Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-10-04 · Heft 80-81 (4.10.1900) · page 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 80-81 (4.10.1900)
Date
1900-10-04
Page
– (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449124--51705-2502251
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1665 üarung Gottes, die der Körper des Menschen verkündet, zur greisenhaften Ruine verunstaltet hatte. Wie hätte er dann auch Gott für die Thora der Wahrheit danken können, die er doch auf Schritt und Tritt mit Füßen getreten hatte! Mit dieser Thora hatte Gott ewiges Leben in unsere Reihen gepflanzt, und er steht da mit dem Keim des Todes im Herzen, weil er ihr keck den Rücken gewandt hat. x«n nTn» 2 nrw nstw x „Mein Gott, die Seele, die Du mir gegeben hast, ist rein!" O, sie ist nicht mehr rein, Vater, Gütiger, gib mir meine Reinheit wieder! Aber Gott gibt diese Reinheit nur demjenigen, der sie sich im Kampf gegen Leidenschaft u. Sünde verdient. Ich aber kann diesen Kampf nicht mehr kämpfen, ich bin siech, bin schwach, bin ein gebrochener Greis! So hatte er den ganzen Tag vor Gott gerungen, als wir ihn in sich versunken an jene Säule gelehnt, in der Reilastunde trafen, Alle haben sie bereits Einlaß gefunden in die Gnadenpforte Gottes, und sie besiegeln diese wiedererlangte Versöhnung mit Gott durch den Vorsatz, daß sie in der neuen Zeitspanne, die ihnen Gottes Gnade gewährt, sie nichts mehr weglocken, nichts mehr wegdrvhen solle von der treuen Nachfolge Gottes, von jetzt ab ist und bleibt Gott die einzige Macht, der sie sich fügen. Siebenmal ruft's die Gemeinde zu den Sternen empor, die eben an ihrer Himmelswacht den Ausgang des Tages und den Anbruch des neu gewählten Lebens verkünden. Ter dröhnende Hall dieses ersten Rufes ruft den traumverlorenen, in sich versunkenen Unglücklichen in die Wirklichkeit zurück. Er ruft laut und mit der ganzen Kraft seiner Seele: „Vater, Gütiger, gib mir meine Jugend wieder, gib mir meine reine Seele und meinen ungebrochenen Körper wieder! Vater, wenn Du mir dieses Wunder gewährst, gelobe ich Dir in dieser Neila- Stunde, daß mich keine Macht der Erde Dir und Deinem heiligen Willen je wieder entfremden soll, dann will ich ein neues Leben beginnen, an dem Du und alle braven Menschen ihre Freude haben werden! Vater, Vater, gib mir meine Jugend wieder!" Und der Vater über den Sternen hat den Wunsch erfüllt. Es war ein achtzehnjähriger Jüngling, den die Uebermüdung des Tages in den Schlaf gesenkt hatte und ihm im Traume das Bild vorführte, welches sein inneres Seelenleben so tief bewegte, daß sein ergriffenes Innere noch die geisterhaften Fäden nach dem Erwachen weiter wob. Und der Jüngling hat seinen Vorsatz nicht nur in der Neila-Stunde noch durch sein 'Kn kih 'n sondern auch durch die That seines ganzen Lebens besiegelt. Gottes Gnade hat ihm, einem bekannten süddeutschen Philantropen, auch als Graukopf noch einen Hauch der Jugend bewahrt, und alljährlich, wenn sich in der Scheidestunde des Jom Kippur sein 'Kn kh ti, aus bewegtem Herzen über die betenden Lippen ringt, geht ihm eine Ahnung durch die Seele von dem Antheil, den dieses wunderbare Erlebniß daran hat, daß ihm trotz schwerer Mühen und Kämpfe, doch seine Lauterkeit und seine Jugend ungetrübt durch Gottes Gnade verblieben sind. Aber das Gedächtniß an diese wunderbare Begebenheit beschränkt sich nicht auf die Neila-Stunde, sondern begleitet ihn mitten durch's wogende Leben. Wo die Sünde und Leidenschaft sich an ihn herandrängen wollen, gedenkt er seiner verloren geglaubten Reinheit und Jugend und der wunderbaren Weise, durch welche Gott ihm ihren hohen Werth in einem Alter nahelegte, in welchem die meisten Menschen die Bedeutsamkeit dieser hohen, unersetzlichen Güter so vielfach verkennen. Dieses Bewußtsein wandelt ihm das ganze Leben zu einem großen Jom Kippur um, und läßt ihn nie die große letzte Neila vergessen, welche diese Göttlichkeit abschließt und die Pforte zur Ewigkeit öffnet. Aber um dieses Bewußtsein in jeder gotttreuen Brust zu wecken, bedarf es nicht erst eines Traumgesichts. Jeder Jüngling und jede Jungfrau erhalten neu mit jedem Morgen ihre frische Jugend wieder aus Gottes Hand. Glücklich die Jugend, die mit ihrer Vollkraft die Mäßigung und Reife des Alters verbindet und in dieser Vollkraft zu Gott und seinem Gesetz zurückkehrt, sobald sie dieselben verlassen hat. Diese Gesinnung des Alters in der Jugend sichert dem höchsten Alter den Reiz der Jugend, das auch dann, wenn die Schatten sich dehnen, noch dem letzten Tag entgegenlächelt, und der großen Neila des Lebens, wie derjenigen des Jom Kippur, mit dem Bewußtsein entgegen geht: “piw v'r-L'Ti /.jb« cvn Mag der Tag sich neigen, Mag die Sonne weichen, Wir werdend erreichen! Lebensversicherungs-Gesellschaft zu Leipzig, aus Gegenseitigkeit errichtet 1830 (alte Leipziger). Während der ersten Hälfte des Jahres 1900 sind 3491 Anträge über M. 2ö,279,100 Versicherungssumme eingegangen und 2980 Versicherungen über M. 21,397,300 abgeschlossen worden. Es bat sich damit der Versicherungsbestand auf 583 Millionen Mark gehoben, während das Vermögen auf 190 Millionen Mark angewachsen ist. Bei der alten Leipziger Gesellschaft, die eine reine Gegenseitigkeitsanstalt ist, fließen alle Ueberschüsse in Gestalt von Dividenden den Versicherten wieder zu, die auf diese Weise bis jetzt 65 Millionen Mark erhalten haben. Im laufenden Jahre beträgt die Dividende für die länger als fünf Jahre bestehenden Versicherungen beim Dividendenplan A, wie seit mehr als einem Jahrzehnt, 42°/0 der ordentlichen Jahresbeiträge, bei abgekürzten Versicherungen außerdem noch 1,5"/o der Summe der gezahlten Zusatzprämien; beim Dividendenplan 6 gelten steigende, nach der Dauer der Versicherung abgestufte Dividendensätze, die die Leipziger Gesellschaft in der von Anfang an in Aussicht gestellten Höhe fortgewährt, während viele andere Gesellschaften sich gezwungen gesehen haben, ihre steigende Dividende herabzusetzen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.