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Der Israelit · 1900-09-13 · Heft 74 (13.9.1900) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 74 (13.9.1900)
Date
1900-09-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1537 sorgungsanstalt. Es ist die älteste jüdische Begräbnkßstätte Berlins. Der Friedhof wird vielleicht noch Jahrhunderte bestehen, denn niemals soll er nach den Satzungen der jüdischen Gemeinde aus eigennütziger Absicht zerstört werden. Begründet wurde er, wie zwei Gedenktafeln verkünden, im Jahre 1672, die letzte Beerdigung fand am 24. Juni 1827 statt. Auf diesem Friedhof ruht Moses Mendelssohn. Posen, im Sept. Bon den Betlokalen, die, wie unlängst mitgetheilt, wegen Mangels an regelmäßigen Besuchern geschloffen wurden, ist eins auf Anregung einiger früheren Mitglieder wieder eröffnet worden. Da zu diesem Zwecke auch einige wesentliche bauliche Veränderungen vocgenommen werden mußten, so war dies Veranlassung zu einer Feier der Wiedereröffnung, die am '& stattfand. Die früheren Mitglieder und noch einige neueingetretene erschienen vollzählig. Herr Rabbinats - Candidat Dr. Mannes hielt die Weiherede und wies in seinem Vortrage auf die Wichtigfeif und Bedeutung des Bethauses hin, die Mitglieder zum regelmäßigen Besuch desselben mahnend. Hoffentlich wird der mit großem Beifall aufgenommene Vortrag von nachhaltiger Einwirkung bleiben. — Aus Colberg bringt der Israelit in Nr. 65 eine Mittheilung, von der cs befremdlich ist, wie sie in dieses Blatt, das doch die wahrhafte Religiosität in vollem Umfange vertritt, lanciert werden konnte. Es wird von dort nämlich mit Befriedigung berichtet, daß am 81. Juli als Nachfeier des am 28. Juli begangenen 26. Stiftungsfestes des jüdischen Kurhospitals zum Vesten der Anstalt ein „durchaus gelungenes und eigenartiges" Concert stattgefunden habe. Das Epitheton „eigenartig" ist gut gewählt, denn so ganz gewöhnlich ist es wohl nicht in jüdischen Kreisen, daß am 'n also innerhalb der neun Trauertage ein Concert stattsindet, und wenn es, wie aus der Korrespondenz anzuuehmen ist, unter der Aegide oder unter Mitwissen des Herrn Rabbiners Dr. Goldschmidt stattgefunden hat, so wird es dadurch noch „eigenartiger". Daß es zum Besten einer jüdischen Wohlthätigkeitsanstalt geschehen ist, entschuldigt die Sache nicht; es wäre dies vcts> K2t’ ncsns denn bei uns hat der Grundsatz: „Der Zweck heiligt die Mittel", glücklicherweise noch keine Geltung; es war eben eine m-vs nsnn mstc. Auch hier f)at jetzt unter Leitung einiger Herren die Sammlung zum Besten der rumänischen Juden begonnen; hoffen wir, daß dieselben einen reichen Ertrag liefern. O e st e r r. - U n g a r. Bi o n a r ch i e. Wien. Der österreichische Abgeordn. Schneider warnte jüngst öffentlich alle Welt, seinem Sohne etwas zu borgen oder anzuvertrauen und schloß hieran die Ertlärung, daß er nicht für ihn zahlen wolle. Die Blätter druckten die Erklärung Schneiders ohne jeden Cominentar ab. Nur die Wiener „Arbeiter-Zeitung" bemerkte beiläufig, daß dieses antisemitische Erziehungsresultat wenig günstig genannt werden könne, was um so verwunderlicher sei, als Herr Schneider seinem Stammhalter sicherlich täglich einschärfte, wie schlechte Kerle diejenigen sind, die nicht täglich einen „Ritualmord" entdecken. Dieser zarte Zweifel an der Schneider'schen Erziehungsmethode hat den warnenden Vater anscheinend aus dem Häuschen gebracht. Er schreibt im Verganischen „Deutschen Volksblatt": .. Dem gegenüber constatire ich, daß meine Frau und ich uns alle erdenkliche Mühe gegeben haben, den Burschen zu einem fleißigen und sparsamen Menschen zu erziehen, daß aber leider Umgang mit Juden, jüdische Wucherer und jüdische Litteratur unsere Bemühungen durchkreuzt haben. Es ist eine alte Geschichte, daß selbst die opferwilligsten Eltern es nicht verhindern können, daß Kinder durch Verkehr mit stinkenden Juden moralisch geschädigt werden." Wir sind der Meinung, daß häusliche Erziehung im Allgemeinen stärker sein muß, als die Beeinflussung durch außerhäuslichen Verkehr. Wenn Herr Schneider also an seinem eigenen Sprößling so schlimme Erfahrungen macht, so sollte ihn das eigentlich zur Bescheidenheit mahnen, nicht aber zu widerlichen Ausfällen gegen die Juden veranlassen, zumal er den Beweis — welche jüdischen Wucherer, welche jüdische Litteratur? — schuldig geblieben ist. Rußland. Petersburg. Am 20. August fand in der hiesigen Synagoge eine Trauerfeier für den in der Mandschurei von den Chinesen g-etödteten Ingenieur I. A. Bernstein statt. Derselben wohnten der Minister der Kommunikationen, wirklicher Geheimrath Fürst Chilkow, die Verwandten, Freunde, Kameraden und Kollegen des Verewigten bei. Nach den üblichen Trauergesängen und Gebeten hielt Rabbiner Dr. Drabkin eine kurze, aber sehr inhaltreiche Gedächtnißrede. vermischtes. Kattowitz, 12. September. Heute findet die Einweihung der neuen Synagoge dahier statt. Ausführlicher Bericht folgt. München, 10. September. An Stelle des tm Juni ds. J6. verstorbenen Herrn E ommerzienrath Louis R e i ch e n b u r g e r wurde Herr Sigmund Fränkel (in Firma A- Frankel) zum Mitglied der Handelsu. Gewerbekammer für Obcrbavern cooptirt. Berichtigungen. In unserem Wandkalender muß eS heißen bei Elul. statt Neumond Nachmiltag, Nachts. Bei TamuS: statt Neumond Montag, Sonntag. In Nr. 70 vom 30. August, heißt es in dem Berichte aus Budapest: Der junge Bankier Samuel & aftmann hat in Gesellschaft einiger Damen fast kreuzerweise den Betrag von 2 00 Kronen (für die rumänischen Juden) gesammelt. Es soll heißen statt 200, zweitausend Kronen.

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