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Der Israelit · 1900-09-27 · Heft 78 (27.9.1900) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 78 (27.9.1900)
Date
1900-09-27
Page
– (sequence 17)
Language
German
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41. Jahrgang. Iiveite Aeilage zu Jß 78 des „Israelit". Leitender Artikel. Keifebriese aus der Schweiz. IV. Arth, am 16. Ab. Nur weil ich es in meinem jüngsten Briefe versprochen habe, lasse ich hier noch einen folgen. In Wirklichleit Prickelt mir's so heftig in den Fingern vor Verlangen, wieder nach Hause zu kommen, daß ich meine Feder am liebsten in den Zuger-See werfen möchte, an dessen Gestade ich mit diesen Zeilen die Zeit bis zum nächsten Zuge ausfülle, der mich wieder in die Heimath bringen soll. Wenn das Reisen gar keinen anderen Zweck hätte, als zur Ueberzeugung zu gelangen, es sei nirgends schöner als zu Hause, so lohnte es sich, alljährlich eiiunal aus die Reise zu gehen. So habe ich mich vor vier Wochen nicht gefreut, aus meiner Sandwüste heraus in diesen herrlichen Gottesgarten zu kommen, als ich mich jetzt freue, wo es wieder heiinwärts geht. So schön es auch in der Schweiz ist und so herrlich auch die Eindrücke sind, die ich tvieder von ihr mit nach Hause nehme, eine solche Reihe von guten Tagen ist doch schwer erträglich, tute wir schon von Altmeister Göthe wissen und durch unsere Erfahrung bestätigt erhalten. Ich habe nach dein vierwöchentlichen Flaniren und Crareln eine solche Sehnsucht nach der Arbeit, die zu Hause meiner wartet, daß mir eine Ahnung von der Wahrheit aufgehi, die in den Worten liegt: nrrr;tr nr daß eine Stunde^.-: cbyn "n bzz mn cSiyn csir ct'yci der Rückkehr und guter Thätigkeit in dieser Zeitlichkeit schöner ist, als das ganze Leben der kommenden Welt, "bv bnb eis, der Mensch ist füglich doch nicht zum Nichtsthuu, sondern für die Arbeit geboren, deßhalb erträgt nian leichter elf Neonate Arbeit, als einen Monat Vergnügen. Item, irs' Sn alles ist schön zu seiner Zeit, auch der tleberdruß an der Erholung. Wenn die Krauten sich zu langweilen anfangen, so ist dies das sichere Svmptom ihrer Gesundung. Aber es wäre unrecht und undankbar, wenn ich meine Sehnsucht nach Hause und nach Arbeit Langlveile nennen wollte. Diese wird den denkenden, aufmerksamen Reisenden in der Schlveiz, diesem herrlichsten Schmuckkästchen auf Gottes schöner Erde, niemals befallen. Gestern habe ich die Gotthardstraße passirt, natürlich zu Fuß; sie ist ein würdiges Finale meiner diesjährigen Wanderungen. Um die ergreifenden Eindrücke, welche diese Tour bei dem Wanderer zurückläßt, würdigen zu können, muß man einige topographische Bemerkungen vorausschicken. Der Gotthard ist nicht, wie Viele glauben, ein einzelner Berg, sondern ein ganzer Gebirgsstock, dessen Mittelpunkt der eigentliche Gotthard bildet. Die Straße über letzteren zweigt von der Furkerstraße bei Hospenthal ab und führt zur Paßhöhe, und von da nach Airolo in ca. 5—6 Stunden. Hier befindet sich der große Gotthardtunnel, über den man hinweggeht, wenn man von Hospenthal nach dem Hospiz und von da nach Airolo wandert. Diese Straße, welche vor Eröffnung der Bahn den Postverkehr zwischen der Schweiz und Italien vermittelte, ist heute ziemlich vereinsamt und bietet landschaftlich wenig besonderen Reiz. Es sagt daher auch Niemand, daß er auf, sondern daß er über den Gotthard gehe, so daß dieser Sprachgebrauch schon die Tour nicht als Selbstzweck, sondern nur als Uebergang nach Italien bezeichnet. Diese Straße ist es aber nicht, an welche man denkt, wenn von der Gotthardstraße die Rede ist. Unter dieser versteht man den Schienenweg und die mit ihm fast prallel laufende Poststraße, zwischen Flülen und Göschenen, also vom Ende des Vierwaldstättersees bis zum Eingang in den großen, 20 Minuten Fahrzeit beanspruchenden eigentlichen Gotthardtunnel. Wenn die Bahn den eigentlichen Gotthard erreichen und seinen Tunnel durcheilen will, so muß sie sich erst mit den Bergriesen absinden, die den Gebirgsstock bilden und wie Wächter mit tausenden von Fuß hohen Felswänden sich um ihren Mittelpunkt postiren, als wollten sie jeden Eindringling von ihrem Schutzbefohlenen fernhalten. Die Poststraße windet sich in großen, zahlreichen Kehren um die einzelnen Berglehnen herum und erreicht so allmählig auf großen Umwegen ihr Ziel. Die Eisenbahn kann ihr das nicht so ohne weiteres nachthun, theils wegen der technischen Schwierigkeiten, welche die steilen, himmelanstrebenden Felswände bilden, theils wegen der ungeheuren Lawinen, die hier in solchen Massen und mit so elementarer Wucht niederfallen, daß sie das ganze Bahngelände im Nu mit sich fortreißen würden. Die Bahn windet daher, wie die Poststraße von außen, sich durch sog. Kehrtunnels von innen mitten durch die ungeheuren Felsmassen, verläßt, wo es die Dertlichkeit gestattet, ihren unterirdischen Gang, um ihn wieder im Freien fortzusetzen, bis sie sich wieder in einen neuen Tunnel verliert ,und so auf spiralförmigem, zumeist unterirdischem Wege allmälig die Höhe bei Göschenen erreicht. Dazu kommen die zahlreichen Brücken und Viadukte, die in kühnen Vogen die Flüsse, Tiefen und schwindelnde Abgründe überbrücken, so daß man nicht weiß, ob man mehr die Schönheiten der Na-

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