Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 79 (1.10.1900)
- Date
- 1900-10-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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ü WWWMWW WWW 41. Jahrgang. Aeikage zu M 79 des „Israelit". _—J ' — -■ .\L 1 ■» 11 '■' ■ ■ III . - I ■■■ ->M. ■■■■■ » ■ — ■ — ■■> I — Zeitungsnachrichten und Correfporrdenzen. Deutschland. Ä-remel. (I u d e n a u S w ei s u n g e n.) Wie ,nan erfährt, sind wieder Judenausweisungen im Gange. Nachdem erst unlängst ein jüdischer Ausländer, Vater von uninündischen Kindern, eine längere Haftstrafe bat verbüßen müssen, sind nun wieder einige Familien von dieser Maßregel betroffen worden, die nachdrücklich betrieben wird. Das Schicksal der Betroffenen ist gewiß traurig zu nennen, da diese Leute sich seit Jahren hier eingelebt und eingebürgert haben und nun gezwungen sind, eine neue Existenz resp. Heimath zu gründen. Wir können uns darum der Ueberzeugung nicht verschließen, daß auch hierin eine „Reform" geboten erscheinen dürfte. — (Eine Entführung.) Dieser Tage entfernten sich einige christliche Knaben von ihrem elterlichen Hause (Jriedrichsmarlt) und wanderten ohne Wissen ihrer Eltern heimlich aus der Stadt. Die Eltern suchten ihre Kinder, doch vergebens. Schließlich verfielen die besorgten Mütter auf den sonderbaren Gedanken, das; ivohl Ein anderer als der jüdische Fuhrhalter K., der häufig nach Polungen fährt, diese ihre Lieblinge entführt haben müsse, weßhalb die zärtlichen Mütter in das Haus des K. eilten und ihn um Herausgabe ihrer Kinder ersuchten. Man tann sich die Beftiirzung des unschuldigen Mannes leicht denken. Wie groß aber war die Verwunderung der Mütter, als ihre Kinder am späten Abend desselben Tages hei.ntamen, tvohlbehalten, nüe sie ausgezogen waren. Wie es sich herausstellte, waren sie ciuf eigene Jaust bis nach „Grünthal" gewandert, und soll wohl nur der Hunger sie zur Umkehr erinahnt haben. Bingen a. Kitz., 27. Sept. Ein schwerer Verlust hat die hiesige Religionsgesellschaft betroffen. Am Sabbat Rizowim wurde uns durch den Tod Herr M. A. I o s e p h im 72. Lebensjahre entrissen. Der Verstorbene war Mitbegründer der hiesigen Religionsgesellschaft und hat seit ihrem Bestehen 25 Jahre hindurch als Vorsteher an ihrer Spitze gestanden. Er hat während dieser langen Zeit sich mit Aufopferung und Thatlraft bis in die letzten Stunden seiner langen Leidenszeit den Interessen der Gemeinde gewidmet, so daß man von ihm mit Recht sagen kann, daß er ein psv ~:'CS2 res war. Er war ein Mann von seltener Herzensgüte und echt religiöser Gesinnung, ja noch aus dem Krankenlager unterließ er es nicht — wie ich selbst zu beobachten Gelegneheit hatte — die rituellen Vorschriften streng zu beobachten. Dabei war er der zärtlichste Gatte, der liebevollste Vater. Die zahlreiche Betheiligung an dem imposanten Lcichenbegängniß, das am Sonntag stattfand, zeigte die große Beliebtheit und Achtung, deren sich der Verstorbene bei Juden und Nichtjuden erfreute. Am Grabe hielt Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. B o n d i - Mainz eine ergreifende Rede, in der er das uneigennützige langjährige Wirken des Verstorbenen im Dienste der heiligen Sache pries und ihn als Muster und leuchtendes Vorbild für die Jugend aufstellte. Auch Herr Dr. S ch i r l i n g , hier, widmete als Vertreter des Vorstandes und der Gemeinde seinem entschlafenen Kollegen einen tief empfundenen Nachruf. Der mit Recht ob eines so herben Verlustes tief trauernden Familie rufen wir aber zu: p’3t 'Wx ’ixtr "pna D3ns onr cp:n M. K o w a l s k i, Cantor. Bruchsal. Rach dem zwölften Bericht des „Landesvereins zur Erziehung israelit. Waisen im Grotzherzogthum Baden" befanden sich zu Beginn des vorigen Jahres in der Fürsorge 96 Waisen, von welchen 19 im Laufe des Jahres entlassen wurden. Von den aus der Schule entlassenen, aber noch in Fürsorge befindlichen Waisen erhalten 10 Mädchen Beiträge für ihre Ausbildung in weiblichen Handarbeiten, ein Knabe erlernt die Bäckerei, einer wird Cigarrenarbeiter, einer erlernt mit Unterstützung des „Vereins zur Förderung des Handwerls unter den Israeliten" in Freiburg das Sattlerhaudwerk, ein anderer wird mit derjenigen des Vereins in Karlsruhe Eleltrotechniter. Reu ausgenommen wurden 16 Waisen. Es sind somit insgesammt 94 (61 Knaben, 43 Mädchen), die sich zur Zeit in Pflege befinden. Von den noch schulpflichtigen Waisen sind 61 in Pflege in dafür geeigneten Familien untergebracht, die übrigen befinden sich gegen Zahlung von Erziehungsbeiträgen bei Verwandten. Die Einnahmen betrugen ca. 33,000 Mt., incl. des Kastenbestandes am 1. Januar 1899 von 11,000 Mt., Ausgaben ca. 22,000 Ml., das Vermögen 100,000 Mark. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Pest. Das Organ der klerikalen Volkspartei in Ungarn ist wegen eines Artikels gegen die Juden konfiszirt und verklagt worden. Es verlohnt sich, den Grund dieser Maßnahmen kennen zu lernen. In Nummer 202 schrieb dieses brave Blatt — Alkotmany betitelt — u. A. Folgendes: „Anderswo würde man bis zu den Knöcheln in dampfendem Judenblut waten und längs der Landstraßen würden Juden auf den Bäumen modern, wenn anderwärts so schreckliche Schurkereien geschähen; es könnte in einem solchen Lande nicht einmal das An-