Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 71 (3.9.1900)
- Date
- 1900-09-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1467 ‘r jüdischen Ethik den Schwerpunkt ihrer Wirksamkeit legten; jeder einzelne dieser Momente für sich böte reichen Stoff zu einer Monographie. So unbegreiflich es auch klingt, so wahr ist es leider, daß gerade diese lauteren Bestrebungen vielfach auf Widerspruch gestoßen sind, der besonders in den jüngsten Jahren, lange nach dem Heimgange R. Israels, oft recht gehäffige Formen annahm. Unter diesen widerwärtigen Kümpfen, die in den jüngsten Jahren zwischen den Anhängern und Gegnern dieses von R. Israel inaugurirten Musser-Studiums zu Tage traten, ist das von R. Jsak Blaser veröffentlichte tx ibb doppelt freudig zu begrüßen. Ohne dieser Kämpfe auch nur mit einem einzigen Worte zu erwähnen, setzt es die Nothwendigkeit und Bedeutsamkeit des Musser-Studiums in das rechte Licht. Der Verfasser widmet diesem Gegenstand den ersten ns '“j?*? betitelten Theil des vorliegenden Werkes. Es folgen dann Briefe und sonstige Aeußerungen R. Israels über diesen Gegenstand. Eine Fülle von Charakterzügen des großen Meisters sowie dessen Lehrers Rabbi Jos. Sundel von Salant. Das Ganze ist ein herrliches Monument, das der würdige Schüler dem großen Meister gesetzt hat und das es dem Leser ermöglicht, sich nunmehr selber ein Bild von dieser eigenartigen Größe R. Israels s. A. zu entwerfen. Eine populäre deutsche Uebertragung dieses Werkes wäre ein nicht hoch genug anzuschlagender Beitrag zur rechten Würdigung des Talmud und des von ihm gezeitigten Talmudjudenthums. Vor allem sei es aber unseren Herrn Rabbinern, Predigern und Lehrern, kurz allen denjenigen empfohlen, die durch ihr Wort bildend und veredelnd auf ihre Zuhörer einwirken möchten. Es ist mir kein zweites in den jüngsten Jahren erschienenes Werk bekannt, das diesem Zweck so vollkommen entspricht, wenn der Vortragende sich selber vorher in den Gegenstand des Vortrages mit dem ganzen Ernste vertieft, den er erfordert. Zeitungsnachrichten und Carrefpondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 28. August. Die hiesige Stadtbibliothek hat wiederum eine große, werthvolle Bereicherung ihrer bekanntlich bereits äußerst bedeutenden Hebraica- und Judaica-Sammlung zu verzeichnen, indem einer ihrer Gönner, dem sie schon eine ganze Reihe von Zuwendungen verdankt, eine aus etwa zweihundert Nummern bestehende auserlesene Sammlung von Gesangswerken für den israelitischen Gottesdienst für Cantor, Chor und Gemeinde ankaufte und ihr zum Geschenk machte. Diese „musikalische Synagogenbibliothek" enthält die wichtigsten Notenwerke und Abhandlungen zur Geschichte des synagogalen Gesanges: die großen Werke Sulzer's, des Pariser Cantors Naumbourg und die in deutschen Synagogen eingebürgerten Melodien des Berliner Professors Lewandowski sind vorhanden. Auch das umfangreiche Werk von S. Baer, das traditionelle Melodien aller Nationalitäten enthält und deßhalb auch für die Geschichte des synagogalen Gesanges von großem Werth ist, befindet sich in der Sammlung. Endlich seien aus dieser neben mehreren Handschriften noch besonders Consolo, der die alten Gesänge der spanischen Juden, und Cremieu, der die des südlichen Frankreich ausgezeichnet hat, besonders hervorgehoben. Hamburg, 28. Aug. Der „Verein zur Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder (Ferienkolonien) konnte auch diesem Jahre einer größeren Anzahl von Kindern die Wohlthat eines Landaufenthaltes gewähren. Ein Theil derselben wurde in das Soolbad „Wittekind" bei Halle a. d. S. geschickt, die übrigen nahmen ihren Aufenthalt in Bad Nenndorf bei Hannover. Die Kinder standen unter Aufsicht zweier Lehrerinnen, zweier Lehrer und einer geprüften Krankenschwester. Außer den ärztlicherseits verordneten Bädern wurde ganz besonderer Werth auf kräftige, nahrhafte Kost gelegt. Das Resultat des diesjährigen Sommeraufenthaltes war ein sehr zufriedenstellendes. Nach vierwöchentlicher Abwesenheit trafen die Kinder wieder in Hamburg ein. Es wäre sehr wünschenswerth, daß der wackere Verein sowohl durch Beitritt neuer Mitglieder, als auch durch Zuwendung von Legaten in die Lage versetzt würde, den gestellten Anforderungen ganz zu entsprechen, denn auch in diesem Sommer mußte eine Anzahl Kinder, denen ein Erholungsaufenthalt dringend Roth that, zurückgewiesen werden, weil die vorhandenen Mittel nicht ausreichten. Für die Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder bleibt hier noch ein weites Feld offen, namentlich da die Verwaltung bestrebt ist, ein eigenes Kinderheim in Cuxhaven zu errichten. Rumänien. Bukarest, 2. Aug. (Die Judenauswanderung ans Rumänien.) Die rumänische Regierung versucht in der offiziösen „Pol. Korr." sich möglichst von jeder Schuld an der Auswanderung rein zu waschen. Wenn auch ihr Versuch recht unglücklich ausfällt — denn schwarz kann man nicht als weiß hinstellen — so ist es doch immerhin schon als ein Fortschritt zu begrüßen, daß die Regierung sich überhaupt bewogen fühlt, sich öffentlich zu rechtfertigen. Von besonderem Interesse dürfte der Schluß der langen Zuschrift sein, der vielleicht zu einiger Hoffnung auf Besserung berechtigt. Es heißt da: „Man hat behauptet, die rumänische Regierung sähe die Auswanderung der nicht unansehnlichen Zahl von Juden gerne. Welches Interesse sollte sie aber daran haben, Handwerker das Land verlassen zu sehen, i ,i i I » I -j f i r .;l ' i 'f I i