugnen zu können, unseren Lehrer Moscheh für einen ungewöhnlich großen Mann erklären. Was sie Moscheh an Größe zusprechen, geschieht aus Kosten der Wahrhaftigkeit und Göttlichkeit seiner Sendung. Du wolltest doch mit Deiner Anerkennung meines Erzählertalentes mir nicht eine Erfindung dieser ganzen Geschichte unterstellen, nachdem ich doch vorausgeschickt habe, daß es sich um eine wirklich vorgekommene Begebenheit handelt?" „Verzeiht," ergriff einer der beiden armen Gäste das Wort, „wenn ich mich als Fremder in die Unterhaltung mische. Aber Sie werden sofort begreifen, in wie hohem Grade mich die erzählten Geschichten intereffirt. llnser verehrter Wirth bedarf von mir gewiß keiner Bestätigung seiner Angaben und ich bin auch überzeugt, daß der Herr Enkel mit seiner Bemerkung weit davon entfernt war, in die Worte des Großvaters irgend welchen Zweifel zu setzen. Aber wie Sie mich hier sehen, bin ich ein Sohn von Reb Mendel, das Gedächtnitz des Gerechten werde zum Segen. Er hat uns oft von diesem Vorfall erzählt, und als er in den letzten Jahren seines Lebens fast sein ganzes Vermögen verloren hatte, sagte er mir wiederholt, von Reb Jtzig wisse er sicher, daß er ihm helfen werde, er hatte aber jede Spur seines Aufenthaltes verloren. Jetzt, wo ich die wunderbare Geschickte zum zweiten Male höre, hat es mich mächtig ergriffen, und wenn ich mir auch die Frage stelle, woher hat Herr von Kirschsteiner diese Erzählung, so leitet mich dabei nur die Möglichkeit, auf diese Weise den längst Gesuchten vielleicht endlich aufzufinden." „Ihr seid ein Sohn von Reb Mendel, sein Verdienst möge uns schützen, der in P. viele Jahre ein großes Hopsengeschäft betrieb?" fragte der Wirth erstaunt? „Der bin ich! Kanntet Ihr meinen Vater?" „Wer wird Reb Mendel nicht gekannt haben! Mutter, kannten wir ihn?" fragte Herr von Kirschsteiner nach seiner neben ihm sitzenden greisen Gattin gewendet. Alle Augen richteten sich bei diesem Anlaß dem Großmütterchen, an der Spitze der Tafel, zu. Niemand hatte sie bis jetzt beachtet. Sie hatte ihr weißes Battisttascheutuch vor die Augen gedrückt, um sich, wie alle Anwesenden glaubten, vor dem grellen Gaslicht zu schützen, in Wirtlichkeit aber, um die Thränen zu verbergen, die unaufhaltsam ihren Augen entstürzten. Erschreckt svrangen Alle auf die theure Mutter und Großmutter zu, sie aber wehrte die liebende Besorgniß unter Thränen lächelnd ab. „Erschreckt nicht, es sind Freudethränen. Zum ersten Male in seinem Leben hat Euer Vater und Großvater heute Abend mir sein Wort gebrochen. Er hat mir versprochen, unsere Lebensgeschichte niemals ohne meine Einwilligung zu erzählen. Jetzt hat er's doch gethan, nun will ich zur Strafe das ergänzen, was er verschwiegen. Dein Großvater, lieber Wolf, hat die Geschichte nicht gehört und nicht gelesen. Er ist ihr eigener Held, ilnd Ihr, lieber Orach, Sohn von Reb Mendel, wenn Ihr Jtzig sucht, erkundigt Euch einmal nach dem Rentier Ignaz von Kirschsteiner, der wird Euch Auskunft geben können. Nach Jomtof haben wir viel miteinander zu rechnen, wegen der Zinsen, welche die Zehnguldennote Eures wackeren unvergeßlichen Vaters getragen hat." „Begreifst Du's jetzt, Wolf, daß Dein Großvater sein Geld lieber in Esrogim, als in Fahrräder anlegt? Begreifst Du nun. was ein Esrog werth ist?" Hinreisen. Für den solgeuden Theil ist die Rcdaction nicht verantwortlich. chl«st der I«sera1emnma-me ist stet»: für Hie zvontag»n«marer. Soirntog Früh 9 Ubr.fär die K«merstao»»o»»rr« Mittwoch Mittog 1* Ufer. l#ffcr flat) oelnngt rrgrlmätzig Montag und Donnerstag in de« Abendstunden ptm Versandt, «eclamationen »ege« m späte» Eintreffen« d». «de «an bei der betreffende« Postanstalt pt mache». Offerte« aas «htfferaaaontt« werde« täglich. Mit A«»«atzme vo» Dlnapag and Donau«« «rtterdrfSrdert. 7sr. Gemeinde Kirchen. Ae mit einem Fixum von 700 Mk. freier Wohnung nebst Gärtchen u. einem Nebeneinkommen von mindestens Mk. 400.— dotierte Stelle des [7256 Religionslehr., Vorbeters & Schächters in unserer Gemeinde ist per sofort zu besetzen. Meldungen mit Zeugnisabschriften nimmt entgegen Die Bezirksfynagoge Sulzburg bei Freibnrg i. Bg. Sämmtliche Sorten^? DfJnnK und 0*370 sowie □•‘Din, von 50 bis lOO Ctm. Länge, empfehle in nur prima Waare zu den äußersten Preisen. A. I. Kofrnann, hebr. Buchhandlg., JfcattKfmtf aw Main [9ie