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Der Israelit · 1900-09-06 · Heft 72 (6.9.1900) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 72 (6.9.1900)
Date
1900-09-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1483 Vieles könnten wir noch von den unbefangenen, selbstständigen Anschauungen des Ministerpräsidenten erzählen. Ein ganzer Sagenkreis umgibt in Bistritz- Naszod und Szolnok-Doböka den Namen des edlen Barons. Es gibt in diesen Comitaten kaum einen Menschen, der nicht eine spezielle Geschichte erzählen könnte, wie ihn der Obergespan gegen eine Rechtsverletzung geschützt, in diesem oder jenem Unternehmen unterstützt hat. Und jede einzelne Episode ist ein glänzender Beweis dafür, das; der Liberalismus, zu dem sich Se. Exellenz bekennt, keine Phrase, sondern „die auf Erkenntnis der Gerechtigkeit basirte Ueberzeugung einer edlen, klugen Seele ist." Anderthalb Jahre ist Baron Banffy nicht mehr Ministerpräsident. In den politischen, gesellschaftlichen und wirthschaftlichen Verhältniffen in Ungarn hat auch seitdem gar Vieles eine ganz andere Gestalt angenommen. Selbst in den höchsten Regierungskreisen werden unter dem Titel „Agrarismus" die ökonomischen Jnteresten der Juden systematisch untergraben. Der kleine Mann im Dorfe, der auch bisher nur ein kümmerliches Leben fristete, ist gezwungen, seinen Heimathsort zu verlassen. Der Pfarrer verkauft dem fanatisirten Volke sämmtliche Lebensbedürfnisse. Der Jude wird schön langsam aus allen Gebieten verdrängt. Und dieser unausgesprochene Antisemitismus vollzieht sich ganz unauffällig unter dem Schutze einer „liberalen" Negierung. Kein Staatsmann von Bedeutung stellt die Trage aus, ob denn dieses pastive Verhalten der Regierung auch noch „liberal" sei. Die segensreiche politische Wirksamkeit des hochsinnigen Baron Banffy gehört einer entschwundenen Vergangenheit. Er selbst ist aber das geblieben, was er stets gewesen ist: „ein edler Mensch," ein wahrer unermüdlicher Kämpfer für Recht, Gesetz und Wahrheit. Das war er als Obergespan, das war er als Ministerpräsident, da er an der Spitze der Macht gestanden, und das ist er auch heute noch." Die göttliche Vorsehung und unser Zeitalter braucht aber solche Männer und deswegen hat auch der derzeitige königl. ungarische Obersthofmeister Baron Destder Banffy seine Mission noch nicht beendet. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Kitnngcn, 2. Sept. Es wird wohl Ihre werthen Leser interessiren, auch einmal etwas über die emporblühende jüdische Genwinde Kitzingen zu hören. Vor ca. 49 Jahren dursten hier Juden überhaupt nicht wohnen, und heute zählt bereits die Gemeinde über 100 zahlende Mitglieder resp. Familien. Die religiöse Richtung derselben besteht aus allen Schattirungen, von der strengsten Orthodoxie bis zur äußersten Reform. Trotz dieser Verschiedenheit in religiöser Beziehung ist bis jetzt der Friede innerhalb der Gemeinde ein geradezu mustergiltiger. Unser in allen Kreisen beliebter Rabbiner Herr Adler versteht es denn auch, durch sein eigenes friedliches u. liebenswürdiges Wesen, stets dafür zu sorgen, daß die Einigkeit nicht gestört wird. Diese zeigt sich bei den Wahlen der Kultusverwaltung, die in der Majorität immer im orthodoxen Sinne ausfällt und zeigte sich ganz besonders bei der jüngst stattgehabten Wahl eines Religionslehrers und Cantors, bei welcher von etwa 30 Bewerbern mit überwältigender Stimmenmehrheit Herr Lehrer Bamberger, Ellingen, Sohn des Herrn Rabbiner Bamberger in Sennheim (Elsaß) und Nekfe des hiesigen Herrn Rabbiners, aus der Urne hervorging. Herr Lehrer Bamberger, der Freitag, den 31. August, seine Stelle angetreten, verspricht ein würdiger Nachfolger seines Vorgängers, des Herrn Lehrer Feinberg, zu werden, welcher nach dreijähriger, segensreicher Wirksamkeit in hiesiger Gemeinde, behufs weiterer Ausbildung die Universität Zürich bezogen hat. Möge es Herrn Bamberger gelingen, in gleicher Weise die Herzen der Gemeinde und die Liebe der Kinder zu gewinnen, wie cs bei seinem Vorgänger der Fall gewesen. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Tarbogard, Ende Aug. Einen überaus schweren und herben Verlust hat unser verehrter Herr Rabbiner und mit ihm nicht nur unsere Gemeinde, sondern auch das ganze Judenthum erlitten. Eine jener nvjjynst anw jener biederen, glaubensstarken, echt jüdischen Frauen, die einen mächtigen, wohlthuenden Einfluß auf ihre Zeit ausgeübt, ist dahingegangen, eine unausfüllbare Lücke hinter sich lassend. Unsere allseitig hochgeschätzte und geliebte Frau Rabbiner Katharina L ö w y hauchte am 22. v. M. in ihrem 58. Lebensjahre ihre reine Seele aus. Sie war die Tochter unseres berühmten sel. Rabbiners yp'itt cat a-na« "i sprn pxrt s*n Schwiegersohn des Bonyhader und Eisenstädter Rabbiners b"p'N vbixs rupo ' i spi-n Unsere Frau Rabbiner s. A. erbte den Hellen Geist ihres Vaters und war die würdige und große Tochter ihres großen Vaters. Ihre Weisheit, Herzensbildung und Güte sind geradezu sprichwörtlich geworden. Trotz ihrer Stellung und geistigen Ueberlegenheit kannte sie keinen Stolz und war buchstäblich der Schutzengel der Armen, Leidenden und Bedürftigen. Als gründendes Mitglied und Ehrenpräsidentin des hiesigen Frauenvereins entfaltete die theure Verblichene eine bewunderungswürdige ersprießliche Thätigkeit. In ihrer Nähe fühlte sich der Arme nickt verlassen, der Kranke wohler, denn ihre Klugheit und ihr frommes Gemüth fand für Jeden ein erhebendes und tröstendes Wort. „Unsere gute Mutter haben wir verloren," so hörten wir klagen viele hiesige und auswärtige, jetzt schon in geachteter Stellung sich befindende Männer und Frauen. Die

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