Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 74 (13.9.1900)
- Date
- 1900-09-13
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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41. Jahrgang. Dritte Meilage zu M 74 des „Israelit". Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Konist, 11. September. Der erste Thcil des s ch a u e r v o I! e n Dramas hierfelbst, das seit Monaren weit über die Grenzen Deutschlands hinaus die Menschheit in fieberhafte Erregung versetzte, hat am Samstag mit der Freisprechung des seit 4,l Monaten wegen Begünstigung an dem grauenhaften Verbrechen in Untersuchungshaft gehaltenen früheren Abdeckers Wolf Jsraelski geendet. Leider aber blieben die von der antisemitischen Presse in Aussicht gestellten sensationellen Enthüllungen, die mit positiver Gewißheit darlegen sollten, in welchen Kreisen die Mörder zu suchen sind, bei der Verhandlung aus. Für den in der Mordiache Eingeweihten ist das Ausbleiben dieser Enthüllungen nicht wunderbar, denn fast alle Berichte der antisemitischen Preste über das Verbrechen beruhen aus haltlosen Kombinationen, die nur geeignet waren, das Volt gegen die Juden aufzureizen; ja noch mehr, die mit großem Geschrei von den Antisemiten erhobenen unwahren Beschuldigungen gegen Adolph Moritz Lewy, die Fantilie Meyer, die Productenhändlerin Lewy u. f. w. haben nur dazu geführt, die Spur der oder des Mörders zu verwischen; ja noch mehr, und das ist das Schlimmste, einige Personen dazu verleitet, falsche Aussagen zu machen. Wae wurde nicht Alles über die angebliche Schuld des jeyt sreigesprochenen Jsraelski in der antisemitischen Presse aefaselt, so und soviel Zeugen sollten mit Bestimmtheit betunden, daß Jsraelski nicht nur den Arm des ermordeten Winter nach dem evangelischen Kirchhof, sondern auch den Kops nach der Fundstelle desselben getragen haben sollte, und was blieb von den Zeugenaussagen Belastendes für Jsraelski übrig? Nur die eine Aussage des Botenmeisters Fiedler. Alle berichteten Angaben, Jsraelski habe ein Kassiber in das Untersuchungsgefängniß erhalten, das seine Schuld klar erweist, die angebliche Aussage der Frau Jsraelski zu dem Gerichtsdiener Friedrochowitz n. s. w., alles war — Schwindel. Eine sonderbare Rolle spielte in dem Prozeß Jsraelski der Botenmeifter Fiedler, der fortgesetzt mit großer Gewißheit behauptete, er habe gesehen, daß Jsraelski mit dem Sack auf dem Rücken nach der Fundstelle des Kopses gegangen sei. Abgesehen davon, daß Jemand, der dieses vorhatte, einen viel näheren und leichteren Weg nach dorthin über die Wiesen nehmen tonnte, wo er sicher war. von Niemand gesehen zu werden, war es für Jsraelski unmöglich, den über Berg und Thal führenden schlüpfrigen Weg in dem Zeitraum von einer Stunde, wie der Botenmeister behauptet, zurückzulegen; außerdem aber glaube ich bestimmt, daß sich der Botenmeister in der Person des Mannes, den er gesehen haben ivill, geirrt hat. Wer wie Schreiber dieses den Botenmeister kennt, glaubt ganz bestimmt, daß es ihm unmöglich ist, aus eine Entfernung von 20 bis 25 Schritt Jemand bei Hellem Sonnenschein oder aber bei mit Schnee bedeckten Wegen zu erkennen. Schreiber dieses hat sich selbst mit Fiedler bei seinem Dortsein in Könitz bekannt gemacht nnd bemerkt, daß der Mann, welcher zum Schutz seiner Augen stets eine blaue Brille trägt, aus eine Entfernung von 25 bis 30 Schritt schwer im Stande ist. Jemand genau zu rekognosziren. Und auf diese eine Anssage wird ein Mann 4' - Monate in Hast genommen, trotzdem alle anderen Zeugen bekunden, das Jsraelski nicht derjenige sei, dem sie mit einem Packet am Eharfreitag begegnet sind. O e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Marienbad, 2. Sevt. Der Schab von Persien empfing beute um 3L: Uhr Nachmittags die persischen General-Eonsuln Leon «Berlin), Willstädter (Karlsruhe) und Wunderlich (Dresden) in Audienz. Die Herren überreichten dem Schah Namens der persischen General-Eonsuln in Deutschland einen in der Silbersabrik bon L. Posen Witnue in Frankfurt a. M. und Berlin ausgeführten prachtvollen Tafelaufsatz als Huldigungsgeschenk. Der Schah war über bas kostbare Geschenk hoch erfreut und befahl, nachdem die Audienz der General-Eoninln beendigt war, die Verfertiger des Tafelaufsatzes zur Audienz, wobei er ibnen seine vollste Befriedigung anssvrach. Das .Kunstwerk ist herrlich. Ans einem von acht silbernen Löwen getragenen, mit persischen Ornamenten oerzierten Sockel, besten durchbrochene Theile mit Emaille unterlegt und mit Nevhrit verziert sind, erhebt sich ein von vier Säulendündeln aus Lapis lazuli gebildeter Bau, aus dessen Bogenöffnungen Rosenranken herauswachsen. Diese Ranken bilden vier Lauben und tragen mit elektrischen kleinen Glühlampen versehene Rosenblüthen. Unter den Lauben befinden sich vier Gruppen aus Firdusi's Dichtungen: Rusten's Abschied von Tehmire, das erste Zusammentreffen Bischen's und Menischcn's, zwei Scenen aus dem Liebesleben Sal's nnd Rudabe's. Aus dem von einem achtkandigen Dache überragten Säulenbau stehen vier Kindergruppen, von denen zwei Rosengewinde und die beiden anderen das in Email ausgeführte persische Wappen, den vor der strahlenden Sonne stehenden Löwen, halten. Aus dem Dache wachst ein minaretartiger Aufbau hervor, eine hohe Säule, die von der persischen Krone überragt und mit acht Löwenköpsen geziert ist. In dieser Säule befindet