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Der Israelit · 1900-09-20 · Heft 76-77 (20.9.1900) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 76-77 (20.9.1900)
Date
1900-09-20
Page
– (sequence 25)
Language
German
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<3*y m Mage b&. edächtmsses. Skizze von 5. A. Rabbinowicz. (Aus dem Hebräischen.) Tie Svnagoge lvar voll gedrängt. Mitten unter der wogenden Menge, seitwärts gen Westen, stand ein kleingewachsener, gebückter Mann, das Gesicht hatte er gegen die Wand gewendet und das Tallis verhüllte sein Haupt. Starr und reglos stand er da, nur zuweilen durchlief ein fieberhafter Schauer seinen Leib. Seit einer Stunde schon stand er in dieser Haltung da, die er angenommen hatte, als man den Psalm vor dem Schofarblasen angestimmt — und nun war schon die leise Schemone-essreh vorüber, der Chasan hatte seinen Gesang begonnen, er aber schien auf all die Vorgänge ringsum nicht zu achten. Zuweilen eilte jemand an ihm vorbei und stieß ihn an, das Gedränge um ihn herum wurde beklemmend, er ward sich dessen nicht bewußt. Mit dem Geiste weilte er anderswo, fern von hier. Der Segensspruch über den Schofar wurde gesprochen, ein donnerndes „Amen!" erscholl aus tausend Kehlen, dann trat eine tiefe,sch aurige Stille ein, in der die leise, tiefe Stimme des Vorlesers ertönte: „Thekia!"; dann erdröhnte der Schall der Posaune, wie eine Mahnung anzuhören, daß das götiliche Gericht nahe. Der Mann zuckte bei diesem Tone zusammen. . . .Da wurde er aufgesordert, Rechenschaft abzugeben vor dem höchsten Richter ... Da eilten die Engelschaaren bebend herbei und umkreisten den Thron Gottes, der über ihnen allen zu Gerichte saß. »Jossel! Jossel!" ruft der Engel der Gnade. „Da steht vor Dir. o Herr der Welt, der arme, unglückliche Jossel! Siehe, er ist einsam in der Welt und verlassen, er ist ein unglücklicher, getretener Wurm. Laß Deine Gnade über ihn walten, o barmherziger Vater!" Doch Satan unterbricht ihn mit zorniger Stimme: „Was? der verdient Gnade? Wer anders als er hat den Tod seiner Frau herbeigesührt? Wessen Schuld ist es sonst, daß seine Söhne auf Irrwege gerathen find?" Und Jossels Herz ist zerknirscht und zerrissen. Er muß zugeben, daß Satan im Rechte ist. . . . Inzwischen ertönt der Posaunenschall immer kräftiger. ... Da ist schon das Ende. . . . Zum Schlüsse erschallt ein langer, eindringender Ton, der Jossels Seele erschauern macht. Auch seine selige Frau Basja wird auferstehen . . . Auferstehung, wird solch ein Posaunenschall über die Welt gehen, aber er wird hundert-, tausendmal mächtiger sein als dieser. Nicht ein sterblicher Mensch wird ja in die Posaune stoßen, sondern ein Engel Gottes, vielleicht der Erzengel Michael selber .... Und der Schall wird von allen Ecken und Enden kommen, von den Höhen des Himmels und von den Untiefen der Hölle, von Norden und Süden, von Ost und West .... Alle, die unter der Erde schlummern, werden stch von ihrem Lager erheben, um ein neues Leben zu beginnen, das wonnige Licht von Gottes Herrlichkeit zu schauen. Jubel und Freude werden ringsum herrschen. Welch'

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