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Der Israelit · 1900-09-13 · Heft 74 (13.9.1900) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 74 (13.9.1900)
Date
1900-09-13
Page
– (sequence 17)
Language
German
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,3 41# Jahrgang. Zweite Aeikage zu M 74 des „Israelit". Literarische Umschau. p ' ö n Eine Sammlung von Predigten zeitgenössischer Kanzelredner. Herausgegeben von Rabb. Dr. A. Ackermann, Brandenburg a. H. I. Th.: Fe st predigten. Mit Beiträgen von den Herren Rabb. Dr. Blumenthal, Eschelbacher, Feilchenfeld, Güdemann, Kroner, Leimdörser, Lewin, Placzek, Rosenberg, Rosenthal, Selig Howitz u. dem Herausgeber. — Berlin 1900. Druck und Verlag von H. I tz k o w s k i. I V und 187 S. Diese Predigtsammlung ist als eine willkommene Erscheinung auf dem Gebiete der jüdischen Litteratur freudig zu begrüßen. Sie ist in doppelter Hinsicht werthvoll: einmal enthält sie eine stattliche Anzahl guter u. gediegener Predigten für alle Hauptfeste des Jahres, sodann aber gewährt sie uns einen Einblick in die Geisteswerkstatt einer erlesenen Schaar moderner jüd. Kanzelredner. Auf die einzelnen Predigten genauer einzugehen, können wir uns füglich ersparen, da hier, wo es sich nicht um wistenschaftliche Probleme handelt, zumeist der Geschmack entscheidet und über diesen nicht zu streiten ist. Gleichwohl dürfen wir die Ueberzeugung aussprechen, daß die überwiegende Mehrzahl der Reden wegen ihrer gefälligen Form und ihres leicht faßlichen Gedankeninhalts allgemeinen Beifall finden werden, und auch die Predigten, die in schlichterem Gewände auftreten. werden in kleineren Gemeinden, die der regelmäßigen Predigten entbehren, sich als durchaus verwendbar und nützlich erweisen. Es sind my ’job»;* cb» »B»)8 ’xip Fürsten der Gemeinden, Berufene der Versammlungen, Männer von Namen, die wir in dieser Sammlung vereinigt finden, und ihr bewährter Ruf bürgt allein schon für die Vortrefflichkeit des Inhalts. Dennoch möchten wir nicht verfehlen, auf die jtb» - Predigt des Herrn Dr. Leimdörfer über „Regen und Gotteswort" (Jes. 66, 11. 12), sowie die m* und 2"'-Predigten des Herausgebers noch ganz besonders hinzuweisen; es sind herrliche Reden, die wegen ihrer edlen und kunstvollen Sprache, sowie ihres Reichthums an schönen und tiefen Gedanken als Muster jüdischer Kanzelberedsamkeit gelten können. Wir möchten daher dieses Buch nicht nur Predigern und Lehrern, sondern auch all denen auf das wärmste empfehlen, die sich durch die Lectüre einer gehaltreichen Rede belehren und erheben wollen. Dr. M. P., Berlin. Liddur Kol Jakob. Gebete Israels für den Schulgebrauch, neu geordnet und sorgfältig durchgesehen von dem Israelitischen Religionslehrer-Verein „Esrah" in Wien. Preis in Leinen geb. 1 Kr. 10 h. Wien 1900. Verlag von Jos. Schlesingers Buchhandlung. Wenn ein Gebetbuch von einem Religionslehrer- Verein durchgesehen worden ist, so darf man wohl voraussetzen, daß es allen Anforderungen, die die moderne Pädagogik zu stellen berechtigt ist, vollkommen entspricht. Das vorliegende Gebetbuch hat denn auch vor seinen österreichischen Brüdern bedeutende Vorzüge. Bei uns in Deutschland ist man gewohnt, daß ein jüdisches Gebetbuch, mag es nun gedruckt sein, wo es wolle, sich durch deutliche, leserliche, saubere Typen und correcten, fehlerfreien Satz auszeichnet. Nicht so in den östlichen Ländern. Da ist das alte Reuleaux'sche Schlagwort: „Billig und schlecht" noch in voller Blüthe, und wenn man nur ein Tehillim für fünf Kreuzer oder ein Chumesch für 30 Kopeken bekommt, dann ist es gleichgiltig, ob einige Seiten fehlen, andere bis zur Unleserlichkeit verschmiert und dritte durch fehlende Correcturen die Naros Bobel mit dem Bnej Jeruscholajim verheirathen. Das vorliegende Gebetbuch sucht nun alle die in seiner Heimath üblichen Fehler zu beseitigen. Satz, Druck und Papier sind tadellos, die Lettern sind groß, deutlich und von schönem Schnitt, und somit sei es allen Interessenten, namentlich aber den österreichischen Directoren von jüdischen Schulen auf's Wärmste empfohlen. ('. Es ist ein erfreuliches Zeichen der Zeit, daß „das Herz der Söhne sich wieder den Vätern zuwendet." Die Reform scheint es doch endlich einzusehen, daß die Liebe zum Judenthum nicht dadurch zu erhalten ist, daß man ein Stück nach dem andern weg amputirt. Wenn „Epigonentum" das allgemeine Charakteristikum unserer Zeit bildet, so steht auch die sog. Reform im Judenthum, wie es scheint, unter dem Zeichen des Epigonenthums. Die Begeisterung ist verflogen, das Phlegma ist geblieben. Man ist Reformer, weil man die Geister, die die Väter bannten, nicht mehr los wird. Man kann, was man ererbt von den Vätern hat, nicht so einfach zum Fenster hinauswerfen. Und wenn es der Rabbiner schon wollte, so will es der Vorsteher etc. nicht, und so bleibt es beim — Neuen. Die Reform ist in das Stadium der Stagnation getreten, und es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß die Reform sich dieser ihrer Decadence bewußt wird; daß die denkenden Männer diese Abnahme und Erschlaffung der Lebenskraft des von dem alten Boden losgelösten Stammes trauernd empfinden und die Wurzeln ihres Geistes wieder in den alten heiligen Boden der überlieferten Heiligthümer zu versenken streben. Wir gestehen es offen, daß wir dieses Zeichen des Umschwunges mit freudiger Genugthuung begrüßen,

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