Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 78 (27.9.1900)
- Date
- 1900-09-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1607 Mann starke Kapelle roncertierte, hielt der Vorstand der israel. Cultusgemeinde, Herr Gustav Seelenb e r g e r , eine Ansprache, in der er den Jubilar und deffen Familie herzlich begrüßte, und alsdann zunächst die Glückwünsche der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde darbrackite. In seinen weiteren Ausführungen gedachte Redner dann namentlich des ersprießlichen Wirkens und der hohen Verdienste des Jubilars als Lehrer in hiesiger Stadt, deren Würdigung in dem zahlreichen Besuche der heutigen Veranstaltung ihren Ausdruck finde, und überreichte als Zeichen des Dantes und der Werthschätzung Seitens der hiesigen israel. Gemeinde dem Jubilar einen prächtigen silbernen Tafelaufsatz, woraus Redner seine Worte in ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den Gefeierten ausklingen ließ. Sodann sprachen noch Herr Bezirks-Rabbiner Dr. S a l v e n d i aus Dürkheim, der in gehaltvoller Rede die Berdienste des Jubilars hervorhob, ferner Herr Lehrer L a u r , Herr Kaufmann Berg und darauf der Jubilar, welcher in tiefbewegten Worten seinem Danke Ausdruck gab, hierbei des 13. September 1876 gedenkend, als des Tages, an dem er Redwitz (in Obersranken), den Ort seiner früheren Wirksamkeit verließ, und die hiesige Stelle antrat; der Gefeierte besprach die seitdem dabingeflossenc Zeit, schilderte das innige Verhältnis;, welches ihn stets mit den Gliedern der hiesigen Cultusgemeinde verband, und gedachte hierbei insbesondere auch des verstorbenen Vorstandes der Gemeinde, des Herrn Simon Nahm; hieran knüpfend hob Redner zugleich lobend die Verdienste des neuen Vorstandes, Herrn Seelenberger, dahier, sowie die tolerante Gesinnung unserer Stadt hervor, die, wie der heutige Abend beweise, auch Andersgläubige zu ehren wisse, in einer Zeit, wo die Unduldsamk-eit so sehr heroortrete. Zum Schlüsse dankte der Jubilar für die ihm gewordenen Ehrungen, sowie allen Denen, die dazu beitrugen, die Feier zu einer schöuen und erhebenden zu gestalten. Reicher Beifall folgte diesen Worten. Hierauf sprach auch der Zweitälteste Sohn des Jubilars, Herr Kaufmann Eugen Freudenthal, im Namen seiner Eltern und Geschwister seinen Dank ans. An die Tafel reihte sich um 11*12 Ubr noch das Banquet, worauf später der jüngere Theil der Gesellschaft in animirtester Stimmung noch bis gegen Morgen dem heiteren Tanze huldigte. Rußland. Shitomir. In dem Großfürsten Wladimir Alexandrowitz, dem Sohne des Zaren Alexander U. und Onkel des setzt regierenden Kaisers von Rußland, haben die russischen Juden von jeher einen ehrlichen Freund und edlen Fürsprecher beseffen. Als 1882 großes Leid über sie einbrach empfing Großfürst Wladimir eine jüdische Deputation, um ihr sein inniges Mitgefühl über ihr Unglück, sowie sein tiefstes Bedauern darüber auszudrücken, unter den obwaltenden Umständen für sie nichts thun zu können. Kürzlich besuchte der Großfürst unsere Stadt, um einer Feier seines dort garnisonierenden Regiments beizuwohnen. Die jüdischen Soldaten mit dem Rabbiner an der Spitze zogen ihm unter Vorantragen von Thorarollen entgegen, die jüdische Gemeinde brachte Brot und Salz auf einem kunstvoll gearbeiteten Präsentierteller, der von einem biestgen jüdischen Goldarbeiter hergestellt worden war. Der Großfürst drückte dem Rabbiner seine Freude über den herzlichen Empfang, sowie feine Bewunderung der kunstvollen Arbeit des jüdischen Goldarbeiters aus. Großfürst Wladimir Alexandrowitsch hat seiner judenfreundlichen Gesinnung, wenn es ihm nothwendig schien, unzweideutigen Ausdruck verliehen. Dieses bewies er 1882 gelegentlich der Kaiserzusammenkunft in Danzig, wo im Gespräch beim großen Diner ein hochgestellter deutscher Diplomat laut einige judenfeindliche Bemerkungen fallen ließ. Der sehr hochstehende Herr meinte, die Juden seien eine Plage für alle Völker Europas. Die Anwesenden schwiegen aus Ueberzeugung oder weil sie es nicht wagten, dem allmächtigen Diplomaten zu widersprechen. Da überraschte Großfürst Wladimir die Anwesenden mit der Erklärung, daß er die Juden stets als nützliche, sehr fähige und gute Staatsbürger gefunden habe. Der große Diplomat erschrack sehr an so hoher Stelle angestoßen zu haben, tröstete sich aber bald damit, daß an einer noch höheren Stelle, beim Kaiser Alexander III. seine antisemitische Bemerkung gewiß beifällig ausgenommen wurde. Bulgarien. Sofia. (Das Blut märchen inMaced o n i e n.) Die jüdischen Bewohner des kleinen Städtchens Eavalla schwebten vor kurzer Zeit in großer Gefahr. Eine christliche Frau suchte auf der Straße nach ihrem Kinde, das ihr seit morgens früh verloren gegangen war, und eine Nachbarin erzählte ihr. ste habe das Kind gesehen, wie es von einer Jüdin an der Hand geführt wurde. Die Frau dachte gleich an das Blutmärchen und erhob auf offener Straße ein großes Geschrei. Sofort waren die Griechen bei der Hand, drangen gegen die Wohnung der beschuldigten Jüdin vor und machten Anstalten, deren Haus zu demoliren. Da erschien der Gouverneur Emin Pascha auf der Straße und beruhigte die Menge durch die Versicherung, daß das Kind sich heil und gesund in seinem Palais befindet. In der That hatte Emin Pascha gleich beim Beginn des Lärmes zwei seiner geschicktesten Polizisten auf die Suche nach dem Kinde ausgeschickt, das nach kaum einer halben Stunde friedlich an einem Hügel spielend gefunden und schleunigst nach dem Palais des Gouverneurs gebracht wurde. So sind die griechischen Antisemiten um einen schönen Ritualmord gekommen. C Y p e r n. Cypern. Die jetzt in Rumänien hochgehenden Wogen des Antisemitismus haben auch die Küste unseres stillen Eilands erreicht. Schon am Beginn des