Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 80-81 (4.10.1900)
- Date
- 1900-10-04
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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'■?■* i’^frv-'J*5, - r^^\ fürHsZ^- U\r Mrthodoxe «MudenthumÄ OSE*' vjl" 1 lNr. 6 4. Qct 1900 ] yfryitgff« SLW ym^:: sm m iii c ei» Wsrog vvcrU) ist Von Robert Ksuleirr. Herr von Kirschsteiner hatte die schönste Snlko in der ganzen lliesidenz and gewiß noch tveit darüber hinaus. l^y umt ein hoher geräumiger .Kuppelbau, ansgestattet mit allein Luxus, und einem daran stoßenden Leitenban, der das Schlafzimmer enthielt. Ein Druck auf einen Knopf und das Kuppeldach legte sich auseinander nnd zog sich ivieder zusammen. Daß die Teppiche, (Gardinen, Möbel lind alle sonstigen Verzierungen der groß angelegten Einrichtung entsprachen, braucht nicht erst gesagt zu iverden. Aber das Interessanteste an dem -ganzen Ensemble tvar doch der Eigenthümer dieser Suttoth selbst, ioenn er tvie heute im Kreise seiner Kinder und Enkel dasaß. und mit ihnen geineinsam das Illst unserer Freude feierte. Herr Ignaz von Kirschsteiner ivar ein mehr als siebenzigjähriger C\Jrets von hoher Statur, und wenn er da im eleganten türkischen Schlasrock, umgeben von den Häuptern seiner Lieben, seine meerschaumene Jomtospfeife rauchte, so hatte man ein Bild wohlhabender Behaglichkeit und patriarchalischen Familienglückes vor sich, das selbst den Straßenjungen iinponirte, welche die hevrliche Festhütie herbeigelockt hatte, um einige lüsterne Blicke hineinzuwerfen. Die versammelte Familie, ivelche ohne die zwei armen Gäste mehr als dreißig Personen zählte, setzte sich aus Kindern und Enkeln zusammen, unter tvelchen alle Altersstufen, vom fünfzigjährigen bis zum sechsjährigen, vertreten ivaren. Der älteste Enkel, der kürzlich das Gymnasium absolvirt hatte und mit dem Beginn des Wintersemesters die Hochschule beziehen sollte, war dem Großvater besonders an's Herz gewachsen. Er führte den Namen seines Vaters Wolf, und wenn sie ihn auch draußen Wilhelm nannten, für ihn hatte er den alten Namen beibehalten „Ich danke Dir auch noch, lieber Großvater, für den schönen Lulos und Esrog, womit Du mich heute, kurz vor Jomtof, überrascht hast," begann der Student. „Der Vater hatte zwar schon meine Arba Minim besorgt, aber so schön wie die Deinen sind sie nicht. Du hast uns aber noch gar nicht Deinen Esrog gezeigt, dürfen wir ihn nicht einmal sehen?" Der gute, kluge Junge wußte ganz genau, daß er dem Großvater keinen größeren Gefallen thun konnte, als diese Bitte an ihn zu richten. Ein schöner Esrog, das war der Punkt, worin der Großvater sterblich tvar. Herr Ignaz von Kirschsteiner hielt den Sabbat in Ehren und die Festtage. Aber unter allen Festen feierte er keines mit solcher ausgesuchten Sorgfalt, als gerade das Sukkosfest. So große Aufmerksamkeit er auch aus seine Sukko verlegte, die Vorkehrungen, die er alljährlich traf, um einen schönen Esrog zu bekommen, die mußte man selber beobachtet haben, um sie nur glaublich zu finden. Die Esroghändler weit und breit wußten davon zu erzählen. Wenn ein Esrog tadellos war und alle die Schönheiten aufzuweisen hatte, die der Kenner an einem Esrog zu schätzen weiß, so war ihm kein Preis zu hoch. Er hatte niemals um den Preis gefeilscht, der ihm für einen