Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 74 (13.9.1900)
- Date
- 1900-09-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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4U Jahrgang. M 74 Der Israelit. Ein Kentral-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. ui r5ager aufgehängte Harfe, durch welche Mitternacht strich, ihn weckte, daß dies der almwortes (Ps. 57, V. 9) sei: „Wache auf wache aui Psalter and Donnerstag, den 13. September 5660 (1900)* Tagen tritt diese Pflicht noch entschiedener und früher an jeden Einzelnen heran, als sonst im Laufe des Jahres. Aber welche übermenschliche Energie und Kraft dazu gehört, dieser Pflicht willig und freudig, Tag für Tag gerecht zu werden, das muß man an sich selber erprobt haben, um die Löwenmacht zu würdigen, welche dafür in die Schranken gefordert wird. Viele weisen diese Pflicht als eine unberechtigte Zumuthung von sich und glauben wunder wie klug zu sein, wenn sie auf den großen Gedanken verfallen, man könne ja alle diese Gebete auch um ein paar Stunden später beten. Und während sonst die Kinder unserer Zeit mit der Minute geizen, und Zeit für Geld erklären, zeigen sie sich alle als vollendete Zeitverschwender, ivenn es sich um Abbruch ihres Morgenschlafes handelt. Und doch hat der Mensch, dessen Neigungen und Leidenschaften jeden Tag mit ungebrochener Kraft neu mit ihm erwachen, in der Bewältigung des Morgenschlafes den ersten Schritt zu ihrer erfolgreichen Bekämpfung gethan. Die Tage am Ausgang des scheidenden und an der Pforte des neuen Jahres, die an unsere Willenskraft auch höhere Ansprüche als sonst stellen, wollen uns gewiß nicht umsonst durch Abbruch des Morgenschlafes Gelegenheit zu diesem Siege über uns selber geben. Wer will die Wohlthat in ihrer ganzen Tiefe ermessen, welche die Erfüllung dieser einen Pflicht für jeden Einzelnen und für die große Gesamintheit bedeutet! Wenn wir Juden allein jähen Wechsel der Verhältnisse gegenüber nicht die Ruhe und Besonnen heit verloren haben, die uns keine Zeit fürchten und keiner trauen lehrt, die uns immer auf dem Qui vive zeigt, die uns befähigt, liebgewordene Bande allezeit zu lösen und neue Beziehungen anzuknüpfen, die an alle Zeiten und Oertlichkeiten uns leicht anschließen und dennoch uns nirgends gebauten- und sorglos in der Menge aufaehen läßt, wer will denn ermessen, tvelchen Antheil an dieser geistigen Regsamkeit gerade das Regime hak, das uns mit Löwenmacht täglich aus dem Schlaf rüttelt, und, während andere noch der süßen leitender Artikel. EiuI-dD'trachtnngen. II. Wenn wir der Mahnung dieser jüdischen Gnadenzeit der Elultage entsprechend unser gesummtes Thun und Lassen einer prüfenden Durchsicht unterziehen wollen, so dürfte es sich empfehlen, für die schier unermeßliche Jülle von Betrachtungen und Erwägungen als äußeren Anhaltpunkt das Leben des Tages, vom Erwachen am Morgen bis zum Niederlegen zur Ruhe nach vollbrachtem Tagewerk anzunehmen, um an diesen Jaden die Gedanken 311 reihen, zu welchen eine solche Prüfung aus Schritt und Tritt anregt. Vom Erwachen! Mit ihm, mit dem ersten Augenaufschlag, beginnt für den Juden der Gottesdienst, nicht erst mit dem Gebet und in der Synagoge, '1x2 12:71' ixn:: TilirrÄ 1,122 -:zyb „Man ermanne sich wie ein Löwe aufzustehen am Morgen, zum Dienste seines Schöpfers," heißt es in diesem Sinne, in unserem Pflichtkoder, im Schulchan-Aruch, der mit dieser Mahnung alle Pflichten des jüdischen Lebens einleitet. Es lvird uns damit die ganze Energie nahe gelegt, die auch nur dazu erforderlich ist, um die süße Morgenruhe zu unterbrechen und den Dienst Gottes anzutreten. Dieser Dienst, der uns mit dem ersten Erlvachen aus unfern Posten ruft und uns nicht eher entläßt, als bis ioir das lebensmüde Auge zum elvigen Schlummer schließen, verlangt als erstes Opfer unseren Schlaf, unsere Bequemlichkeit, die ganze Lebensgemächlichkeit, die von vielen nur so schwer gebracht tvird, daß in der Thai die Macht eines Löwen dazu gehört, um ihr gerecht zu werden. In den letzten Tagen des scheidenden und in den ersten Tagen des neuen Jahres, in den .1.1'bv u. .12V71ters, des w*- ...