Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 68 (23.8.1900)
- Date
- 1900-08-23
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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für Jüdische Geschichte und Litteratur. Herausgegeben von Dr. L«. fjtfwenateln. Erscheint alle Monat in der Stärke von mindestens einem Bogen. — Alle für diese Beilage bestimmten Manuscripta und Anfragen sind an Herrn Bezirks-Rabbiner Dr. Lowenstein, Mosbach (Baden) zu richten. -ey&ts *Z — Beilage z~cl ITi- 68 cLes „XsxsiQlit “ Die Juden im Eisass vor und während der Schreckensherrschaft. (Fortsetzung.) XI. Unterdessen hatten, so führt Seligmann Alexander in seiner Denkschrift weiter ans, die Fortschritte des revolutionären Geistes bei uns, wie anderwärts, die Herrschaft der extremen Parteien im Gefolge. Der Protest unserer konstitutionellen Behörden gegen den 10. August, die Amtsentsetzung- und Flucht Dietrichs, die Ankunft der Kommissäre des Konvents, die Einsetzung eines provisorischen Geiueinderaths, alle diese auf einander folgenden Ereignisse veränderten bald die verliältnissmässig ruhige Physiognomie unserer alten Stadt. Das sogenannte elsässische Element verschwand immer mehr vor der Haltung der eingewanderten Deutschen und der Franzosen aus dem Innern des Landes. Die Strassburger Israeliten gewannen nichts bei diesem Tausch. Sie sahen sichjbald von den Jakobinern aus Paris und jenseits des Rheines mit grösserer Leidenschaft verfolgt, als dieses jemals bei der Obrigkeit der alten Regierung der Fall war. Dabei liessen es die Juden nicht an Bemühungen fehlen, um das Wohlwollen der Mächtigen des Tages durch Versprechungen und zuvorkommende Geschenke zu gewinnen. Die für das Jahr 1793 von Alexander aufgestellte Bilanz bietet uns einen Einblick sowohl in die Zunahme ihrer Befürchtungen, als auch in die Steigerung der von ihnen gebrachten Opfer. Wir sehen Alexander im April 300 livres für die Freiwilligen zahlen, nachher 200 1. für die Ausrüstung eines Reiters; er bietet seiner Sektion 20 neue Hemden an, die auf 20o 1. berechnet werden. Er entspricht später einem Aufruf der Gesellschaft der Jakobiner, indem er in ihrem Bureau für 80o 1. Uhren, Silheiwvaaren u. s. w. und für 4o0 1. Strümpfe, Schuhe und Mäntel niederlegt. Endlich werden zwei verwundete Freiwillige während zwei Dekaden von ihm aufgenommen und bewirtet, eine Dienstleistung, die vom Wirt auf 10o 1. geschätzt wird. Wir erwähnen nur nebenbei die andern Summen, deren Verlust im Laufe des Jahres ihn traf und die sorgfältig in die Passiva übertragen wurden. Dort linden wir beispielsweise 5000 1. für Tücher, die in Strassbuig und Cernaj' requirirt wurden, 74 000 1. für feine böhmische Wolle, welche per Centner 1250 1. kostete und die Alexander im November 1793 für 32o 1. ablieferte, um sich dem Gesetze des maximum zu unterwerfen lind „nicht in die Hände des grausamen Gerichtshofs von Schneider zu fallen.“ Die geringsten unter seinen Glaubensgenossen versuchten, nach einem niedrigeren Massstab die öffentliche Meinung durch ihre Gaben zu gewinnen. So übergab die „Bürgerin“ Moise Isaac dem Volks verein die Schnupftabaksdose ihres Mannes mitsamt „dem Ertrag ihrer Nachtarbeit an Charpie und Verbandstoff“. Andere, zweifellos waren es Rabbiner (sic!), brachten „Stabknöpfe (?) aus der Synagoge“, „jüdische Tabernakel“, ja sogar „zwei Figuren von Moses und Aron“. Alles dieses hinderte jedoch die Jakobiner nicht, einige Tage später zu beschlossen, an das Direktorium des Departements zu schreiben, dass man „die Austreibung aller in Strassburg nicht ansässigen Juden“ verlange. Es ist wahr, dass die Erhebung der Radikalen zur Herrschaft da-