Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 74 (13.9.1900)
- Date
- 1900-09-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1520 Bilde festzuhalten. Bei der Aufnahme zeigte sich der persische Herrscher von der liebenswürdigsten Seite. Ein Bruder Jaswoin's ist ebenfalls Photograph und zwar in Petersburg, und soll durch eine Aufnahme des Czaren (diese so hohe Gunst wurde ihm vom Be Herrscher uller Reußen gelegentlich dessen Aufenthaltes in seiner Sommerresidenz erzeugt) nun kaiserlich-russ. Hofphotograph geworden sein. E. Dresden, 11. Sept. Der zweite Vorsteher der hiesigen Stadtverordnetenversammlung. Hartwig, der von 1884—1887 Dresden-Altstadt als konservativ antisemitischer Abgeordneter im Reichstage vertrat, hatte sich mit einem Herrn Bargon vor Gericht auseinander zu setzen. In den Gründen des gefällten Urtheils heißt es nach dem „Vorw.", daß Hartwig ein gegebenes Wort trotz aller Mahnungen und Verfügungen von Behörden nicht gehalten hat; daß er aus der ganzen Angelegenheit materiellen Nutzen zu ziehen suchte, daß er sich nach den im gewöhnlichen Leben geltenden Begriffen einer „Schiebung" schuldig machte, daß er seine moralische Verpflichtung Andern gegenüber verletzt hat, und daß man nach alledem die Ansicht Bargous, „Hartwig gehöre nicht auf den verantwortlichen Posten eines Stadtverordneten - Vizevorstehcrs", für berechtigt habe ansehen müssen. Bruchsal, 11. Sept. Am vergangenen Sabbat Kiseze hielt unser für die hiesige Gemeinde neugewählter Rabbiner seinen Einzug. Bon äußerlichem Pomp hatte man abgesehen; es waren nicht einmal Vertreter von Behörden, sowie die Geistlichen anderer Konfessionen cingeladen. Meiner Ansicht nach hätte dies geschehen sollen, jedoch muß der herrschende Synagogenrath anderer Ansicht gewesen sein. Am Freitag Abend wurde der Rabbiner Dr. Doktor bei seinem Eintritt in das Gotteshaus, geleitet von dem Synagogenrath, mit einem vom Ehor und Kantor vorgetragenen Voruch habo, feierlich empfangen. Der jetzige Vorsteher hielt eine kurze Ansprache, worauf der Rabbiner in wenigen, aber herrlichen Worten, sichtlich gerührt, für den Empfang dankte. Am Samstag Morgen hielt derselbe in der dichtgefüllten Synagoge seine Antrittspredigt, die nach Form und Inhalt eine meisterhafte zu nennen war. Als Text hatte der Herr Rabbiner die Worte gewählt: 'N bx mpi pnjn -rcn wy „Hebe Liebe und Gerechtigkeit und vertraue auf Gott." In pietätvoller Weise wies der verehrliche Redner zu Anfang seiner Predigt darauf hin, daß er ein sehr verantwortungsvolles Amt zu übernehmen habe; erstens in seiner Eigenschaft als Rabbiner und Lehrer, und ferner als Nachfolger des in die Reichshauptstadt nach 24jährigem Wirken in hiesiger Gemeinde berufenen Herrn Rabb. Dr. Eschelb a ch e r , dessen bedeutende Worte und noch bedeutendere Thaten nicht nur in der israelitischen Gemeinde Bruchsals, sondern auch im ganzen Großherzogthum Baden mit goldenen Lettern verzeichnet sind. In Anbetracht der religiösen Feier des Geburtstages Sr. Kgl. Hoheit des Großheryogs von Baden sagte der Redner etwa Folgendes: „Ich komme als Fremder in dieses Land und habe bisher nur das segensreiche Walten und Schalten des erhabenen badischen Landesfürsten aus der Ferne beobachtet und bewundert. Ich freue mich ganz besonders, gerade in dein Lande dieses edlen Herrschers meinen Beruf ausüben zu können." Mit einem schönen Gebete für aas Wohlergehen des Großherzogs schloß die erhebende Feier. Möge es dem neuen Herrn Rabbiner gelingen, den religiösen Sinn in hiesiger Gemeinde zu heben und zu fördern, und früher eingeführte Neuerungen wieder zu beseitigen. L. O e st e r r. - U n g a r. M v u n v ,b . LLien, ln. Sept. (Antisemitische B e - s ch u l d i g u n g e n.i In einer antisemitischen Versammlung sprachen ztoei Redner, Johann König und HanS Hravi - der Erftere Herausgeber eines antisemitischen Blättchens — davon, daß angeblich der Rabbiner eines Vorortes Aergerniß erregt habe, irtberrt er nackt am offenen Fenster stand; der illegitime Einfluß des Iudenthums habe sich darin gezeigt, daß der Rav biner in Folge höherer Weisung nicht angeklagt wurde, obioohl der staatsanivaltliche Funktionär schon iin Begriffe war, gegen ihn gerichtlich borzugehen. Die beiden Genannten, sowie der Vorsitzende der Versamm lung, Karl Nagorzauski, welcher die Redner nicht un terbrochen hatte, waren deßhalb vor dem Bezirksgerichte angeklagt, und zwar die ersten Beiden der Amtsehren beleidigung, der Letztere der Uebertrctung gegen das Vereinsgesetz. Das Bezirksgericht sprach beide Auge klagte frei. Der Apvellsenat unter Vorsitz des Land gerichtrathes Dr. von Neubauer gab der Berufung des Dr. v. Hauer, als Vertreter der Staatsanwaltschaft, Folge, und verurtheilte König zu fünfzig Krollen, Hrabi zu zwanzig Kronen, Nagorzauski zu zehn Kro nen Geldstrafe. Es liege eine Beschuldigung gegen die Behörde vor, ohne daß voll der Erbringung eines Wahrheitsbeweises allch mir im entferntesten die Rede sein könne. Mildernd sei die hohe Aufregung des politischen Kampfes. 4Licn, 11. Sept. (Jüdischer T u r n v e r - e i n.) Die Statthalterei hat die Statuten des „Allgemeinen jüdischen Turnvereins" genehmigt. Da trotz aller Bemühungen ein Turnplatz weder vom Magistrate noch vom Landesschulrathe zu erlangen lvar, ergeht an die jüdischen Mitbürger die Aufforderung, den Verein moralisch und materiell zu unterstützen. Der Turnverein wird seine Thätigkeit im Laufe dieses Monats wieder aufnehmen. Der Turnplatz ivird sich vorläufig in dem Hause 1. Bezirk, Heßgasse 7, befinden. Der Mitgliedsbeitrag beträgt eine Krone. Anfragen und Beitrittsmeldungen sind zu richten an Herrn Bela Felsenburg, Wien, Universität.