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Der Israelit · 1900-10-01 · Heft 79 (1.10.1900) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 79 (1.10.1900)
Date
1900-10-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1634 Im Allgemeinen ist ein großer Procentsatz von jüdischen Soldaten nach China gegangen. Aus Odessa allein gegen tausend; in beträchtlicher Zahl auch aus Wilna, Petersburg, Dwinsk und anderen Städten. Rumänien. Bukarest. Die Verhältnisse der Juden in Rumänien haben sich, wie der „Corr. Hung." schreibt, seit dem Regierungsantritte des Ministerpräsidenten Carp, eines europäisch gebildeten Staatsmannes, dessen Bestrebungen sichtlich darauf gerichtet sind, Ordnung zu schaffen, insofern gebessert, als die Auswanderungsbewegung zum Stillstände gekommen ist, und die Juden eine zuwartende Stellung einnehmen. In den intelligenten Kreisen der Bevölkerung macht sich übrigens auch eine starke Reaktion gegen Tendenzen fühlbar, die zumeist von aus Siebenbürgen eingewanderten Rumänen ausgehen, sowie von einigen verkommenen Subjekten. die seit dem Niedergange der nationalistischen Bewegung sich auf dieses Feld der Agitation geworfen haben, um durch dieselbe ihre traurige Existenz zu fristen. Zu der eingetretenen Reaktion trug auch die Wahrnehmung bei, daß durch die massenhaften Auswanderungen der Juden Handel und Industrie schwer geschädigt wurden, so daß z. B. in Jassy die Geschäftsläden reihenweise gesperrt worden sind. Da sich nicht nur der Kleinhandel, sondern auch die Industrie nahezu vollständig in den Händen der Juden befinden, find Hunderte von Arbeitern brodlos geworden und Zustände eines unglaublichen Aerfalls eingetreten. Das beginnen jetzt die besseren Kreise der Bevölkerung einzusehen, und die Umkehr dürfte bald eine vollständige werden. Inzwischen hat das Ministerium eine neue Fremdenordnung erlassen, die gegen Anarchisten und Nihilisten gerichtet ist, leicht aber gegen die Juden sich kehren kann, wie dies schon einmal in Rumänien der Fall gewesen ist. Es sind in dieser Verordnung zwar Stellen enthalten, welche klar andeuten, daß Herr Carp verhüten wollte, daß dieses Gesetz zur Chikanirung der einheimischen Juden mißbraucht werde. Aber dies gilt nur für das gegenwätige Ministerium. Wenn wieder einmal das Portefeuille des Innern in den Händen eines Antisemiten liegt, was ja auch in Rumänien Vorkommen kann, dann sind die Juden einfach geliefert. Abgesehen davon aber, so bemerkt ein Wiener Blatt, bietet die neue Fremdenordnung auch sonst Gelegenheit genug, um den Juden das Leben noch schwerer zu machen. Wie leicht kann der Amtsvorsteher eines Dorfes zum Beispiel den geschäftlich sich dort aufhaltenden Juden auffordern, die Wohnungserlaubniß vorzuweisen und alles Sichberufen auf die rumänische Unterthanenschaft, die man ja nicht leicht und nicht immer beweisen kann, zurückzuweisen, dagegen die ihm gestattete Einsperrung vorzunehmen? Es steht fest, daß Herr Carp nicht die Absicht hatte, durch diese Verordnung die Juden zu treffen. Dies beweisen auch die Paragraphen, welche, wie oben angedeutet, speziell gemünzt sind, Mißbräuchen gegen Juden vorzubeugen. Aber wie gesagt, heute ist er aui Ruder, morgen kann Herr Jstrati, Pherikides oder ein sonstiger Antisemit regieren; was dann? Es erscheint deßhalb nothwendig, Herrn Carp auf diese Eventualität aufmerksam zu machen. Literarisches. Aus der Synagoge. Nach der Natur gezeichnet von W. T h i e l e m a n n. Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. A. S u l z b a ch. Frankfurt a. M. Heinrich Keller. Ter große Erfolg, den die Bcrlagsanstalt von Keller mit den Bildern aus dein altjüdischen Familienleben von Pros. Oppenheiin erzielte, hat ihr zweifellos den Math gegeben, init einer neuen Serie jüdischer Bilder hervorzutreten und wir glauben, daß sie auch mit diesem Werk einen guten Griff gethan. So wahr und sprechend, wie diese Bilder aus der Synagoge sind, haben wir noch selten welche gesehen: Kiddusch, Ausheben. Beginn des „Lainen," die Thoravorlesung selbst, Habdahlah, Predigt, Kaddisch, Jom Kippur, Sukoth und Chanuka sind hier init einer Naturtreue wiedergegeben, daß sie das Herz eines jedem noch jüdisch denkenden Glaubensgenossen auf's Innigste erfreuen müssen. Die darin handelnden Figuren sind edel und wahr gezeichnet. Jeder wird in denselben Aehnlichkeiten mit seinen Bekannten entdecken, echte Gestalten der Gegenwart. Wir sind überzeugt, daß auch dieses Werk, womit uns Thielemann in Verbindung mit der rührigen Verlagsanstalt beschenkt hat, seinen Triumphzug über die ganze Welt machen wird. Die Kunstblätter eignen sich sotvohl zu Hochzeitswie Barmizwah gescheuten, sind in ihrer eleganten Mappe eine Zierde für jeden Salon oder jedes einzelne Blatt eingerahmt, ein ganz reizender Schmuck für die Laubhütte. Das Geleitwort von Prof. Sulzbach beschreibt die einzelnen Vorgänge in der Synagoge in bekannter Meisterschaft. Briefkasten der Redaktion. M. Th. in W.: 28. Dezember 1867 gleich 13. Debet 5618. Tie Eidra ist TH.!)i. in (*. : 1) 21. Juni 1832 gleich 23. Siwan 5592. Ist das belressende Ereigniß erst nach Eintritt der Nacht gewesen, so ist daS jüdische Datum 24. Siwan. 2) Mit Ausnahme von kivD darf Sacharin genossen werden. 3) Sie müssen das betreffende Geflügel uns genauer beschreiben. U. 11. in R.: 13. Februar 1888 gleich 5. Adar 5648. Die Sidra ist mm Unserer heutigen Nummer liegt ein Prospekt der „Großherzoglich Hessischen Landes - Lotterie" von Alfred van Perlstein und (5o., Mainz, bei, worauf wir unsere Leser besonders auf merksam mache».

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