Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 80-81 (4.10.1900)
- Date
- 1900-10-04
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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1657 verdanken mir, daß dieser Name der Vergangenheit entrissen wurde. Vielleicht ist nach den Zeichnungen desselben Künstlers die Heilige Lade in derselben Synagoge gearbeitet. Wir sehen hier dieselbe Ruhe und Schlichtheit der Formen, dieselbe Eleganz, Leichtigkeit und Feinheit der Ausführung. Man merkt, daß die Liebe zum Heiligthum und die innigste Pietät die Hand des Künstlers führten, ebenso wie es die Liebe und die Pietät sind, welche den Verfasier des vorliegenden Buches bei seiner Arbeit leiten. Einen anderen Styl repräsentirt die Synagoge zu Lutomiersk, von der Herr Versöhn eine schöne photographische Ansicht, mehrere Ansichten von Plänen und von inneren Decorationen bietet. Es ist ein länglicher Bau in schönen, heiteren Formen, mit einer entzückenden Fassade an der Schmalseite, die einen Säulengang von fünf greichischen Kolumnen bildet. Ein schwarz und weiß rekrutirter Fries läuft oben am Architrav. Das Ganze bietet einen außerordentlich gefälligen und anziehenden Anblick und zeigt von großem Geschmack und Geschick des Baumeisters Auch hier ist es den Untersuchungen des Herrn Versöhn gelungen, den Namen des Künstlers aus der Dunkelheit hervorzuheben. Er hieß Hillel Benjamin, und war gebürtig aus dem kleinen Städtchen Losko bei Lodz. Er scheint seine Kunst in Deutschland erlernt und sich im Lande eines guten Rufes als Baumeister erfreut zu haben, da in manchen Dokumenten neben seinem Namen der Titel „Architekt" sich findet. Man darf annehmen, daß er mehrere Synagogen im Lande erbaut und restaurirt hat. Er wurde von einem tragischen Geschick ereilt. Nach Vollendung des Gotteshauses in Lutomiersk wurde er von der jüdischen Gemeinde in Jloczow beauftragt, eine große Holzsynagoge aufzusühren. Der Vau war schon beinahe vollendet, und Hillel Benjamin bestieg das Gerüst, um die Zimmerung zu untersuchen, da stürzte er zur Erde und war auf der Stelle todt. Er wurde in Jloczow beerdigt. Mit bewunderungswürdigem Geschick hat der Verfasser es verstanden, die Fülle des historischen Materials und den sonstigen archäologischen und kunstgeschichtlichen Apparat so zu behandeln, daß das Werk im besten Sinne des Wortes populär genannt zu werden verdient. Das Interesse der Leser für unsere heiligen Alterthümer wird im ersten Momente gepackt und in gleicher Lebhaftigkeit bis an's Ende festgehalten. Es ist dies ein würdiger und höchst beachtenswerther Beitrag zur Geschichte der Juden in Polen, die leider noch sehr im Argen liegt. Der vierundsechzigjährige Verfasser, der rüstig und frisch schafft und weder durch Mühe noch durch Geldopfer sich von der Verfolgung seines edlen Zieles abhalten läßt, verdient unsere Dankbarkeit und Bewunderung, und man kann nur wünschen, daß sein Beispiel in anderen Ländern Nachahmung findet. S. Zeitungsnachrichten und Coreefpsndenzerr. Deutschland. Berlin, 1. Okt. Die „Franks. Ztg." berichtet: Ein allgemeiner deutscher Judentag als dauernde, regelmäßig einzuberufende Institution zur Abwehr des Antisemitismus wird, so berichtet eine Correspondenz, in jüdischen Kreisen vorgeschlagen. Der Judentag soll „sorgfältig vorbereitet und von den hervorragendsten Vertretern der Judenschaft aus allen Theilen Deutschlands beschickt" werden. Angeblich soll ein Appell an die deutschen Regierungen und die Bevölkerung erlassen werden zur Wahrung der gesetzlich gewährleisteten Rechte der Juden. Ferner will man in Form eines allgemeinen deutschen Judentages eine Organisation zur Vertheidigung der staatsrechtlichen Stellung der Juden schassen, und auf die öffentliche Meinung wie auf die leitenden Kreise in Staat und Reich zu Gunsten der Juden einwirken. Mit den einzelnen politischen Parteien sollen Verhandlungen angeknüpft werden, um die Entsendung von solchen jüdischen Abgeordneten in die Vertretungskörper zu ermöglichen, die das Interesse und die nöthigen Kenntnisse besitzen, die Sache jüdischer Gleichberechtigung nach Kräften zu fördern. tWir halten eine solche Institution für zwecklos, wenn nicht lächerlich. In stiller Arbeit an sich selbst soll Israel seiner weltgeschichtlichen Aufgabe entgegenreifen, aber nicht durch einen intensiven Kampf nach außen seine Kräfte zersplittern. „Wehe denen, die auf mächtige Reisige bauen, aber auf den Herrn nicht schauen und auf Israels Heiligen nicht blicken." (Jesaias 31,1.) Red. d. „Israelit.") Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Prag, 1. Okt. Wie dem „W. Tgbl." aus Pisek berichtet wird, ist die neu eingeleitete Untersuchung gegen den dort in Hast befindlichen Leopold H ü l s n e r nunmehr beendet und es wurden gegen ihn zwei neuerliche Anklagen erhoben. Diese lauten aus Mord an Marie Klima, welche ein Jahr vor der That an Agnes Hruza bei Polna ermordet aufgefunden worden, sowie auf Verleumdung des Josua Erbmann und des Salomon Wassermann. Bekanntlich hatte Hülsner bald nach seiner Verurtheilung, erschreckt durch die Vorspiegelung mehrerer Zellengenossen, es werde schon der Galgen für ihn aufgerichtet, ein Geständniß über seine angebliche Theilnahme an der Ermordung der Hruza abgelegt, indem er zugleich Erbmann und Wassermann als die Mörder bezeichnete. Es ergab sich jedoch die Unschuld der Beiden, und Hülsner nahm seine Angaben vollinhaltlich zurück. Die neu erhobenen Anklagen werden im Verein mit dem Falle Hruza, welcher von dem Obersten Gerichtshöfe unter Aufhebung des Kuttenberger Schulderkenntnisses vor das Schwurgericht in Pisek gewiesen wurde, zur Verhandlung gelangen.