Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 97 (6.12.1900)
- Date
- 1900-12-06
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Orthodoxe MuderrthurW mjJM O S E S \fi- A R O N '•>- f> 6 Dez 1900 ] lNr. 10 « H MM mm ■ äs& WM C oppelgänger. Mus ökin Dolnifchen.) „Jankel!" „Zu Befehl, gnädiger Herr!" „Morgen brauche ich fünfhundert Gulden. Hast Du verstanden?" „Jawohl, gnädiger Herr! Warum sollte ich nicht verstehen?" „Na. zum Teufel, warum stehst Du also noch hier, schäbiger Jud'? Mach', daß Du fortkommst, und ohne Geld komme mir nicht vor die Augen." Der kleine, ausgetrocknete, vergilbte und armselig gekleidete Jude machte fick unter zahllosen tiefen Bücklingen davon. „Bücke mich zu Ihren Füßen, gnädiger Herr! Ich gehe schon, ich gehe. Warum sollte ich nicht gehen?" Er schürzte seine Rockschoße hoch, setzte den Hut auf und wollte davon eilen. „Jankel!" Eine zarte, schöne Altstimme drang von der anderer! Seite des Palastes her. Mit einem Sprunge befand sich Jankel an Ort und Stelle, mit dem Hut, der ehemals aus Sammt gewesen sein mochte, in der Hand, während das Käppchen ihm am Kopfe zitterte, vor einer neuen Serie tiefer und rascher Verbeugungen „Wenn Du in die Stadt gehst, Jankel, so tritt mal bei meiner Schneiderin ein und sage ihr, daß das Kleid nicht mit Jed, sondern mit Spitzen garnirt sein solle . . . aber mit echten Spitzen. Jankel, kannst Du diese Spitzen hier ausfindig machen, oder muß ich sie aus Wien bestellen?" „Aber, Gott möge Ihnen, gnädige Frau, so Leben und Gesundheit schenken, wie ich hier feine Spitzen finden werde. Nach Wien? Wozu nach Wien? Warum nach Wien? Weßhalb nach Wien? Jankel kann hier Alles finden. Was wäre er sonst für ein Faktor." „Vergiß also nicht, Jankel. Am liebsten. Du bringst mir diese Spitzen zuerst, damit ich sie mir ansehe. Aber sofort die schönsten und besten, denn wenn die Schneiderin darüber mein Kleid nicht zur rechten Zeit sertigstellt . . . ." „So Hetze ich Dich mit den Hunden von dannen," schloß der gnädige Herr, der auf der Veranda stand und ließ zugleich einen Pfiff vernehmen. Ein schwarzer Hund mit Wolfskopf tauchte sofort wie aus einer Versenkung empor, und ohne daß fein Herr auch nur ein Zeichen gab, knurrte er und stürzte sich auf den Juden. „Aj, aj, aj, gnädiger Herr! Gewalt! Was ist das? Er wird mich in Stücke reißen! Er rvird mich tödten!" Der Jude schrie, während er rings um die Veranda herumlief. Der Hund setzte ihm nach, sprang an ihm empor, während der gnädige Herr lachte, daß ihm die Thränen über die Wangen liefen und in seinen prächtigen, echt adeligen Schnurrbart fielen. Er hätte nicht gelacht, wenn er befürchtet hätte, daß der Hund