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Der Israelit · 1900-09-06 · Heft 72 (6.9.1900) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 72 (6.9.1900)
Date
1900-09-06
Page
– (sequence 17)
Language
German
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41* Jahrgang. Zweite Aeikage zu M 72 des „Israelit". Leitender Artikel. Die Nahrung des gesnnden i trautes Magens. Zur Verhütung und Linderung von Magenkrankheiten. Mit besonderer Berücksichtigung der jüd Speisegesetze. Von Dr. P. Münz, pract. Arzt, Nürnberg. (Fortsetzung. *) TU. Allgemeine Diiitregeln. Mit der Zutuhr einer selbst ausreichendtL und zweckdienlichen Nahrung allein ist den An forderungen. welche die Hygiene an die Ernährung stellt, noch nicht ganz genügt Es muss noch eine Reihe von Massnahmen hinzutreten, welche alle darauf hinauslaufen, den Verdauungs, proces zu fördern und zu unterstützen. Es sind dies allgemeine Diätregeln, welche sich weniger auf die Natur, auf die chemische Zusammensetzung der Nahrungsmittel erstrecken, als vielmehr auf die Art und Weise, in der sie dem Körper zugeführt werden sollen, sowie auf das hygienische Verhalten, das die sonstige Lebensweise eiheischt. Diese Massnahmen sind oft von so weittragender Bedeutung, dass sie eine der wichtigsten Bedingungen zur Wiederkehr eines besseren Gesundheitszustandes, zur Wiederherstellung der normalen körperlichen Punktionen bilden. Ihre Vernachlässigung kann schon bei ganz Gesunden schwere Schädigungen des Organismus im Gefolge haben und dazu führen, dass selbst die beste Nahrung ihren Zweck verfehlt. Bei Magenkranken gar ist es um so eher geboten, diesen allgemeinen Diätregeln Beachtung zu schenken, als sich ja bei der Empfindlichkeit ihrer Verdauungsorgane jeder, auch der kleinste diätetische Fehler an ihnen schwer rächt. Was vor Allem die Form, das Aussehen der einzelnen Nahrungsmittel betrifft, so gelte als oberster Grundsatz die Beachtung der peinlichsten Sauberkeit, welche nicht nur in der Zubereitung der Speisen, sondern auch im Servilen, in den Essgeschirren, in denen sie gereicht werden, zum Ausdrucke kommen muss. *) Vergl. Nr. 42 dea „Israelit“. Auch der Speiseraum biete dem Kranken einen angenehmen Aufenthaltsort während der Mahlzeit; er sei richtig temperirt auf 15° Celsius und frei von schlechten Gerüchen, von Küchendunst zumal, der geeignet isc Widerwillen zu erregen und den Appetit zu verscheuchen. Die saubere Darreichung der Speisen wirkt angenehm auf das Gemüth des Kranken und trägt dazu bei, seine Esslust zu erhöhen; es wird dadurch gewissermassen ein moralischer Effect erzielt. Damit wird aber auch zugleich ein hygienischer Zweck erfüllt, indem die Beobachtung der peinlichsten Reinlichkeit am ehesten dazu beiträgt, Krankheitskeime, Gährungserreger, die, wie bekannt zumeist an schmutzigen Gegenständen haften, fernzuhalten. Die Aufnahme solcher Keime mit der Nahrung macht sich gerade bei Magenkranken in schädlicher Weise fühlbar. Während nämlich diese Keime in dem gesunden Magen durch seine Magensäfte geschwächt und zum Absterben gebracht werden, giebt der kranke Magen, in welchem sich ohnedies abnorme Gährungs- und Fäulnisprocesse abspielen, für ihr Gedeihen einen günstigen Boden ab, so dass zu den bisherigen Krankheitsursachen ein neuer Reizanstoss sich gesellt. Aus diesem Grunde sollen Magenkranke nur solche Speisen gemessen, welche, rein und sauber zubereitet, Gewähr bieten, dass an ihnen keine Krankheitskeime haften. Diesem so wichtigen Faktor in der Ernährung ist in allen Stücken durch das religiöse Speisegesetz Rechnung getragen. Das Religionsgesetz verpönt ja den Genuss von Allem, was unsauber, ekelerregend ist. Das Wasser, welches zur Zubereitung der Speisen verwandt wird, muss nach religiöser Weisung von allen Lebewesen und thierischen Resten frei und rein sein. Bestimmte Arten von Koch- und Tischgeräthen müssen vor ihrer ersten Benützung in fliessendem Wasser gesäubert und gereinigt werden. Die Hände sollen, wie es die religiöse Satzung ferner bestimmt, vor den Mahlzeiten gewaschen werden. Im Laufe des Tages setzen sich nämlich, wie die Hygiene lehrt, an die Hände eine solche Unmasse von Bakterien fest, dass nur ein gründliches Waschen sie beseitigen kann. Mögen die Hände auch äusserlicli rein erscheinen, so haften an ihnen doch ganze Kolonien solcher unsichtbarer Lebewesen, die, mit der Nahrung in den Magen gelangt, ihre schädliche Wirkung entfalten. Welche moderne Weisheit der Hygiene spricht nicht ans

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