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Der Israelit · 1900-09-20 · Heft 76-77 (20.9.1900) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 76-77 (20.9.1900)
Date
1900-09-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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41. Jahrgang. Krste Weil, zu M 76 & 77 des „Israelit". Leitender Artikel. 3od lPoljf *"xt (Preftbuig). r a n! Furt a. M., 17. Sept. Ans Pres)bürg erhalten >oir die Trauerbotschaft von dein Hinscheiden des greisen langjährigen Präsidenten und Parnes der Preßburger israelitischen Cultusgemeinde Herrn Joel Wolf s. A. Durch den Abgang dieses hervorragendsten und verdienstvollsten Mitgliedes der Preßburger Gemeinde, der sich in allen Greisen der jüdischen Bevölkerung der größten Hochachtung und Werthschähung erfreute, der in aufopfernder Weise, als er noch sein großes Handlungshaus leitete, seine ganze verfügbare Zeit der Gemeinde opferte, hat Preßburg einen selnveren, ja unersetzlichen Verlust erlitten. Mit Herrn Joel Wals ist ein Stück Alt-Preßbnrg zu Grabe getragen worden, eine Persönlichkeit, lute sie leider immer seltener werden, ein schlichter, gerader, offener Eharalter, gegiert mit großer Bescheidenheit und Einfachheit, im Gegensatz zu Vielen, die mit Ehrenämtern betraut und die durch ihr protziges Benehmen gegen andere Gemeindemitglieder bezeigen, daß sie nicht ivürdig sind, zum Parnes der Gemeinde, der sie ihre Stellung verdanken, gewählt zu werden. Der Dahingeschiedene mar in Preßburg eine der populärsten Persönlichkeiten. Bei ihm bewährte sich das Wort unserer Weisen ~r'z :z x.-m „die Armen sollen deine Hausgenossen sein." Er war der Berather und Helfer der Armen, Wittlven und Waisen. Er lieh den armen Hausirern ivöchcntlich Geld zum Einkauf; er half kleineren Geschäftsleuten mit schönen Summen Geldes bei Zahlungsstockungen, und wie viele solche uneinbringliche dubiöse Summen Geldes werden sich in seinem Schuldenbuche vorfinden? Er unterstützte die nz*t?Ti ’nnz mit Geld und Kosttagen und gab selbst in seinem eigenen Hause einem der nz'imn ^i-z Quartier und ganze Verpflegung rr’ic: xz: fr^c’ ncc. Sein Haus war immer umlagert voll Annen und Dürftigen, denen er mit Rath und That beistand. Der Dahingeschiedene war einer der •zz’noi ’mpz xne*;z ’zz und war täglich nw-b lT; >z:p Seine Wirksamkeit in der Preßburger Gemeinde war eine große. Er loar Vorsteher von den meisten jüdischen Woblthätigkeitsvereinen und rrrzn zur Verbreitung der Thora. Eine besonders segensreiche Wirksamkeit entfaltete er als Präses des Vereins xrip mz“, c-ncr: nVcr., da bot sich seinem Herzen Gelegenheit, o'ncn sy ncn Sr; zu sein. Trotz Feiner großen Einfachheit und Schlichtheit war er auch in christlichen Kreisen hochgeachtet und geschätzt, und in seiner Eigenschaft als Stadtrepräsentant hat er mit einem einfachen Wort oft mehr genützt, als Andere mit großen Reden. Auch bei Sr. Majestät dem österreichischen Kaiser Franz Josef, bei dem er alljährlich als Führer der Martinsgänse-Deputation zur Audienz erschien, war er eine gern gesehene Persönlichkeit und man erzählte sich so manches Bonmot von den freundlichen Worten, die der Kaiser an ihn gerichtet und der manchesmal zu geraden Antwort, die der Dahingeschiedene ihm gegeben, welche der Kaiser, der ihn kannte, mit Freundlichkeit entgegennahm. Mit Joel Wolf ist einer der ru'Ox der wahrhaften, biederen und geraden Männer dahingegangen, die leider in unserer Zeit nicht zu oft zu finden find, und bei deren Abgang man mit Recht ausrufen kann bv bzn (Mr».-tre sfr ^izxx Die große Trauer, die alle jüdische Kreise der Preßburger Gemeinde durch das Hinscheiden ihres langjährigen Präsidenten erfüllte, kam am deutlichsten bei der n-Hn zum Ausdruck. Die ganze Judengaffe war gefüllt von Menschen und ein unabsehbares GeFolge, an dein sich außer dem vollzählig erschienenen Vorstande der israelitischen Cultnsgemeinde mtb den Vorständen der Wohlthätigkeitsvereinen, noch viele christliche Stadtrepräsentanien, die Schüler der israelitischen Gemeindeschule sammt ihren Lehrern, die ganze vz'2", und sämmtliche min ’js betheiligten, gab dem Dahingcschiedenen das Geleite zum 2"n n'z. Rach der mm: brachte in Abwesenheit Sr. Ehrw. des Herrn Qberrabbiners B. Schreiber, der in einem Curort weilte, Herr Rabbinatsastestor L. Friedmann und der Sohn des Oberrabbiners Akiba Schreiber, die große Trauer, die sich der Gemeinde Preßburg über den Verlust eines solchen hervorragenden Mannes bemächtigte, zum Ausdruck, indem beide Trauerredner in die ganze Versammlung tief erschütternden Worten, ergreifende Nachrufe dem Dahingeschiedenen widmeten, in denen sie ein getreues Lebensbild des Entschlafenen und dessen segensreichem Wirken entwarfen, die alle Anwesenden zu Thränen rührten. So manchem alten Preßburger mögen die Worte Grillparzer's „Fallen sehe ich Zweig auf Zweig" in Erinnerung gekommen sein, als die letzte Scholle das Grab Joel Wolf's bedeckte. Möge der Allgütige der trauernden Familie, wie den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Preßburg's seinen göttlichen Trost spenden. Das Andenken des Verblichenen wird bei Allen, die ihn im Leben gekannt, stets ein gesegnetes sein. .T23t:n H. Lö. . . . r. Als ergänzende Berichtigung über das Leichenbegängniß des obengenannten Preßburger Philanthropen,

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