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Der Israelit · 1900-10-04 · Heft 80-81 (4.10.1900) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 80-81 (4.10.1900)
Date
1900-10-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1650 düng zu erreichen, wird auch für Erwerbung profanen Wissens und von Kenntnissen der jüdischen Sittenlehre Sorge getragen, so daß die Jeschiwa nach jeder Richtung hin bemüht ist, ihre Jünger zu würdigen c*;n 'rr i*n mei auszubilden. Da die Stipendien wie die sonstigen Kosten der Hochschule durch freiwillige Beiträge aufgebracht werden müssen, so hat die Jeschiwaleitung den hervorrageno würdigen Herrn I. B e r m a n nach Deutschland gesandt. um die r-x 'ru für die Förderung der heiligen Anstalt durch Beiträge zu gewinnen. .mo'jw d’bib C’tq '71 cs-a net i:t bb:z', P a l ä st i n a. Jerusalem. Die erste Beilage zu Nr. 70 des „Israelit" brachte einen statistischen Ausweis über die Bertheilung der Blinden, Taubstummen und Geisteskranken im preußischen Staate auf die verschiedenen Konfessionen. Es wurde dabei constatiert, daß die Juden einen ungewöhnlich hohen Prozentsatz zu diesen Gebrechlichen stellen, im Vergleich zu den christlichen Konfessionen. Es wird dabei fiir die große Zahl von Geisteskranken die bei den Juden mehr vorwiegende geistige Beschäftigung und Anstrengung des Geistes als Erklärung versucht, während für die häufigere Blindheit und Taubstummheit aus die vielen jüdischen Verwandtenehen hingewiesen wird?) Diese Vermuthung stimmt jedoch nicht mit der Ansicht unserer Weisen i\ A. überein, welche die Verwandten-Ehen als Mizwa und verdienstliche Handlung bezeichnen mit Hinweis auf die Worte: „Deinem Fleische (d. h. Verwandten^ entziehe Dich nicht." (Jesaia Eap. 58.) Es ist doch nicht denkbar, daß die Thora eine eheliche Verbindung empfehle, die solche unglückliche Folgen nach sich ziehe.'-) Die Hpvothese ist aber auch an und für sich schon deshalb unhaltbar, weil ein Verbot der Ehe unter Verwandten in zweiter Abstufung und abwärts bei den Protestanten so wenig existirt, als bei den Juden. Daß aber die Katholiken allein, bei welchen ein derartiges Verbot besteht, für dieses ungewöhnliche Resultat der 1) Anmerkung der R e d a c t i o n. Der Einfluß der Verwandtenehe wurde in jener Roiiz nur zur Erklärung der Taubstummheit und vieler derartiger Erkrankungen als möglich bezeichnet, die Blindheit war jedoch da bet nicht xenannt. 2) Der gelehrte Einsender cilirt dazu: wu? ,2"D man* V‘D 'a lD’D -nyn qs jrm An ollen diesen Stellen werden aber nicht die Verwandtenehen im allgemeinen, sondern nur die Ehe mit der Schwesteriochter und nach einigen noch mit der Brudertochter empfohlen. Es könnte deßhalb der etwaige schädliche Einfluß der Verwandenehen sich immerhin noch auf andere Verwandtschaftsgraden beziehen. 1"' TD^n 3"O HN’3 niD'N niD?n D,,3D3 und P]DD nwo zur Stelle, welche unser Korrespondent ebenfalls cittrt, zählt allerdings noch einige andere Verwandtschaftsgrade als erlaubt auf. aber als verdienstliche Handlung wurde ebenfalls nur die zwei erwähnten Verwandtschaftseheu bezeichnet. ru&Q erwähnt zwar einen Ausspruch deS Statistik maßgebend sein sollen, ist doch nicht wohl anzunehmen?) Zur Sache selbst dürfte sich aber die häufige Blindheit und Taubstummheit durch den großen Prozenisatz der Geisteskranken erklären. Die einen wie die anderen sind Folgen der abnormen, schmerzlichen, seelischen Erregungen, unter welchen die zeitgenössischen Juden leiden und unter welchen schon ihre Vorfahren litten. Daß Eltern, die unter dem Einfluß solcher seelischen Leiden stehen, mit Blindheit, Taubheit, Stummheit belastete Kinder zeugen, ist eine in der medizinischen Wissenschaft allgemein bekannte und anerkannte That fache. Aber von diesem allgemeinen Moment abgesehen, dürfte sich zur Erklärung dieser Erscheinung noch ein individuelles, in der Eigenart des israelitischen Volkes begründetes, geltend machen. Es ist bekannt, daß bei Kindern vor und kurz nach dem ersten Wachsthum der Zähne Gehirnentzündung eintritt. Diese Krankheit macht sich ebenso bemerkbar, bevor die Kinder auf den Füßen stehen und laufen können. Die Kinder fallen dann oft und leicht auf den harten Boden und schlagen sich die Köpfe auf. Die Krankheit endet meist mii dem Tode. Die davon Verschonten werden Kreiins oder verfallen der Taubheit. Da die letztere aber zu einer Zeit beginnt, in welcher das Kind noch nicht sprechen kann, tritt dann auch die Stummheit hinzu. Die Statistik hat nun festgesielli, daß die Kindersterblichkeit bei den Juden wesentlich geringer ist, als bei den anderen Konfessionen, weil die ersteren ihren kranken Kindern eine ganz besondere angelegentliche Pflege und Fürsorge entgegen bringen, um sie dem Tode zu entreißen. In demselben Maße in dem nun die Kindersterblichkeit geringer ist bei den Israeliten, muß die Anzahl derjenigen steigen, welche die Blindheit und Taubstummheit als Folge der Gehirnentzündung mit durch's Leben nehmen. Jechiel Michel P i n e s. Midrasch, der jede vollzogene Verwandtenehe als eine Verwirklichung des Schriftworte r bezeichnet. "isspi ’oayo ’-ttGGD. Aber eine directe Empfehlung eine solche Ehe einzugehen, liegt auch in diesem Hinweis nicht. Die Empfehlung einer solchen tzhe durch unsere Weilen oder gar durch die Thora, wie der geehrte Einsender sich ausdrückt, dürfte damit fauin ausgesprochen fein. Red. 3) Der Umstand, daß die Ehe unter verschiedenen Verwandtschaftsgraden den Protestanten religionsqesetzlich gestattet ist, könnte nur dann ins Gewicht fallen, wenn die Protestanten auch von dieser Gestattung wirklich Gebrauch machen. Das ist aber nicht der Fall und die Zahl der Verwandtenehen ist in der That bei den Juden eine noch höhere. Red. > Vermischtes. * London, Ende Sept. Lord Roberts depeschirte dem Ehief Rabbi Dr. Adler, daß sein Ansuchen, die jüdischen Soldaten im Felde während der hohen Festtage vom Dienste zu dispenfiren, mit Vergnügen genehmigt wird.

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